Fingerabdruck per Handy: Polizei testet neue Methode

Durch die neue Technik sei die Fahrt mit Verdächtigen zur Dienststelle nicht mehr notwendig, sagte Innenminister Gerhard Karner.
Polizist scannt Fingerabdrücke mit einem Smartphone auf offener Straße.

Statt Verdächtige zur Dienststelle zu bringen, um deren Fingerabdruck zu nehmen, reicht bei der Polizei künftig ein kurzer Scan vor Ort aus. Innerhalb von eineinhalb Minuten erhält der Beamte bzw. die Beamtin alle Informationen aus der Datenbank über den Verdächtigen – sollte der bereits amtsbekannt sein. 

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) präsentierte die neue Technik am Montag und sprach von einer „weltweit erstmaligen Innovation“. Österreich sei das erste Land, in dem die Polizei Fingerabdrücke auch am Handy scannen könne.

Pilotprojekt in drei Bundesländer

Seit Anfang März läuft ein Pilotbetrieb mit rund 600 Beamtinnen und Beamten – unter anderem in Wien, Tirol und Niederösterreich. Die Bilanz: Bereits über 600 Identitäten konnten festgestellt werden, mehrere Fahndungen wurden geklärt. Ziel sei, diese Technologie bis Ende des Jahres auf ganz Österreich auszurollen. Im Jahr 2019 startete die Entwicklung des Tools in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT).

Anwendung am Diensthandy

Die lange Vorlaufzeit lag nicht nur an der Entwicklung der Sensortechnik und der Software, erläuterte Helmut Leopold, Chef des Centers for Digital Safety and Security des AIT. Es galt auch, die Anwendung gesetzeskonform  und sicher zu machen – zum Schutz der Privatsphäre. Die rechtlichen Vorgaben seien im Sicherheitspolizeigesetz geregelt, sagte der Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), Andreas Holzer.

Die Entwicklung sei  im Rahmen des Kiras-Sicherheitsforschungsprogramms und mit EU-Unterstützung erfolgt. „Es ist ein EU-gefördertes Projekt gewesen, in Summe hat es dem BMI nicht viel Geld gekostet. Die laufenden Kosten sind gering, die Entwicklungskosten sind getragen worden“,  so Holzer. Eine konkrete Summe nannte er nicht. 

Berührungsloser Scan

Wie funktioniert die neue Technologie nun? Berührungen zwischen Handy und Fingern sind für den Scan nicht notwendig. Die zu Kontrollierenden halten einfach ihre Hand mit den Flächen der vier Finger – von Zeigefinger bis zum kleinen Finger – unter das Mobiltelefon, der oder die Beamte justiert das Handy entsprechend, scannt und schickt nach einer Qualitätsprüfung die Daten über eine verschlüsselte Leitung an die Zentrale. 

So geschehen etwa am Freitag beim Wiener Westbahnhof, im Zuge einer Schwerpunktaktion. Beamte der Bereitschaftseinheit bzw. der Fremdenpolizei wandten die neue Methode an und konnten so zwei Personen ausfindig machen, die sich illegal im Land aufhielten. Auch einem Drogendealer kamen die Beamten durch den Fingerscan auf die Schliche. 

"Massive Erleichterung"

„Der konkrete Nutzen für die Polizei ist eine massive Erleichterung im Polizeialltag, der Zeitgewinn, effizientere Abläufe, weniger Transporte und administrative Aufwände“, fasste Holzer zusammen. Man wolle so auch bürgernäher werden – für die einzelnen Betroffenen verkürze sich die Wartezeit der Amtshandlung, weil sie  nicht mehr nach Hause fahren müssen, um ihren  Ausweis zu holen und dann vorzuweisen. 

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