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Haft für Chauffeur von falschen Polizisten in Wien

Im Wiener Landesgericht musste sich am 16. Juli ein 23-jähriger Mann verantworten, der sich wiederholt als Chauffeur für falsche Polizisten in der Hauptstadt betätigt hatte.
Schriftzug Landesgericht für Strafsachen auf dem Gebäude.

Anfang Jänner dieses Jahres wurde der junge Mann von einer Bande angeworben, die sich darauf spezialisiert hatte, ältere Personen mit falschen Telefonanrufen zu täuschen. Dabei gaben sich die Anrufer als Polizisten aus und versuchten, Bargeld, Schmuck und diverse andere Wertgegenstände zu ergattern. Der 23-Jährige diente ihnen unter anderem als Chauffeur

Nun wurde er wegen schwerem gewerbsmäßigem Betrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation angeklagt. Das Urteil umfasst eine zweijährige Haftstrafe, davon acht Monate unbedingt. Der Mann nahm das Urteil an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Es ist somit noch nicht rechtskräftig.

Hohe Schadenssumme

Aktuell werde den Betrügern ein Schaden in der Höhe von 25 Millionen Euro zugeschrieben, wie der Kläger von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vor dem Schöffensenat beim Prozess erklärte. „Die Dunkelziffer ist hoch. Viele Betroffene haben ein schlechtes Gewissen und machen keine Anzeige“, lauteten weitere Ausführungen. Auch Scham spiele eine große Rolle bei der Meldung der Betrugsmaschen.

Der Angeklagte hatte von Anfang Jänner bis Mitte April mindestens fünf falsche Polizisten chauffiert und dann im Auto gewartet, bis diese mit der ergaunerten Beute zurückkamen. Einer Betroffenen wurden 135.000 Euro in bar abgenommen, einer weiteren Person mindestens 80.000 Euro. Die fünf Fälle, die dem Chauffeur vor Gericht zur Last gelegt werden, belaufen sich auf einen Schaden von 270.000 Euro.

Vom Hotelangestellten zum Bandenhelfer

Bis vor einiger Zeit war der Mann noch in einem Nobel-Hotel in Wien als Rezeptionist tätig gewesen, dann kündigte er mit dem Vorhaben, die Matura nachzuholen. Dies ist nach aktuellem Stand bis heute nicht geschehen. Stattdessen begann er, mit der kriminellen Bande zusammenzuarbeiten. Für seine Dienste habe er etwa fünf bis zehn Prozent der Beute erhalten. Gab es gerade keine Aufträge, fuhr er auf Skiurlaub nach Sölden oder reiste mit der Familie seiner Freundin nach Barcelona.

Heimtücke wirkte im Prozess erschwerend

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht zwar geständig, versuchte seine eigene Verantwortung aber abzumildern. Er sei nämlich „nur gefahren“ und habe „die Adressen bekommen“. Er habe aber weder Hintergrundwissen gehabt noch gefälschte Ausweise bereitgehalten. 

„Sie haben ganz genau gewusst, was Sie tun. Ihre diesbezüglich leugnende Verantwortung glaubt Ihnen kein Mensch. Es war Ihnen schlicht und einfach egal. Sie wollten ohne viel Aufwand Geld verdienen und nicht normal arbeiten gehen“, meinte die vorsitzende Richterin hingegen in der Urteilsbegründung.

Bei einem möglichen Strafmaß von bis zu fünf Jahren wurden vom Gericht die „heimtückische Vorgangsweise“, die besondere Vulnerabilität der Opfer und „der hohe soziale Störwert“ erschwerend gewertet. Angesichts seiner bisherigen Unbescholtenheit kam der 23-Jährige mit der teilbedingten Haftstrafe davon.

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