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Zur Kündigung gedrängt, jetzt bekommt Köchin fast 9.000 Euro Nachzahlung

Die betroffene 42-Jährige klagte offenen Lohn, Sonderzahlungen, Kündigungsentschädigung und Urlaubsersatzleistung ein.
küche

955 Euro brutto bei 20 Wochenstunden. So viel verdiente eine Köchin in einem Wiener Innenstadtlokal, ehe sie nach drei Monaten auf Vollzeit angestellt wurde - für 1.950 brutto.

Insgesamt zehn Monate arbeitete die Köchin damit für ihren Arbeitgeber. "Doch obwohl die Arbeitnehmerin mehr geleistet hat, hat der Arbeitgeber sie nach sechs Monaten zu einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses gedrängt", so Ludwig Dvořàk Bereichsleiter der arbeitsrechtlichen Beratung in der Wiener Arbeiterkammer in einer Aussendung, in der die AK die Kündigung kritisiert. "Die Gastronomie-Branche klagt seit Jahren über Fachkräftemangel", heißt es darin. "Aber
auf die Personalpolitik der Masse der Betriebe hat das wenig Einfluss." 

Der Fall der gekündigten Köchin stehe exemplarisch für viele ähnliche Fälle. Die betroffene 42-Jährige wandte sich an die AK und klagte ihren offenen Lohn, Sonderzahlungen, Kündigungsentschädigung und Urlaubsersatzleistung ein. Und das Arbeits- und Sozialgericht gab ihr tatsächlich Recht: Sie bekam insgesamt 8.900 Euro brutto zugesprochen. 

Die Köchin hatte sich geweigert, das Kündigungsschreiben zu unterzeichnen. Da behauptete der Arbeitgeber auf einmal, die Köchin sei "zu wenig flexibel" bei Dienstplanänderungen gewesen - und sprach eine "Kündigung mit sofortiger Wirkung" aus. Aber: "Eine Kündigung mit sofortiger Wirkung kann nur in beiderseitigem Einvernehmen vereinbart werden. Bei einer normalen Kündigung durch den Arbeitgeber gibt es immer eine Kündigungsfrist, während der der Lohn weitergezahlt werden muss", erklärt Dovark. 

"Insgesamt erleben wir solche Fälle in der Gastronomie leider oft: Unplanbare Arbeitszeiten und hire–and-fire. So wird das nichts mit den Fachkräften in der Gastro."

Klarheit: Die wichtigsten Begriffe

Die Innere Stadt ist das historische Zentrum Wiens und gehört zur gleichnamigen UNESCO-Welterbestätte. Sie war schon im Jahr 97 als römisches Legionslager besiedelt. Mit 16.538 Einwohnern ist sie der bevölkerungsärmste Bezirk der Stadt - im Jahr 1880 lebten auf ihrem Gebiet 73.000 Menschen. Gleichzeitig pendeln täglich über 114.000 Menschen zum Arbeiten in den Bezirk. Die PKW-Dichte ist im Wien-Schnitt sehr hoch: Pro 100 Menschen gibt es in der Inneren Stadt 98 Autos. Bezirksvorsteher ist Markus Figl (ÖVP).