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Chronik Österreich
06/16/2021

Eintrittsgebühr nur für Touristen in Salzburger Dom sorgt kirchenintern für Missfallen

Ab Oktober zahlen Touristen fünf Euro Eintritt für den Salzburger Dom. Wenig Begeisterung kommt aus Wien und Kärnten.

von Anja Kröll, Petra Stacher

Seit 2018 wurde darüber spekuliert, mit 23. Oktober 2021 kommt er tatsächlich: ein Domerhaltungsbeitrag für den Dom in Salzburg. Auf gut Deutsch: eine Eintrittsgebühr von fünf Euro in Salzburgs größter Kirche. Rund zwei Millionen Touristen strömen jährlich in das Gotteshaus und genau diese sollen den Eintritt auch bezahlen. Mit den Eintrittsgeldern sollen die Besucherströme in die richtigen Bahnen gelenkt werden, wie es heißt. Zudem sollen die Einkünfte Teil eines fünf Millionen Euro großen Sparpakets sein, das sich die Erzdiözese in Zeiten stetig steigender Kirchenaustritte auferlegt hat.

„Betende, Kinder, Jugendliche und Katholiken aus Salzburg können weiterhin kostenlos in den Dom“, erklärt Hermann Signitzer, Gästeservice-Leiter im Dom. Wie das Prozedere für die Salzburgerinnen und Salzburger aussieht? „Sie tragen mit ihrem Kirchenbeitrag bereits zum Erhalt des Doms bei. Deshalb versenden wir an sie Gutscheine für Domjahreskarten“, erklärt Domkustos Johann Reißmeier. Doch genau diese Unterscheidung stößt nicht überall auf Verständnis. Und zwar kirchenintern.

Weltkirche für alle 

Wie etwa im Wiener Stephansdom, in dem, egal ob Tourist oder Einheimischer, für die „genaue“ Besichtigung aktuell 3,50 Euro ohne Audioguide zu bezahlen sind: „Wir unterscheiden nicht. Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, da zu differenzieren finde ich schwierig“, erklärt Florian Bauchinger, Domführer in St. Stephan. Und auch der Klagenfurter Dompfarrer Peter Allmaier sieht dies ähnlich: „Ich habe Verständnis für die Salzburger, aber wir planen für niemanden einen Eintritt. Es ist unser Dienst an der Stadt und den Touristen den Dom den Menschen zugänglich zu machen.“

Schlechte Erfahrung mit Eintrittsgeldern

Anders in Graz: „Ich verstehe die Salzburger schon, dass man so viele Besucher den Dom nicht gratis konsumieren lassen kann“, sagt der Grazer Dompfarrer Heinrich Schnuderl. Für den Grazer Dom sei das aber keine Überlegung. Man sei kleiner und derzeit sei es einfach nicht notwendig - trotz der steigenden Kirchenaustritte. „Wir haben nicht vor, deshalb finanziell die Daumenschrauben anzuziehen. Wir versuchen eher wieder Menschen in die Kirche einzuladen“, sagt Schnuderl. Zudem habe man mit „Eintrittsgeldern“ bereits schlechte Erfahrungen gesammelt: So ist die Pfarre auch für das Mausoleum neben dem Grazer Dom zuständig. Eine Zeit lang hätte man dafür Eintritt verlangt - um die vier Euro. „Wir haben das wieder aufgegeben, weil das Einheben des Eintritts teurer gekommen ist, als das, was reingekommen ist.“

Dass sinkende Katholikenzahlen die Kirchen zu neue Einnahmeüberlegungen antreiben, belegt auch ein Blick auf die Zahlen. 2020 traten 58.535 Menschen aus der Kirche aus.

Kirche fit für die Zukunft machen

Für die Erzdiözese Innsbruck dennoch kein Grund an einen Eintritt zu denken. „Aber ehrlichweise ist unser Dom ein touristisches Kleinkind gegen jenen in Salzburg“, sagt Michael Gstaltmeyr von der Erzdiözese Innsbruck. Dass man sich für die Zukunft allerdings ein Finanzierungsmodell aufgrund der Austrittszahlen überlegen müsse, bestätigt auch Gstaltmeyr. Auch im Linzer Mariendom ist ein Obolus kein Gedanke. Derzeit sei die Situation im Mariendom aber generell speziell, denn man befinde sich mitten in einer Restaurierung. „Dafür werden ohnehin vermehrt Spenden gesammelt. Das begleitet uns schon seit Jahren und wird uns auch noch weitere Jahre begleiten.“

Und wie sind die Reaktionen in Salzburg auf den Eintritt? "Gut, die Leute haben Verständnis. Gerade an heißen Sommertagen oder zu Zeiten des Christkindlmarktes war der Dom einfach übervoll. Das ging so nicht weiter", erklärt Signitzer.

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