Chronik | Österreich
25.07.2018

Ein Vergleich: Hofers 140er versus Gorbachs 160er

Viele Parallelen zwischen dem Testversuch von 2006 und dem aktuellen - doch manches ist doch etwas anders

FPÖ-Verkehrsminister steigen gerne aufs Gas. Hubert Gorbach (damals kurz zuvor zum BZÖ gewechselt) musste sich bei seiner Tempo-160-Teststrecke im Jahr 2006 noch auf eine sehr fragwürdige SMS-Umfrage in der Kronen Zeitung stützen. Norbert Hofer kann hingegen heute tatsächlich auf die Unterstützung der Mehrheit setzen: Bereits 54 Prozent sind laut einer KURIER-OGM-Umfrage für ein Heraufsetzen des Tempolimits auf 140, nur 38 Prozent dagegen.

Doch sonst gibt es durchwegs Parallelen. Sowohl Gorbach als auch Hofer kündigten an, das erhöhte Tempo aus Sicherheitsgründen nur auf dreispurigen Straßen und nur mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen (leuchtenden Überkopfanzeigen, Anm.) umzusetzen. Beide machten dann Abstriche: Gorbachs Teststrecke war schlussendlich im zweispurigen Bereich, Hofer verzichtet auf die Überkopfanzeigen. Es wird fixe Aluschilder geben. Bei Regen, Nebel oder Schnee muss jeder selber wissen, dass er langsamer fahren muss.

Freunde in den Ländern

Parallel mussten die beiden Politiker auch Landeshauptleute als Partner suchen beziehungsweise überzeugen. Gorbach konnte nur seinen Parteikollegen Gerhard Dörfler in Kärnten für das Projekt gewinnen, er bekam 12,6 Kilometer für einen Test bei Spittal/Drau.

Hofer konnte sich auf seine Parteikollegen in der oberösterreichischen FPÖ-ÖVP-Regierung verlassen und erhielt dafür 32 Kilometer zwischen Haid und Sattledt. In Niederösterreich gibt es weitere 88 Kilometer obendrauf . Dass er im Jänner dem Bundesland eine Waldviertelautobahn versprochen hat, wird dabei wohl kein Hindernis gewesen sein.

Über den Sinn der Erhöhung kann man in beiden Fällen streiten. Auch wenn viele sich über das angeblich raschere Fortkommen freuen, so sprechen valide Argumente eher dagegen. Der Schadstoffausstoß steigt um etwa ein Fünftel bis die Hälfte, selbst der maximale Zeitgewinn ist dagegen marginal. Auf den 120 Kilometern kann man sich theoretisch mit 140 statt 130 km/h maximal vier Minuten einsparen. Verkehrsexperten meinen aber: Je höher der Tempounterschied sei (Lkw dürfen ja nicht schneller fahren), desto mehr Staus und Unfälle gebe es. Hofer entschärft zumindest die Lärmdebatte, Tempo 140 sind nur von 5 bis 22 Uhr erlaubt.

 

Ein weiteres Thema ist auch der Führerscheinentzug. Bei 50 km/h zu schnell auf der Autobahn ist dieser für zwei Wochen weg. Gorbach erließ für den Test eine Verordnung, dass dies trotz erlaubten Tempo 160 weiterhin bei 180 km/h passiert.

Bei Hofers 140er darf man bis 189 km/h fahren und behält den Führerschein noch. Laut seinem Sprecher gilt dies allerdings nur für die Testperiode. Wenn nach einem Jahr ein Vollbetrieb beschlossen wird, würde diese Regelung angepasst und doch bei Tempo 180 der Führerschein entzogen.

Gorbachs Projekt wurde rasch durch seinen Nachfolger Werner Faymann beendet. Auch diesmal rebelliert die Opposition bereits.