Schlechtes Deutsch: Acht Wiener Bezirke in den Top 10
Es war ein Städtevergleich, der der Wiener ÖVP sauer aufgestoßen ist. Dieser Vergleich sieht Wien hinter der FPÖ-regierten Stadt Wels, hinter der ÖVP-Stadt Traun und hinter der roten oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz bei den Schülerinnen und Schülern, die als „außerordentliche Schüler“ geführt werden.
Also als Schüler, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um dem Regelunterricht folgen zu können. Der frühere Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr, jetzt Bildungsminister, hat schon im Herbst gesagt: „Wir haben österreichweit eine dramatische Situation.“ Schließlich habe jedes neunte Volksschulkind Förderbedarf in Deutsch.
Für die Wiener Volkspartei ist der Städtevergleich zwischen Wien und anderen Städten in Österreich allerdings „ein pinkes Ablenkungsmanöver“. Untermauert wird das mit aktuellen Zahlen aus der Statistik Austria und dem Vergleich einzelner Bezirke. ÖVP-Chef Markus Figl betont: „Man kann schwer eine Zwei-Millionen-Stadt wie Wien mit Städten wie Wels oder Linz vergleichen. Legitim wäre es gewesen, wenn man die Bezirksebene heranzieht, um Vergleichbarkeit herzustellen.“
Margareten vorne
Nach diesen Zahlen liegen gleich acht Wiener Bezirke unter den Top-Ten an außerordentlichen Schülerinnen und Schülern in den Volksschulen. Wels (25,4 %) und Linz (21,8 %) liegen in diesem Ranking auf den Plätzen sieben und neun.
Das Ranking wird von Margareten (36,7 %), Ottakring (33,2 %), Brigittenau (30,2 %), Favoriten (30,0 %), Rudolfsheim-Fünfhaus (28,4 %) und Meidling (26,2 %) angeführt. Deshalb sei der „Spin, in Wien ist es gar nicht so schlimm, Oberösterreich ist viel schlimmer“, irreführend. Figl: „Diese Zahlen lassen keinen Spielraum für Beschönigungen: Wien ist und bleibt der Brennpunkt bei mangelnden Deutschkenntnissen in den Volksschulen. Das ist ganz klar das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit von SPÖ und Neos.“
In dieses Horn stößt auch ÖVP-Klubobmann und Bildungssprecher Harald Zierfuß: „Anstatt die Situation in Wien zu verharmlosen, während die verantwortliche Neos-Partei pinke PR-Sprüche plakatiert, sollten die Neos in Stadt und Bund endlich ins Tun kommen. Den Kindern in unserer Stadt läuft die Zeit davon. Wir brauchen endlich eine Deutschförderung im Kindergarten, die diesen Namen auch verdient.“
Neos-Bildungsstadträtin Bettina Emmerling verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Zahl der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler in Wien zwar hoch sei, aber sinke. Sie schließt daraus, dass im Kindergarten gesetzte Maßnahmen greifen würden. Außerdem sei die Zahl der Vollzeit-Äquivalente für die Deutschförderung verdoppelt worden, was ermögliche, dass alle Schulstandorte, die einen Bedarf anmelden, auch eine Deutschförderkraft zugeteilt bekämen. Und sie verweist auf das Programm des „Chancenbonus“, von dem auch 227 Wiener Schulen mit besonderen Herausforderungen profitieren würden.
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