Chronik | Österreich
11.08.2018

Der Kärntner Holzbaron als Ölprinz

Hans Tilly investiert fünf Millionen Euro, um nach Erdöl zu suchen. Wird er fündig, bremst er den Staat aus

Von Staub bedeckte muskulöse Männer, ausgestattet mit gelben Helmen und Schutzbrillen, starren in ein schwarzes Loch. Tief im Erdinneren, wo die Bewohner des Krappfeldes im Bezirk St. Veit in Kärnten vor Jahrhunderten wahrscheinlich noch den Teufel vermutetet haben, hoffen die beschriebenen Arbeiter derzeit, Rohstoffe zu finden. Erdöl oder Erdgas. Zur Not darf es auch nur Thermalwasser sein.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die OMV oder die Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) in Österreich derartige Projekte verfolgen. Aber wir sind in Kärnten und da passiert manchmal Schräges: In diesem Fall hat der als „Holzbaron“ bekannte 81-jährige Industrielle Hans Tilly die Vision, möglichst in der Nähe seiner Firma in Althofen Rohstoffe zu finden.

Geologen haben die Gegend untersucht und einen unscheinbaren, bewaldeten Hügel namens Göritzen zwischen Althofen und Kappel als ideale Bohrstätte auserkoren. Folglich pachtete Tilly das Gelände von einem Bauern, holte sich die RAG an Bord, die einen 40 Meter hohen Turm errichtete – und lässt zu Explorationszwecken bohren. „Julia 1“ nennt sich das Projekt in Anlehnung an eine Enkeltochter Tillys.

„Primäres Ziel ist es, Thermalwasser zu finden. Dieses soll als Energieträger für den Industriebetrieb Tillys sowie für die Fernwärmeversorgung der Stadtgemeinde Althofen genutzt werden“, erzählt Gerhard Seifried, der eigens für Tillys Pionierarbeit angestellte Pressesprecher.

Ein Blindflug

Bohrungen sind bis 3000 Meter genehmigt, bislang hat sich der Meißel rund 150 Meter in die Tiefe gearbeitet. Richtig spannend wird es sowieso erst in zwei, drei Wochen, denn die Geschichte mit dem Thermalwasser ist nur ein Drittel der Wahrheit. Es geht um Erdöl und Erdgas. „Wenn wir etwas anderes finden – Kohlenwasserstoffe zum Beispiel –, sind wir natürlich noch glücklicher“, meint Seifried. „Stefan Hipfl, Oberbohrmeister der RAG, spricht von einem „anfänglichen Blindflug. Aber mit jedem Meter werden wir gescheiter. Je tiefer wir bohren, umso eher wissen wir, was uns erwartet“.

Sollte es Erdöl oder Erdgas sein, so hat man bestens vorgesorgt und einen Vertrag mit der Republik Österreich abgeschlossen. Demnach gehen die gefundenen Rohstoffe in Tillys Besitz über. Ausverhandelt hat diese Übereinkunft zwischen Tilly und dem Umweltministerium der Wiener Rechtsanwalt Wolfgang List. Er vertritt Tilly und Dutzende weitere Bürger im Zuge der Zivilklagen nach dem HCB-Umweltskandal im Görtschitztal. Und er könnte Tilly vom „ Holzbaron“ zum „Ölprinzen“ mutieren lassen.

Österreich-Premiere

„Bisher hat die Republik die Rechte an Öl und Gas nur an Unternehmen abgetreten. Nun erstmals an einen Privaten. Wir gehen davon aus, dass Tillys Projekt ein kalkuliertes finanzielles Risiko darstellt“, betont List.

Die Investition ist ausschließlich privater Natur. Um welche Summen es sich handelt, wollen die Herren nicht ausplaudern. KURIER-Recherchen bei Bohrfirmen ergaben, dass alleine die Bohrung rund drei Millionen Euro verschlingt. Dazu kommen Löhne in der Höhe von rund zwei Millionen Euro für 50 Mitarbeiter, die im Vorfeld und während der zweimonatigen Explorationsphase beschäftigt werden.

Sollte man tatsächlich auf Öl stoßen, so ist vorerst verhaltener Jubel angebracht. „Tests werden dann zeigen, in welcher Qualität und Menge das Erdöl vorhanden ist“, erklärt Oberbohrmeister Hipfl. Aber es sei kein Glücksspiel. Denn die Expertise des Geologen sei vielversprechend.