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Spieltrieb
07/01/2021

Das sind die Sieger beim Österreichischen Spielepreis 2021

Das Spiel „Flyin’ Goblin“ gewinnt in der Hauptkategorie und wird "Spiel der Spiele". Es ist eines von (zu) vielen Kinderspielen unter den Preisträgern. Ein KURIER-Schnelltest.

von Christoph Schwarz

Mit Spielepreisen ist das ja so eine Sache. In der Branche sind sie beliebt – sorgen die bekannten Plaketten, mit denen siegreiche Verlage ihre Spieleschachteln fortan schmücken können, doch für ein garantiertes Absatzplus. Für die Kunden sind die Preise im besten Fall ein Qualitätssiegel.

Während man auf die großen Preise – etwa den deutschen Spiele-Oscar „Spiel des Jahres“ – dieses Jahr noch warten muss, hat die „Wiener Spiele Akademie“ ihre Wahl schon getroffen. Seit 2001 kürt sie das „Spiel der Spiele“ (die Hauptkategorie) – und vergibt zudem (etwas inflationär) Preise in mittlerweile sechs Unterkategorien.

Die Wahl sei keine leichte gewesen, räumte der neue Jury-Chef Thomas Bareder ein. Obwohl in der Krise so viel gespielt wurde wie lange nicht, erschwerte die Pandemie zugleich die Recherchen. Richtungsweisende Spielemessen konnten kaum stattfinden.

Durchwachsenes Ergebnis

Und das Ergebnis? Das ist für den eingefleischten Spielefan tatsächlich durchwachsen, wenn nicht gar enttäuschend. Wirklich große Storytelling-Spiele, die sich zuletzt auf dem Markt etabliert haben, kommen zu kurz, aufs Design legte man wenig Wert, bei Trends hinkt man hinterher.

Vor allem in eine Falle ist die Jury getappt: Zwar wurde in der Krise viel mit Kindern gespielt – zwangsläufig! Dennoch ist das Gesellschaftsspiel schon lange kein rein kindliches Vergnügen mehr. Spielebegeisterte Erwachsene werden unter den Preisträger aber kaum fündig. Dem Image des Gesellschaftsspiels ist das wenig zuträglich.

Spiele-Hit für Kinder: Fabelwelten von Lifestyle Boardgames/Asmodee; 2 bis 6 Spieler ab 5 Jahren; Spieldauer zirka 20 Minuten

Spiele-Hit für Familien: Rolling Dice von Abacusspiele; 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren; Spieldauer: 30 Minuten

Spiele-Hit für Freunde: Micro Macro Crime City von Pegasus; 1 bis 4 Spieler ab 10 Jahren; Spieldauer: 15 bis 45 Minuten für jeden der 16 Fälle

Spiele-Hit Karten: Jinx von Piatnik; 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren; Spieldauer: 15 Minuten

Spiele-Hit Trend: Break In – Area 51 von Schmidt Spiele; 1 bis 6 Spieler ab 12 Jahren; Spieldauer: 120 Minuten

Spiele-Hit für Experten: 2491 Planetship von Heidelbär Games; 2 bis 5 Spieler ab 14 Jahren; Spieldauer: 60 bis 90 Minuten

Also alles schlecht? Nein. Unter den Preisträgern findet sich freilich auch Spannendes. Der KURIER hat die Sieger des Österreichischen Spielepreises einem Schnelltest unterzogen.

Alle Preisträger im Schnelltest

  • Spiel der Spiele: Ein bisschen Geschick und viel Freude am kindlichen Kaputtmachen braucht es, um am Sieger Flyin’ Goblin Gefallen zu finden. Im „Spiel der Spiele“ befehligt man eine Goblinarmee, die eine Burg ausrauben und ein Totem erbauen will.

    Mit Katapulten schießt man die Goblins auf eine 3D-Burg – und hofft, im richtigen Raum zu landen oder fremde Totems zu zerstören. Die Jury findet das „skurril-witzig“, eine gelungene Mischung von Action, Taktik, Geschicklichkeit, Strategie. Volksschulkinder werden das ähnlich sehen. Gut so.
     
  • Spiele-Hit für Kinder: Das nächste Kinderspiel unter den Preisträgern ist zu Recht eines. Schließlich ist es der „Spiele-Hit für Kinder“. In Fabelwelten verliest ein Erzähler (ganz ohne Erwachsene oder ältere Kinder geht es also leider nicht) eine Geschichte.

    Die Spieler wählen Tierkarten aus ihrer Hand, die ihrer Ansicht nach zum Protagonisten der Story taugen. Dann wird abgestimmt. Schöne Illustrationen, liebevolle Geschichten, pädagogisch wertvoll.
     
  • Spiele-Hit für Familien: Schon wieder ein Kinderspiel? Ja. Auch beim „Spiele-Hit für Familien“ traut die Jury den Spielern wenig zu. Außer vielleicht etwas Geschick. Es muss schon wieder geworfen werden. Diesmal zumindest ohne Katapult.

    Bei Rolling Dice versuchen Spieler, Würfel per Wurf aus dem Handgelenk gewinnbringend auf einer Eisscholle zu platzieren. Ein bisschen wie Boccia, nur in ganz klein. Ob da wirklich die ganze Familie Freude hat?
     
  • Spiele-Hit für Freunde: Sie ahnen es. Auch den „Spiele-Hit für Freunde“ kann man gut mit Kindern spielen. Einziger Unterschied: Das Detektivspiel Micro Macro Crime City ist wirklich hervorragend.

    Als riesiges Spielfeld dient der Stadtplan einer Stadt, in der sich Hunderte (oder sind es Tausende?) kleine Personen tummeln. Fans von Wimmelbildern sind hier goldrichtig.

    In der Stadt geht es blutig zu. Die kleinen Personen – keine Menschen, sondern anthropomorphe Tierfiguren; daher auch für nicht zu zartbesaitete Kinder geeignet – fallen allerlei Verbrechen zum Opfer. Gelöst werden diese mithilfe von Fallkarten, einer Lupe, guten Augen und Geduld kooperativ.

    Eine innovative Idee, die nicht umsonst für den französischen Spielepreis "As D’O"r und zum „Spiel des Jahres“ nominiert ist. Kaufempfehlung!
  • Spiele-Hit Karten: Zum „Spiele-Hit Karten“ wurde Jinx gekürt, das das hält, was es verspricht: Ein leicht zu erlernendes, rasantes Kartenspiel, bei dem man durch gezieltes Auswählen der Karten möglichst viele Punkte sammeln muss. Gut geeignet für Familien, wahrscheinlich auch als Trinkspiel.
     
  • Spiele-Hit Trend: Eine Enttäuschung liefert der „Spiele-Hit Trend“. Das liegt weniger am Siegerspiel Break In – Area 51 selbst, sondern daran, dass sich die Jury auf einen alten Trend gestürzt hat: Das Spiel ist ein Escape-Game, wie es sie seit fünf Jahren en masse gibt. Dass es bei dem Spiel nicht darum geht, aus-, sondern einzubrechen, ist nett. Einen Trend begründet es aber sicher nicht.

    Dennoch: Solides Escape-Game, bei dem direkt mit der Matrjoschka-artig verschachtelten Spielbox gespielt wird, die sich öffnet, wenn Rätsel gelöst sind.
     
  • Spiele-Hit Experten: Der Sieger 2491 Planetship entführt in eine ferne Zukunft, auf der Menschen und allerlei andere Spezies auf riesigen Weltenschiffen leben. Dann geht der Kampf um überlebenswichtige DNA los. Zum ausführlichen Spieletest geht es hier.

Das Fazit

Fazit: Da wäre mehr gegangen. Im Herbst gibt es eine zweite Chance. Da veröffentlicht die Jury eine „Empfehlungsliste“ mit noch mehr Spielen. Die Verlage freut’s. Und Spielefreunde vielleicht auch.

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