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Chronik Österreich
06/14/2020

Das Leben nach der Krise: Worauf wir durchaus verzichten können

Das Leben ist in Puzzleteile zerfallen. Die könnte man auch anders wieder zusammensetzen (und manche für immer weglassen).

von Georg Leyrer

Jede Krise birgt eine Chance – etwa jene, sich bei der nächsten nicht auf derartige Phrasendrescherei zurückzuziehen, wie während der Coronakrise.

Sprachbilder wie aus dem Esoterikseminar oder einer abgewrackten Kleindiktatur („Hammer und Tanz“) begleiteten weltweit die letzten Wochen. Wenn man sich gemeinsam darauf verständigen könnte, was man in Zukunft besser machen möge, das wäre eines davon: Wenn eh alles schlecht ist, muss man einander nicht auch noch Phrasen zuwerfen wie aus einem Managerratgeber vom Buchladen-Ramschtisch.

Im allgemeinen eiligen Zurückdrängen in Richtung Normalität übersieht man jedoch auch insgesamt, dass man diese Normalität genau jetzt auf gewinnbringende Art neu gestalten könnte. Dabei gäbe es viel Lohnendes zu tun, jetzt, wo sich das Leben in seine Puzzleteile zerlegt hat. Von so abstrakten Großprojekten wie Klimawandelvorsorge muss man da gar nicht mal reden.

Vulkaniergruß forever

Aber für jede zehn „Wann endlich wieder“ könnte man zumindest ein „Bitte nie wieder“ einplanen. Denn während des Lockdowns hat man auch gut gemerkt, was man vielleicht nicht unbedingt braucht, auch wenn es noch so fix eingeübt war.

Beim Businesstermin kraftvoll Händeschütteln, die Erbtante pflichtabbusseln, Großraumbüros, jeden Tag eine Stunde im Auto sitzen, den allwöchentlichen Shopping-Dopaminschub abholen dank Dingen, die um die halbe Welt verschippert worden waren, den eigenartigen Fundamentalismus der heimischen Parteipolitikzuordnungen mitansehen müssen, etwa – es ging auch ohne.

Der Vulkaniergruß (erhobene Hand, zwischen Mittel- und Ringfinger spreizen) funktioniert ganz genausogut. Europa brüstete sich immer schon gerne der Wissensjobs – und ja, die kann man von auswärts auch erledigen. Und es war wie eine fremde, bessere Welt, mitanzusehen, als eine Zeit lang die festgefressenen Streitpunkte in der heimischen Politikbehauptung angesichts der Krise plötzlich sinnlos waren.

Die Puzzleteile sind nun neu durchgeschüttelt. Man hat einen wiederaufgerüsteten Staat, man hat immer noch katastrophalen Breitbandausbau für die nächste Runde Homeoffice, man hat Tourismusarten, die keiner mehr braucht, und risikobereite Menschen, die Neues suchen. Und ja, okay, okay, das ist eine Chance – auf eine neues Bild, das sich aus diesem Puzzle zusammensetzen lässt. 

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