© TVB Paznaun Ischgl

Chronik Österreich
11/24/2019

Ski Openings: Das große Halligalli im Schnee beginnt

Zum Saisonauftakt bieten immer mehr Tourismusorte Festivals mit internationalen Stars.

von Matthias Nagl, Christian Willim

Wer hat’s erfunden? Diese Frage stellt sich im Alpenraum nicht nur bei Kräuterzuckerln, sondern auch bei den bombastischen Auftaktveranstaltungen zur Skisaison – den sogenannten Openings.

„Wir haben es quasi erfunden“, ist Mario Siedler, Chef des Tourismusverbands Obertauern, überzeugt. „Seit mehr als 35 Jahren“ gebe es am Salzburger Tauernübergang ein Saison-Opening. Durchaus mit publikumswirksamen Konzerten: Vor einem Jahr spielten Wanda, am 30. 11. eröffnet Cro die kommende Saison (siehe unten). „Wir wollen mit dieser Veranstaltung unseren Gästen sagen: Passt auf, wir haben Schnee, wir haben Skibetrieb, bei uns ist etwas los“, erklärt Siedler.

Party-Pioniere

Wenn es um das große Halligalli im Schnee geht, fällt aber unweigerlich auch ein anderer Name: Ischgl im Tiroler Paznauntal – das Party-Mekka im heimischen Wintertourismus. Auf die Frage „Wer hat’s erfunden?“ gibt es für den dortigen Tourismuschef Andi Steibl logischerweise nur eine Antwort: „Wir. Wir waren die ersten mit einem Konzert im Skigebiet. Da brauchen die Salzburger nicht herumwursteln“, sagt er lachend.

Über Nachahmer freut sich der Marketing-Profi aber: „Das ist wie bei einer Rolex. Kopien werten das Original auf. Das Original ist in Ischgl. Bei uns waren Weltstars am Berg.“

Mit Elton John ging’s los

In diesem Winter finden die „Top of the Mountain“-Konzerte auf der Ischgler Idalp zum 25. Mal statt. „Wir haben das davor schon getestet, zum Beispiel mit der Jazz Gitti oder mit Rainhard Fendrich. Im April 1995 haben wir dann mit Elton John den ersten internationalen Star geholt“, erzählt Steibl. Die Ischgler Konzerte mit namhaften Künstlern gab es aber zunächst nur als Closing – also als Saisonabschluss. Zum Opening – zur Saisoneröffnung – werden Bühnenstars erst seit 15 Jahren ins Paznauntal gelotst, bestätigt der Tourismusdirektor. In zwei Wochen werden in Ischgl Seeed die Party zur Eröffnung der Pisten liefern. Wie in Obertauern geht es auch in Ischgl darum, auf den Saisonstart aufmerksam zu machen.

Diese Mission verfolgten die Salzburger wiederum sogar schon in den 1960er-Jahren mithilfe internationaler Stars – als nämlich die Beatles in Obertauern zu Gast waren. Damals gab es freilich kein Konzert, sondern nur Filmaufnahmen.

Zweite Festival-Saison

Nach mehreren Jahren Erfahrung mit Großkonzerten ist das organisatorische Drumherum für die Tourismusverbände gar nicht mehr die größte Herausforderung, auch wenn die behördlichen Auflagen tendenziell komplizierter statt einfacher werden. „Der größte Aufwand ist, dass man einen passenden Künstler findet“, sagt Siedler. Obertauern habe sich schon vor einigen Jahren auf im deutschsprachigen Raum erfolgreiche Musiker spezialisiert: „Wir haben entsprechende Kontakte zu Booking-Agenturen und verschiedenste Kanäle, über die wir uns erkundigen“, erklärt Siedler.

Die Opening-Saison nimmt dabei immer stärker Züge einer zweiten Festival-Saison an – inklusive weitreichender Vorausplanung. So hat Bad Gastein erst vor wenigen Tagen Die Ärzte als Headliner angekündigt – für den Dezember 2020.

Zu wenig Betten

Kann man sich da als Skigebiet dem Opening-Trend überhaupt entziehen? Man kann. Es gibt namhafte Skigebiete, die darauf gänzlich verzichten.

„Wir haben in Zauchensee nur 1.000 Gästebetten“, erklärt Veronika Scheffer, Geschäftsführerin der Bergbahnen Zauchensee. Für ein derartiges Event bräuchte man auch entsprechende Nächtigungskapazitäten. Zudem gäbe es in der Region bereits zahlreiche Openings.

„Wenn wir jetzt auch noch damit daherkommen würden, fände ich das nicht stimmig“, sagt Scheffer. Zauchensee punkte lieber mit Pistenqualität und Schneesicherheit: „Bei uns wissen die Leute, wenn wir aufmachen, können sie mit den Ski bis zum Auto fahren“, erklärt Scheffer.

Auch im nahe gelegenen Flachau gibt es trotz wesentlich höherer Bettenkapazität kein Opening mit Konzert. „Bei uns ist es durchaus üblich, dass Anfang Dezember im Tal noch keine durchgehende Schneedecke liegt. Wir wollen als Marke aber Winter vermitteln, Skifahren und Emotionen. Wir finden, ein Konzert soll auch stattfinden, wenn der Winter stattfindet“, erklärt Wolfgang Hettegger, Vorstand der Bergbahnen.

Die besten Partys im Überblick:

Einige Skigebiete sind bereits in die Saison gestartet. Die großen Party-Kracher stehen allerdings noch am Programm. „Wir sind Seeed. Und das ist unser Gebiet“, heißt es am 30. November in Ischgl. Der Pistenbetrieb startet bereits zwei Tage vor dem Auftritt der Berliner Kultband.

Am selben Abend versucht St. Anton am Arlberg ebenfalls mit deutschen Pop-Stars zu punkten: Sarah Connor und Nico Santos bestreiten das Saisonopening. Auch in  Obertauern ist am 30. November ein Konzert zum Start angesagt: mit Deutsch-Rapper Cro. Den Support bestreitet Genre-Kollege Weekend. Am selben Abend sind in Kaprun anlässlich der Eröffnung der Verbindungsbahn auf den Gletscher auf der Bergstation Maiskogel Wolfgang Ambros und Granada zu Gast.

Unmittelbar in der Nachbarschaft feiert Zell am See eine Woche später den Saisonauftakt. Am 7. Dezember sind die dänische Pop-Folk-Künstlerin Aura Dione und Rainhard Fendrich zu Gast.
In Schladming waren vor einem Jahr noch die Toten Hosen zu Gast. Heuer setzt man ganz auf die Zugkraft von DJs. Am 6. Dezember legen  Dimitri Vegas & Like Mike sowie Timmy Trumpet im Zielstadion an der Planai auf.

Schon traditionell ein ganzes Festival holt sich Saalbach-Hinterglemm am 6. und 7. Dezember ins Tal. Unter anderem treten Parov Stelar, Labrassbanda, Fettes Brot und Voodoo Jürgens auf. Das Rave on Snow setzt die Party am Wochenende darauf vom 12. bis 15. Dezember quasi nahtlos fort. Pan-Pot  und Butch aus Deutschland sind die Haupt-Acts. Den Konzertreigen zum Saisonauftakt beschließt dann Bad Gastein am 14. Dezember  mit den beiden Rappern Bonez MC & RAF Camora.

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