Gesundheitslandesrat Tilg steht seit Wochen in der Kritik

© Tiroler Landtag/Berger

Tirol
04/16/2020

Corona-Sonderlandtag in Tirol: Schlagabtausch hinter Plexiglas

VP-Gesundheitslandesrat Tilg blieb auch bei Corona-Sonderlandtag ein Eingeständnis von Fehlern schuldig

von Christian Willim

Die Hygieneempfehlungen, die eine Ausbreitung von Covid-19 eindämmen sollen, sind längst noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen.

Es war daher nur ein Lapsus, der Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) passierte, als er am Donnerstag bei einem Sonderlandtag hinter Plexiglas vor die Abgeordneten trat.

Und doch war es symptomatisch für die schlechte Figur, die er seit Wochen abgibt.

Bevor Tilg zu seiner Rede in der Aktuellen Stunde ansetzte, hustete er erst einmal kräftig in seine Hand. Um dann einmal mehr aufzuzählen, was bei der Bewältigung der Krise gut gelaufen ist – etwa die früh eingeführten Besuchsbeschränkungen in Spitälern und Altersheimen.

„Nach bestem Wissen“

Der Krisenstab habe seine Entscheidungen „nach bestem Wissen und Gewissen“ getroffen, beteuerte Tilg. Auf die nunmehr seit Wochen auf ihn einprasselnde Kritik ging der Landesrat zum wiederholten Male nicht ein.

Dabei hatte Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer zuvor aus vollen Rohren gefeuert. Nicht nur gegen Tilg, auch gegen Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Tirol sei deswegen härter von der Pandemie getroffen, so Dornauer Richtung Platter, „weil Sie, ihr Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und sein Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber über Wochen Fehleinschätzungen gemacht und fatale Fehlentscheidungen getroffen haben“.

Den Einflüsterern aus Seilbahn- und Tourismuswirtschaft sei mehr Interesse entgegen gebracht worden, als der Gesundheit von Einheimischen und Urlaubern, so der Vorwurf Dornauers.

Der hat indes das Kunststück gemeistert, die Opposition zu spalten. Der Tiroler SPÖ-Chef war vorgeprescht und hatte am Donnerstag einen Dringlichkeitsantrag zur Einsetzung einer Untersuchungskommission eingebracht. Zeitpunkt und Form waren jedoch nicht abgestimmt, was zur Ablehnung des Antrags führte.

„Dieser Sonderlandtag ist kein Aufarbeitungs-, sondern ein Maßnahmenlandtag“, sagte Andrea Haselwanter-Schneider von der regierungskritischen Liste Fritz. Aber auch sie stellte klar: „Die Krise wird Folgen haben müssen.“

Aufklärung nach Krise

Wie die Liste Fritz, sind auch die Neos und die FPÖ für eine Aufarbeitung des Krisenmanagements. Aber erst, wenn das Virus im Griff ist. „Die Tiroler Bevölkerung hat momentan andere Probleme“, befand FPÖ-Obmann Markus Abwerzger. Neos-Chef Dominik Oberhuber war ebenfalls dafür, die Aufklärung vorerst hintanzustellen.

Platter, der im Gegensatz zu Tilg bereits eingestanden hat, dass Fehler passiert sind, zeigte indes Verständnis für die Kritik. Er sei auch „betroffen“, dass sich augenscheinlich viele Urlauber in Tirol mit dem Virus angesteckt haben.

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