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Chronik Österreich
06/03/2021

Commerzialbank: Ex-Kicker soll sechsstelligen Kredit verzockt haben

Betrugsanzeige gegen Ex-Banker Pucher wurde zum Bumerang. Langjähriger Profi des früheren Bundesligisten SV Mattersburg ist nun selbst Verdächtiger.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Der 800 Millionen Euro schwere Fall rund um die Commerzialbank Mattersburg ist um eine kuriose Facette reicher. Im Mittelpunkt stehen der Ex-Kicker S., der fast 300 Spiele im Dress des SV Mattersburg (SVM) absolviert hat, sowie Ex-Banker und Ex-SVM-Präsident Martin Pucher. Über viele Jahre verband S. und Pucher der Fußball, Pucher sei für ihn sogar „eine zweite Vaterfigur“ gewesen, sagte der Ex-Fußballer aus.

Doch vor einigen Wochen hat S. den Ex-Banker wegen Betrugs angezeigt. Denn: Herr S. war vom Masseverwalter der Commerzialbank Wochen zuvor aufgefordert worden, einen offenen Kredit in Höhe von 187.000 Euro zurückzuzahlen. Der Ex-Fußballer will jedoch von diesem Kreditkonto nichts gewusst haben, obwohl die dafür nötigen Bankunterlagen seine Unterschrift tragen. Er will Opfer „der kriminellen Machenschaften Puchers“ geworden sein.

Pucher habe ihm im Sommer 2019 in der Bank „Zettel vorgelegt, die er blind unterfertigte“. Der Banker soll S. dabei im Glauben gelassen haben, dass es bei der Unterfertigung der Dokumente bloß um bessere Konditionen für einen 30.000-Euro-Kredit aus dem Jahr 2015 gehe.

Doch die Anzeige wurde nun zum Bumerang, wie aus einem Bericht der „Soko Commerz“ hervorgeht.

„Herr S. steht im Verdacht, einen ordnungsgemäßen Kreditvertrag als Fake-Kredit dargestellt zu haben, um so das aushaftende Obligo (Verbindlichkeiten) nicht tilgen zu müssen“, heißt es in dem Anfallsbericht.

Pucher und seine frühere Stellvertreterin Franziska Klikovits belasten den Ex-Sportler.

„Es handelt sich bei dem Kreditvertrag von Herrn S. um einen echten Kredit und nicht um einen Fake-Kredit.Offensichtlich erhofft er sich Herr S. dadurch, den Kredit nicht rückführen zu müssen“, behauptet Pucher. Das Konto sei vor gut 15 bis 20 Jahren eröffnet worden.

„Aufgrund der Spielleidenschaft von Herr S. wurden immer größere offene Salden ausgewiesen“, sagt Pucher. „Herr S. hat damals schon laufend Karten gespielt und war regelmäßig Gast im Wettlokal Ticket in Mattersburg.“

Herr S. habe ihm „einige Male erklärt, führte Pucher bei den Ermittlern aus, „wie blöd er gewesen sei, dass er durchs Kartenspiel und Wetten so viel Geld verloren hat“. Für diese Spielleidenschaft gibt es laut Pucher eine ganze Reihe von Zeugen.

Glaubt man Pucher, dann zockte Herr S. auf Pump – per Konto-Überziehungsrahmen bei der Commerzialbank. Als Sicherheit für die Schulden soll er einen Blankowechsel unterschrieben haben. Im Sommer 2019 sei dieser langjährige Überziehungsrahmen in einen Kreditvertrag überschrieben worden. Laufzeit: bis Juli 2034.

„Die Rückzahlung wird von Herrn S. bar – wie es ihm möglich ist – erledigt“, führte Ex-Bankerin Klikovits aus. „Denn seine Ehegattin sollte von diesem Konto nichts wissen.“ Seine Spielleidenschaft soll Herr S. vor seiner Frau geheim gehalten haben. „Ich würde Herr S. nahelegen, dieses Thema endlich und ehrlich mit seiner Frau abzuklären und die falschen Vorwürfe gegen mich zurückzunehmen“, sagte Pucher zu den Ermittlern.

Und Ex-Bankerin Franziska Klikovits sagte den Beamten: „Ein zwingender Beweis, dass es sich dabei um keinen Fake-Kredit gehandelt haben kann, ist die Tatsache, dass dieses Konto im Kontoregister eingemeldet wurde.“ Das heißt: Pucher & Co meldeten nur echte Konten dem offiziellen Kontoregister der Finanz, Fake-Konten aber nicht.

Einzahlungsbelege

Auch für die Commerzialbank-Masseverwalter Michal Lentsch und Gerwald Holper ist das Konto „echt“. Bank intern soll es „für die Abwicklung eines Hausbaus“  gedient haben.

„Die Behauptung des Bankkunden, er hätte von diesem Konto erst durch die Buchung der Einlagensicherung Austria erfahren, kann nicht nachvollzogen werden, insbesondere da die Kontonummer auf allen, auch vom Bankkunden selbst unterfertigten Einzahlungsbelegen angegeben ist“, schreiben die Masseverwalter an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Außerdem haben die Masseverwalter einen Ex-Bankmitarbeiter als Zeugen an der Hand, der neben Pucher und Markus S. bei der Unterfertigung des Kreditvertrages im Juli 2019 im Büro Puchers anwesend gewesen sein will.

Indes lässt S. über seinen Anwalt ausrichten, dass „er kein Spieler ist und dass er alle Vorwürfe bestreitet“.

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