Chronik | Österreich
09.05.2018

Brisante Verkehrsstudie ist fertig und noch unter Verschluss

Seit 2016 prüft Expertenrunde Möglichkeiten, Graz feinstaubfreier zu bekommen. Das schließt Citymaut wie autofreie Tage ein.

Für Graz ist eigentlich schon Jahresende, wenn auch bloß bezogen auf die Anzahl der erlaubten Tage mit zu hohen Feinstaubwerten. 25 dürfen es gemäß EU-Richtlinien pro Kalenderjahr sein, in Graz wurde dieses Maß bereits am Montag an der Messstelle Don Bosco erfüllt.

Das Luftgüteproblem ist lange bekannt, ebenso lang tüfteln Experten wie Politiker an einer Lösung. Die jüngste Studie zum Thema ist fertig und dürfte einiges an Diskussionsstoff bringen, doch: Die Veröffentlichung dürfte noch auf sich warten lassen. Umwelt- und Verkehrslandesrat Anton Lang, SPÖ, verwies am Dienstag in der Landtagssitzung auf die zuständige Landesabteilung für Energie, Wohnbau und Technik. Sie sei Auftraggeber und müsse die Detailergebnisse noch prüfen. „Es ist geplant, die Studie bis Ende Mai, Anfang Juni zu präsentieren“, reagierte Lang auf eine Anfrage der Grünen.

Hilfe für die Politik

Die Studie unter Leitung der Technischen Universität Graz sowie des Umweltbundesamtes könnte einiges an Zündstoff bringen, das ist allein schon aus der Fragestellung ablesbar. Im Oktober 2016 kam der Auftrag, „Maßnahmen zur Beschränkung des motorisierten Individualverkehrs“ zu untersuchen, um damit „klare Entscheidungsgrundlagen“ für die Politik zu schaffen. Klingt sperrig, zielt aber letztlich auf eine Frage ab: Was bringen Fahrverbote in Graz und wie könnten sie aussehen?

Citymaut, eine Umweltzone mit Fahrverboten für bestimmte Diesel-Kfz oder ein verpflichtender autofreier Tag für alle stehen zur Debatte. Alles vor dem Hintergrund, die Feinstaubbelastung in der und um die Landeshauptstadt zu senken, die auch zu einem guten Teil vom Individualverkehr erzeugt wird. Denn in Graz ist vergleichsweise mehr Autoverkehr unterwegs als anderswo: 46 Prozent aller Wege werden laut Erhebungen mit dem Pkw durchgeführt, in Wien sind es dagegen nur 28 Prozent. Graz verzeichnet jedes Jahr die meisten Feinstaub-Überschreitungstage in ganz Österreich, im Vorjahr gab es 54.

Details durchgesickert

Offiziell soll die Studie zuerst in der „Stadt-Land-Arbeitsgruppe Umwelt“ präsentiert werden, wie Landesrat Lang festhielt. Den Grünen geht das alles aber nicht schnell genug. „Will Lang wieder auf die kommende Feinstaubsaison warten?“, wundert sich Abgeordnete Sandra Krautwaschl. Das sei „absolut unverantwortlich“. Ergebnisse der Details sickerten aber schon durch, da die Studie schon durch mehrere Hände ging. So sollen beispielsweise einzelne, verbindliche autofreie Tage effektiver sein als eine Citymaut. Autofreie Tage würden demnach auch den Berufsverkehr reduzieren, eine generelle Citymaut dagegen eher die Freizeitfahrer abschrecken.