Der Gerichtssaal ist sein Ring. Die Anwaltei sei schmutziger als das Boxen: „Weil es um Emotionen geht.“

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
11/23/2019

Boxer und Rechtsanwalt: Angriff als beste Verteidigung

Ring vs. Gericht: Florian Höllwarth ist ein Spätberufener – als Kampfsportler und als Rechtsanwalt

von Michaela Reibenwein

 Florian Höllwarth wird Samstagabend in den Boxring steigen. Allerdings nicht in Boxhandschuhen, sondern im Anzug. Wenn Marcos Nader bei der Bounce Fight Night seinen IBF-Titel im Mittelgewicht verteidigt, ist Höllwarth in offizieller Mission unterwegs. Er ist Präsident des österreichischen Boxverbandes. Seine härtesten Kämpfe allerdings, die finden im Gerichtssaal statt. Höllwarth ist Rechtsanwalt, hat sich neben Strafrecht auch auf Wirtschafts- und Medizinrecht spezialisiert.

Der KURIER trifft ihn im Boxclub – mitten in Ottakring. Dort ist er gerade mitten im Sparring mit Umar Dzambekov, dem frisch gekrönten österreichischen Staatsmeister. „Dafür, dass er so kurz boxt, ist er gar nicht schlecht. Er hat Kraft“, streut ihm Dzambekov Rosen. „Profiboxer werd’ ich keiner mehr“, lacht Höllwarth.

Vor sechs Jahren hat er mit dem Sport begonnen. Seit drei Jahren ist er Anwalt. „Ich bin eben ein Spätberufener“, sagt der 51-Jährige.

Nicht zimperlich

Es gibt viele Parallelen zwischen dem Boxsport und der Anwaltei. „Rechtsanwalt zu sein, ist hart. Du musst dich genauso vorbereiten. Du musst mit Mandanten umgehen, die nicht zimperlich zu dir sind. Und du musst deinen Standpunkt vertreten. Genauso wie beim Boxen.“ Die Hauptverhandlung sei dann wie ein Kampf: Das Tüpfelchen auf dem I. Der Zeitpunkt, an dem sich zeigt, ob die Vorbereitung gut war.

Dennoch: Die Anwaltei sei die schmutzigere Angelegenheit. „Weil es hier um Emotionen geht. Zum Beispiel bei einem Scheidungsprozess. Da bekommst du alle Grauslichkeiten eines Lebens mit.“ Beim Boxen spiele die Emotion keine Rolle. „Da geht es um die Konzentration.“

Höllwarth ist nicht der einzige Anwalt, der im Boxen seinen Ausgleich gefunden hat. „Da denke ich an nichts anderes. Das ist eine gewisse Entspannung.“

Er sei ein Einzelkämpfer, sagt er. Deshalb passe der Sport auch gut zu ihm. Genauso wie der Beruf. Dass der Kampfsport vielleicht auch Klienten abschrecken könnte, nimmt er in Kauf. „Manche sehen vielleicht einen Seriositätsverlust. Andere Mandanten wiederum suchen einen Anwalt, der auch gerichtlich streiten kann.“

Schulabbrecher

Er sieht den Job des Anwalts als Privileg. „Für mich ist es nicht selbstverständlich, als Verteidiger aufzutreten“, erklärt er. „Vielleicht auch deshalb, weil ich viel gesehen und erlebt habe.“ Der Grazer war Schulabbrecher, hat sich sein Geld viele Jahre lang als Taxifahrer verdient. „Da lernt man, Menschen einzuschätzen.“ Doch mit 30 Jahren sei er in eine Lebenskrise geschlittert. Also meldete er sich in der Abendschule an und holte die Matura nach.

Niederlagen empfindet er in beiden Bereichen als schmerzhaft. „Körperlich tut natürlich eine Box-Niederlage mehr weh“, lacht er und erzählt von seinem doppelten Rippenbruch. „Drei Wochen hat jeder Atemzug geschmerzt.“

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