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Mehr Hitze, weniger Konserven: Blutspenden in Österreich gehen zurück

Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Blut, die Bereitschaft zu spenden, wird aber immer geringer. Wie das Rote Kreuz gegensteuern will.
Eine junge Frau spendet Blut auf einer Liege, während eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes sie betreut.

Zwei Blutkonserven alle vier Wochen. Das benötigt Brigitte Brunner, damit sie leben kann. Die erste Unterstützung mit Fremdblut brauchte die Oberösterreicherin bereits wenige Stunden nach ihrer Geburt.

Brunner leidet an Diamond-Blackfan-Anämie (DBA), einer seltenen, angeborenen Knochenmarkserkrankung.

"Wenn ich kein Blut bekomme, werde ich schwach, müde und auch leicht depressiv. Innerhalb weniger Wochen würde ich sterben", erzählt sie. Mit der Blutspende ist ein normales Leben mit Sport, einem Beruf und Alltag möglich. "Für euch ist es ein kleiner Stich, aber ihr rettet damit mein Leben" appelliert die Betroffene an alle, regelmäßig spenden zu gehen.

Nur 40 Prozent der Erstspender kommen wieder

Die Bereitschaft dazu nimmt nämlich kontinuierlich ab: Vor zehn Jahren waren 70 Prozent der Erstspender noch zwischen 18 und 25 Jahre alt, derzeit sind es nur noch 50 Prozent. Und nur 40 Prozent der Erstspender kommen wieder. Dabei ist die Blutversorgung abhängig von regelmäßigen Spenden: Eine Konserve hält 42 Tage, alleine in Oberösterreich werden pro Tag 200 Konserven benötigt, pro Jahr sind es 60.000 Stück, die hergestellt werden.

In Österreich werden jährlich rund 350.000 bis 500.000 Blutkonserven benötigt. Das entspricht einem täglichen Bedarf von etwa 1.000 Blutkonserven, was bedeutet, dass im Durchschnitt alle 80 bis 90 Sekunden eine Blutkonserve in einem österreichischen Spital zum Einsatz kommt.

Drei Personen stehen vor einem Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes und halten ein Schild zur Blutspendeaktion.

Vizepräsident des oö. Roten Kreuzes Günter Mayr, Betroffene Brigitte Brunner, Direktorin der oö. Blutzentrale Susanne Süßner (v. li.).

Mit dem Sommer vor der Tür, kommt auch das Wissen: Bei Hitze sinkt die Spendenbereitschaft. Das hat mehrere Gründe. "Viele sind auf Urlaub. Und wer hier ist, ist aufgrund des schönen Wetters oft draußen", erklärt Susanne Süßner, medizinische Direktorin der oö. Blutzentrale.

Menschen mit Krebs brauchen am häufigsten Spenden

Wer aus Ländern mit erhöhtem Infektionsrisiko für diverse Krankheiten zurückkommt, ist außerdem für vier Wochen für die Blutspende gesperrt. Apropos: Einige Personengruppen dürfen sowieso nicht spenden, etwa Menschen, die bereits eine Krebsdiagnose erhalten haben. Aber auch das ändert sich langsam: "Die Gesundheit jener, die die Spenden bekommen, muss immer garantiert werden. Alle drei Jahre wird aber gemonitort und mittlerweile sind auch Menschen, die bestimmte Krebserkrankungen gut überstanden haben, zur Spende zugelassen."

Immerhin sind Krebspatientinnen und -patienten die größte Gruppe, die von Blutspenden abhängig sind, nämlich 19 Prozent. Dicht gefolgt von Menschen mit Magen-Darm- und Herzerkrankungen. Erst an vierter Stelle kommen jene, die aufgrund von Unfällen und Verletzungen fremdes Blut brauchen.

Kulturelle Schwierigkeiten

Interessant ist auch das Stadt-Land-Gefälle: In den Ballungsräumen spenden nur ein bis zwei Prozent der Menschen regelmäßig Blut, in ländlichen Gebieten sind es drei bis acht Prozent. Ziel sei es, die Spenden gut zu verteilen: "Wir brauchen Menschen, die regelmäßig ein bis zwei Mal pro Jahr kommen", sagt Süßner.

Ein Wunsch sei es außerdem, Menschen mit Migrationshintergrund fürs Blutspenden zu gewinnen: "Es spenden sehr wenige aus dieser Bevölkerungsgruppe, da gibt es oft kulturelle Schwierigkeiten", erzählt Günter Mayr, Vizepräsident des Roten Kreuzes in OÖ. Etwa über die Frage, ob die Blutabnahme von einem Mann oder einer Frau durchgeführt wird. Eine kuriose Anfrage, die immer wieder komme, sei auch, ob das Blut von Ungeimpften stamme. "Auf diese Diskussionen lassen wir uns gar nicht ein."

Online-Termine und Infos zu den nächsten Möglichkeiten in den Gemeinden und Städten können unter www.roteskreuz.at eingesehen werden.

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