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Als am Hauptplatz von Wiener Neustadt Köpfe rollten

Wiener Neustädter Blutgericht: Es waren grausame Szenen, die sich in diesen Augusttagen 1522 am Hauptplatz in Wiener Neustadt zugetragen haben.
Wiener Neustädter Blutgericht

Sieben Menschen, darunter der Wiener Bürgermeister, wurden nach einem Prozess wegen Aufruhrs am 9. und 11. August am dortigen Schafott enthauptet, ein achter vor den Stadtmauern. Die Hinrichtung wurde als das „Wiener Neustädter Blutgericht“ bekannt. Den Ausgang nahm die Causa bereits 1519. Am 12. Jänner starb Kaiser Maximilian I.. In seinem Testament hatte er verfügt, dass die bisherigen landesfürstlichen Regimenter zur Verwaltung bis zum Regierungsantritt seines Nachfolgers weiter tätig bleiben sollen. Das Problem war: Das nö. Regiment mit Sitz in Wien war bei den Bürgern verhasst und galt als korrupt, wie Josef Pauser, Leiter der Bibliothek des Verfassungsgerichtshofes, in seinem Beitrag „Zwischen Aufbegehren und Anpassung Von der Ständeopposition zur Wiener Stadtordnung von 1526“ schreibt. Rasch bildete sich in Wien eine regimentskritische Gegenbewegung unter dem Juristen Martin Siebenbürger.

Am Wiener Landtag Ende Jänner 1519 wandten sich die Stände gegen das alte Regiment, das sich nach Wiener Neustadt zurückzog. Die Stände übernahmen die Regierungsarbeit, die landesfürstlichen Rechte, griffen auf das Kammergut zu und prägten Münzen. Letztendlich ging die Machtübernahme nicht gut aus. 1520 wurde der revolutionäre Bürgerausschuss aufgelöst, nachdem Kaiser Karl I. ein Regiment in Augsburg mit der Verwaltung der nö. Länder beauftragt hatte. Allerdings wurde in einer neuen landesfürstlichen Ratswahl Siebenbürger zum Bürgermeister gewählt.

Überraschender Ausgang

Im April 1521 erlangte dann Karls Bruder, Ferdinand, die Herrschaft über die nö. Länder. Bei ihm hatte sich Siebenbürger mehrmals um die gerichtliche Klärung der Vorwürfe gegen das alte Regiment bemüht. Am 8. Juli 1522 berief Ferdinand einen Sondergerichtshof in Wiener Neustadt ein. Doch bei dem – laut Historikern fair abgelaufenen – Prozess zeigte sich, dass das Verhalten der Landstände verurteilt wurde. Zwölf Personen wurden verhaftet. Die Adeligen Michael von Eitzing und Hans von Puchheim wurden am 9., Martin Siebenbürger sowie seine Vorgänger Hans Rinner und Friedrich von Pieschen sowie weitere Ratsherren am 11. August enthauptet. Noch heute erinnert am Standort des Schafotts am Hauptplatz ein Gedenkstein an die Vorfälle.

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