Die Frau mit den blonden Rindern
Trixi Schütz setzt auf Eigenfütterung und Direktvermarktung. Ihre Rinder wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.
Von Gernot Heigl
Beatrix „Trixi“ Schütz aus Landsee, einem Ortsteil von Markt St. Martin im Bezirk Oberpullendorf, ist blonde Bäuerin und züchtet auf ihrem Hof blonde Rinder. Mit großem Erfolg: Einige ihrer rund 50 Kühe wurden bereits bei österreichischen Rinderschauen prämiert. So wurden „Honey“ und ihr Kalb „Hortensie“ zu Bundessiegern gekürt, Kuh „Helga“ errang sogar den Titel „Champion“.
Die 37-jährige Vollzeitbäuerin ist eigenen Angaben zufolge Burgenlands größte Züchterin der französischen Rasse „Blonde d’Aquitaine“, die sich durch hervorragendes Wachstum und überdurchschnittliche Fleischqualität auszeichnet. Um bei ihren Tieren bestmögliche Fleischqualität zu erreichen, füttert die gelernte Agraringenieurin ausschließlich Rotklee und Getreide, etwa Roggen.
„Das Beste vom Besten“
„Das ernte ich alles auf meinem Hof, ich kaufe nichts zu. Somit weiß ich, dass meine Rinder das Beste vom Besten an Nahrung bekommen“, schildert die Mittelburgenländerin, die derzeit im siebten Monat schwanger ist. „Ich verkaufe das Fleisch ja nicht nur, sondern ich esse es ja selbst.“
65 Hektar Dauergrünland und Getreideflächen bewirtschaftet die Bäuerin selbst und sorgt damit für ausreichende Futtervorräte. Für Anbau, Pflege und Ernte fährt und bedient sie alle dafür notwendigen Fahrzeuge und Geräte – vom Traktor über den Radlader bis zur Erntemaschine. „Wenn es notwendig ist, starte ich auch die Motorsäge“, schmunzelt Trixi Schütz und ergänzt: „Selbst ist die Frau.“ Unterstützung bekommt die Landwirtin an den Wochenenden, wenn ihr im niederösterreichischen Mostviertel lebender Partner am Hof ist.
Beatrix „Trixi“ züchtet erfolgreich „Blonde d’Aquitaine“-Rinder.
Nachdem ihre Eltern 2017 in Pension gegangen waren, übernahm sie als jüngste von vier Töchtern den Betrieb im Naturpark Landseer Berge und stellte den Stall auf Rassetiere um. Den Hof finanziert sie durch den Verkauf von Zuchttieren sowie durch die jährliche Schlachtung von bis zu fünf Rindern. „Ich lasse das Fleisch nicht, wie häufig üblich, nur zwei, sondern volle zehn Tage abhängen. Die Reifung ist wichtig. Ein Qualitätsmerkmal, das man definitiv auch schmeckt.“ Die Frischware wird anschließend über Direktvermarktung großteils an Stammkunden verkauft.
Bei einem Rundgang durch ihre Stallungen zeigt Trixi Schütz mit Freude und Stolz ihre „Blonde d’Aquitaine“-Tiere. Kleine und große Rinder stehen, liegen oder fressen entspannt im Stall. „Das jüngste Kalb ist fünf Tage alt und hat rund 50 Kilo“, erzählt die Landwirtin von ihrem jüngsten Neuzugang. Ein paar Meter weiter bleibt sie stehen und streichelt den mächtigen Kopf eines ganz anderen Kalibers: „Das ist Jonas, mein Zuchtstier mit stattlichen 1,4 Tonnen Gewicht.“ Bei den Mutterkühen sticht „Tanne“ hervor. Sie ist 16 Jahre alt und hat bereits 14 Kälber geworfen.
Wir wollen doch nicht, dass man bei uns nur noch Fleisch aus dem Ausland bekommt.
Obfrau Rinderzuchtverband
„Tiere passen zu mir“
Angesprochen auf die Besonderheit „blonde Bäuerin, blonde Kühe“ lacht die Mittelburgenländerin: „Ich hab immer schon scherzhaft gesagt: Wie der Herr, so´s Gescherr. Fakt ist, dass die Tiere zu mir passen. Die sind total nett, so wie ich.“ Die Agraringenieurin ist aber nicht nur auf ihrem Hof aktiv, sondern hat sich auch ein zweites Standbein aufgebaut. Als gelernte Spezial-Versicherungsagentin für die Landwirtschaft berät sie Bauern in den Bezirken Oberpullendorf und Mattersburg und ist zudem Sachverständige für Hagelversicherungen. Außerdem ist sie seit 2022 Obfrau des Burgenländischen Rinderzuchtverbandes mit rund 70 Betrieben. Im Vorjahr wurde sie auch zur Obfrau des Vereins „Fleischrinder Austria“ gewählt und vertritt damit insgesamt rund 2.600 Höfe. Beide Funktionen übt sie ehrenamtlich aus.
„Da immer mehr Betriebe zusperren, kämpfe ich in der Agrarpolitik für die Wiedereinführung der gestrichenen Mutterkuhprämie. Wir wollen doch nicht, dass man bei uns nur noch Fleisch aus dem Ausland bekommt.“ Am Herzen liegt Trixi Schütz auch die Kreislaufwirtschaft mit Eigenfütterung, so wie sie ihren Betrieb führt. „Es gibt nichts Besseres. Das bedeutet zwar mehr Arbeit, dafür ist die Fleischqualität unschlagbar gut.“
Kommentare