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Chronik Österreich
05/04/2020

Auch steirischer Fitness-Rebell wollte Studio öffnen

In einem mit Corona-Fällen sehr stark belastetem Bezirk plante Betreiber trotz Verbots aufzumachen - er tat es nicht.

von Elisabeth Holzer

Daniel Schreiber ist hörbar sauer. Und sichtbar ebenso: Der Betreiber des Fitnessstudios "Fitter Hirsch" in der Osteiermark trägt im selbstgedrehten Handyvideo ein T-Shirt, auf dem "Weil Corona eine Lüge ist" prangt. Er prangert eine "Kasperlregierung" an und moniert, dass "der Sportminister Kogler noch nie ein Fitnessstudio von innen" gesehen habe.

Zudem kündigte er in seinem öffentlichen Facebook-Posting an, am Montag aufzusperren: "Ich lasse mir meine Zukunft nicht nehmen", verweist er darin auf den Umstand, dass die Fitnesscenter seit 16. März wegen der Corona-Beschränkungen behördlich geschlossen sind. Sein Betrieb sei mehr als 400 Quadratmeter groß, zwischen den Geräten liege der geforderte Zwei-Meter-Abstand. "Wir als Trainer greifen Kunden nicht an - im Gegensatz zu Masseuren."

Niederösterreicher machte nicht auf

Schreiber schloss sich damit einer Aktion seines Kollegen aus Niederösterreich an, der ebenfalls per Video ankündigte, seine "Fit Fam" in Amstetten öffnen zu wollen. Christoph Haider sah allerdings Montagvormittag dann doch davon ab.

Der Bezirkshauptmann von Hartberg-Fürstenfeld, Max Wiesenhofer, riet Schreiber ebenfalls davon ab, zu öffnen. "Ich habe großes Verständnis für Gewerbebetriebe in dieser Ausnahmesituation. Aber man muss einfach sagen, Gesundheit und Leben gehen vor."

Zumal der Bezirk der am meisten von Coronafällen betroffene in der Steiermark sei: Es gab mehr als 300 positive Covid-19-Erkrankungen, in mehr als der Hälfe aller Gemeinden gab es Infektionen.

Der Behördenleiter erinnerte an das aufrechte Betretungsverbot. Das gelte für den Chef selbst - aber auch für jedes einzelne Mitglied. "Bei Zuwiderhandeln drohen Verwaltungsstrafen gegen ihn und seine Kunden", betonte Wiesenhofer am Montag.

Bei "wiederholtem und beharrlichem" Vorgehen, also mehrmaligem Öffnen, "könnte man sogar die Verlässlichkeit nach dem Gewerberecht anzweifeln, mahnte der Bezirkshauptmann - in letzter Konsequenz ginge es da um die Gewerbeberechtigung.

"Church of Fitness"

Letztlich machte der "Fitte Hirsch" dann doch nicht auf. Auch, weil die Strafen nicht finanzierbar wären. "Für ein paar Monate haben wir noch Luft", überlegte Schreiber am Montagnachmittag, nachdem Medien und Polizei wieder weg waren. "Aber man kann nicht eine ganze Branche einfach so runterfahren." Den Humor hat der Steirer dennoch nicht verloren: "Vielleicht gründe ich die Church of Fitness. Dann müsste es mit dem Aufsperren gehen."

 

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