Chronik | Österreich
23.10.2018

Asfinag legt Pläne für Pannenstreifen-Freigabe in Tirol auf Eis

Die Stadt Innsbruck hat sich vorerst erfolgreich gegen dritte Spur auf Autobahn gewehrt. Asfinag will "Zweifler überzeugen"

Ein Testlabor hätte das zehn Kilometer lange Autobahnstück der A12 zwischen Innsbruck West und der Nachbargemeinde Zirl werden sollen: Die Asfinag wollte hier die temporäre Freigabe des Pannenstreifens ausprobieren. Die Verkehrsdichte im morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr sollte durch eine dritte Spur entzerrt werden.

Doch nun legt der Autobahnbetreiber das Vorhaben – zumindest vorerst – auf Eis, wie Stefan Siegele, Asfinag-Geschäftsführer für Tirol und Vorarlberg, bestätigt. „Wir haben ein klares Signal von der Stadt Innsbruck und den Grünen bekommen, dass sie das nicht wollen“, sagt er. Die Ablehnung kam nicht nur aus der grünen Bürgermeisterfraktion, welche eine Verkehrszunahme befürchtet, sondern war eine viel breitere. Das Projekt löste auch bei der schwarz-grünen Landesregierung negative Reaktionen aus. Als „das falsche Signal zur falschen Zeit“ hatte Landeshauptmann Günther Platter die Pläne bezeichnet.

Transit-Bremse

Die Sorge dahinter: Bayern könnte eine „dritte Spur“ dann auch auf der Transitstrecke durch Tirol fordern, da das Land seine Maßnahmen gegen den überbordenden Verkehr mit der Überlastung der Autobahn begründet.

Als Stolperstein hat sich für die Asfinag letztlich ein Grundstück der Stadt erwiesen, das diese besitzt und, wie berichtet, als Faustpfand eingesetzt hat. „Wir hätten diese Fläche von der Stadt benötigt“, sagt Siegele. Im Zuge der Pannenstreifen-Freigabe würde man nämlich etwa zusätzlichen Platz für neue Verkehrsbuchten benötigen.

Die baulichen Vorbereitungen für den Pannenstreifen-Test wollte die Asfinag im Zuge einer für 2020 geplanten Asphaltsanierung umsetzen. „Wir haben die Bauverfahren jetzt getrennt. Wir gehen jetzt die Sanierung an und lassen den Pannenstreifen hinten“, sagt Siegele. Im Zuge der Arbeiten würden aber dennoch Vorkehrungen getroffen, dass das Projekt im Falle später schnell umgesetzt werden kann.

Die Pannenstreifen-Freigabe wird von Verkehrsminister Norbert Hofer ( FPÖ) vorangetrieben. Auf der Ostautobahn (A4) läuft bereits seit dem Sommer ein Test.

In Tirol gab es für einen Piloten auf der A12 Applaus von der FPÖ. Die Landes-SPÖ befürwortet die Freigabe ebenfalls. Dass die Stadt-SPÖ hingegen einen „fahrlässigen Unfug“ in dem Vorhaben erkannte, löste einen heftigen parteiinternen Schlagabtausch aus.

Dienstagabend legte Asfinag-Geschäftsführer Siegele noch wert auf einer Präzisierung seiner Aussagen, wonach man das Projekt trotz Widerständen weiter verfolgen möchte: „Für uns heißt das, dass wir die Zweifler davon überzeugen müssen und keinesfalls, dass wir unseren Plan für eine temporäre Pannenstreifenfreigabe verwerfen.“