Aus der Schalterhalle soll etwa die Glasbrücke (hinten) in den Verkauf kommen, aber auch Pulte und Holzfassadenelemente.

© Raiffeisen/Franz Oss Photography

Innsbruck
08/05/2020

Alte Bankzentrale wird vor ihrem Abriss recycelt

Die alte Zentrale der RLB Tirol wird regelrecht ausgeschlachtet. Wertvolle Materialien werden wiederverwertet

von Christian Willim

Arbeiter haben vor einigen Tagen begonnen, die bisherige Zentrale der Raiffeisen Landesbank (RLB) Tirol in Innsbruck regelrecht zu filettieren. Die soll, wie berichtet, einem Neubau weichen, in dem neben dem Geldinstitut auch ein Hotel, Shops und Lokale unterkommen sollen.

Dass der Altbestand vor dem maschinellen Abbruch auf den Rohbauzustand zurückgeführt, die Baustoffe getrennt und dem Recycling zugeführt werden müssen, ist gesetzlich geregelt. Beim Raiqa, wie das neue Quartier zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt heißen soll, geht man einen Schritt weiter.

„Bestehendes erhalten ist Teil unseres Abbruchkonzepts“, erklärte RLB-Vorstandschef Reinhard Mayr am Dienstag bei einer Pressekonferenz auf der Baustelle. Dafür hat die Bank die Wiener Firma Baukarussell an Bord geholt, die sich auf Social Urban Mining spezialisiert hat.

Ein neuer Markt

Abrissgebäude werden hierbei gewissermaßen als Rohstoffmine betrachtet, die in Kooperation mit sozialökonomischen Betrieben wie ein Autowrack ausgeschlachtet werden. „Wir versuchen, eine Nachfrage für die Wiederverwendung zu generieren“, erklärt Thomas Romm von Baukarussell einen Aspekt des Geschäftsmodells.

Verwertbare Teile und Möbel aus der RLB-Zentrale sollen über eine Online-Plattform zum Verkauf angeboten werden. Das reicht von den edlen Holzpulten in der Schalterhalle bis hin zu einer Glasbrücke ebendort.

Für den Abbau engagiert der Bauherr Sozialbetriebe. Die übernehmen zudem einen Teil der vorgeschriebenen Demontage von Problemstoffen, aber auch den von Rohstoffen wie Kupfer oder Aluminium, das durch die sortenreine Trennung zu höheren Preisen verkauft werden kann.

„Wir gehen davon aus, dass das eine Win-win-Situation ist“, sagt Mayr. Was nun aus dem Gebäude geschafft und verwertet wird, muss beim Abbruch nicht mehr entsorgt werden. Der wird dadurch günstiger. Zudem gibt es Erlöse aus den Verkäufen.

Laut den Bauherren ist es das größte derartige Projekt, dass es in Westösterreich bisher gegeben hat. Nach demselben Prinzip wurden und werden aber auch Gebäude in Wien, Linz oder Graz entkernt. Darüber steht der Aspekt von Nachhaltigkeit und der Kampf gegen den Klimawandel.

Millionen Tonnen von Bauabfällen

„Allein 12 Millionen Tonnen der jährlich über 60 Millionen Tonnen Abfall in Österreich sind Bau- und Abbruchabfälle“, erklärte Sabine Robra vom Institut für Infrastruktur der Universität Innsbruck, um welche Dimensionen es geht.  

Die neue Zentrale der RLB Tirol und das dazugehörige Quartier sollen 2023 eröffnet werden.

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