Chronik | Österreich
22.11.2018

Als Pflegekind zu einer Mörderin gesteckt: Ein Fall für das Gericht

Walfried Janka lebte als Pflegekind bei einer Kindsmörderin, die ihn quälte und schlug. Schadenersatz bekam er keinen.

Wieder einmal muss Walfried Janka in seinem Leben zittern und hoffen. Dieses Mal geht es darum, ob die 20.000 Euro zusammenkommen, die er für den Rechtsstreit gegen das Land Steiermark braucht. Per Crowdfunding hat er die Öffentlichkeit gebeten, ihm finanziell zu helfen. Noch rund 8.000 Euro fehlen - in 22 Tagen läuft die Frist dazu ab.

Wir erinnern uns an Jankas Schicksal: Das Jugendamt übergab ihn 1966 als Säugling an eine nachweislich verurteilte Kindesmörderin. Nachdem er bei der Mörderin gefoltert, gequält und missbraucht wird, wird er auf eine psychiatrische Abteilung einer Kindereinrichtung gebracht. Auch dort gehen die Qualen bis zu seinem 16. Lebensjahr weiter. Er besuchte keine normale Schule und hatte keine Chance auf eine Berufsausbildung.

Lesen Sie Jankas komplette Geschichte hier: 

 

Herzloses Schreiben

Seine Forderung auf Schadenersatz wurde zum Entsetzen Jankas im August diesen Jahres abgelehnt. Fassungslos sei wohl das einzige Wort, das seine Gefühle annähernd beschreiben kann, sagte Walfried Janka damals im KURIER-Interview. Drei Monate hatte er auf eine Antwort vom Land  Steiermark gewartet. Und dann kam dieser Brief. Herzlos sei das Schreiben gewesen, kalt, ein paar kurze Sätze. Janka war am Boden zerstört, damit hatte er nicht gerechnet. "Damit hat keiner gerechnet", sagt sein juristischer Berater Markus Drechsler

Denn selten stehen so detaillierte Akten und Aufzeichnungen über Misshandlungen an Jugendamt-Kindern zur Verfügung. Daher war die Hoffnung bei Janka groß, dass ihm zumindest eine finanzielle Gerechtigkeit widerfährt, selbst wenn diese Qualen ohnehin nicht mehr gut zu machen sind. 500.000 Euro forderte Janka daher als  Schadenersatz für die Misshandlungen in seiner Kindheit. 

Bei der Fachabteilung Verfassungsdienst des Landes Steiermark, aus der das Antwortschreiben stammt, sprach die stellvertretende Abteilungsleiterin  Renate Krenn-Mayer mit dem KURIER. "Es war unsere Pflicht, die Interessen des Landes Steiermark zu vertreten, das war unser Auftrag. Wir sollten die Causa in rechtlicher Hinsicht prüfen und da ist nun mal der Aspekt der Verjährung tragend." Dies sage zwar nichts darüber aus, wie den Fall ein Gericht sehen würde, "wir glauben aber nicht, dass es dort anders ausgehen wird, wir haben das wirklich sehr sorgfältig und genau geprüft."

Walfried Janka hätte durch sein Aufforderungsschreiben zur Amtshaftungsklage diesen Weg beschritten und das Land habe nun darauf regiert. "So funktioniert das Amtshaftungsgesetz." So grausam die Vorfälle auch waren, dies sei eine rechtliche Prüfung gewesen und keine moralische. "Wir sind uns einig, wie katastrophal die Geschichte ist, aber Herr Janka hat einen Rechtsanspruch geltend gemacht und nur dieser war zu beurteilen." 

Nun vor Gericht

Der heutige Familienvater hat nun eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt. Da das Land Steiermark ihn nicht entschädigt, will er mit den brisanten Gutachten vor Gericht ziehen.

Auf www.ueberlebt.at sammelt er das nötige Geld für den Rechtsstreit.