Chronik | Österreich
28.11.2018

Ärger über Mopedprüfung Neu wächst: „Das ist eine Sauerei“

Computerprüfung: Fahrlehrer kritisieren die Reform und verraten, wie leicht Schummeln weiterhin möglich ist.

Die neue Mopedführerschein-Prüfung, die am 1. Jänner 2019 eingeführt wird, lässt die Wogen immer höher gehen. Wie berichtet, sorgen angebliche Knebelverträge des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), das per 1. Jänner die Abwicklung der nun computergestützten Prüfung übernimmt, für Aufsehen. Mehrere Fahrschulen fordern jetzt eine öffentliche Ausschreibung vom Verkehrsministerium und wollen andernfalls die Prüfung einstellen.

Zwei Gründe werden für die Umstellung genannt: Erstens die „besorgniserregenden Unfallzahlen“. Diese sind aber in den vergangenen sechs Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Zweitens wolle man Schummelversuche erschweren, in die einige Fahrschulen verwickelt waren.

Doch Betrügereien sind weiter möglich, sagen Fahrschulbesitzer. Denn es ist keine Aufsichtsperson einer Behörde dabei wie etwa bei den Prüfungen zu A- oder B-Führerschein – offenbar auf Wunsch der Automobilclubs. Diese wollen am Wochenende prüfen, da aber wiederum wollen die Länder keine Kontrolore zur Verfügung stellen. Damit ist erst recht wieder die Fahrschule für die korrekte Abwicklung verantwortlich. „Ich kann mich selbst hinsetzen und den Test machen und das dann nachträglich jedem meiner Schüler meiner Wahl zuordnen“, meint ein Fahrlehrer. Er darf die Liste der Prüflinge anonymisieren, später selbst die Tests Personen namentlich zuteilen.

„Die Mopedprüfung ist eine Sauerei“, sagt Norbert Hausherr. Der Ex-Fachverbandsobmann hat die Führerschein-Computerprüfung für Autos entwickelt: „Mein Wunsch wäre gewesen, die Mopedprüfung in das bestehende Computersystem zu integrieren.“ Das sei innerhalb von zwei Stunden ohne große Kosten möglich.

Hausherr: „Die Hauptursache für Unfälle ist die mangelhafte Ausbildung. Das hat man mit dem neuen System verstärkt und Manipulationen noch leichter gemacht. Es kann doch nicht sein, dass man Lobbying-Interessen über die Sicherheit stellt.“

Betrug „gegen Null reduziert“

Das KFV, das die Prüfungen verwaltet, betont, dass es Aufsichtspersonen der Fahrschule gebe, die namentlich für die korrekte Abwicklung bürgen. Die Möglichkeit des Betruges sei „gegen Null reduziert“. Jeder Kandidat müsse sich ausweisen. Sowohl KFV als auch Verkehrsministerium bestreiten jedes Naheverhältnis zueinander.

Nun warten alle auf die Beta-Version der neuen Prüfung, aber die Fragen sorgen schon für Ärger: Bei sechs von 314 soll es Ungenauigkeiten geben, monieren Experten, auch ältere Mopedauto-Fahrer werden geduzt. Auf Gendern wird verzichtet.

„Es zeigt sich, wie problematisch derartige Vergaben ohne Ausschreibungen sind – vor allem wenn davon ein Verein profitiert, der ein starkes Naheverhältnis zum Verkehrsministerium hat“, sagt Douglas Hoyos von den Neos. „Hier wäre eigentlich der Verkehrsminister gefordert.“