VTA arbeitet mit Nanocarbon gegen PFAS und Mikroplastik
Die VTA-Führung: Marlene und Ulrich Kubinger, Andreas Gabriel
Die oberösterreichische Unternehmensgruppe VTA startet mit einer Innovation zur Filterung von Umweltgiften wie PFAS und Mikroplastik aus Kläranlagen durch: Das auf Basis von Nanotechnologie entwickelte Produkt holt bis zu 99 Prozent der schädlichen Substanzen aus dem Abwasser. Auch Mikroplastik, Medikamentenrückstände und Hormone könnten auf diese Weise fast vollständig gebunden werden – „ohne teure Ausbaumaßnahmen bei den Kläranlagen“ so VTA-Chef Ulrich Kubinger bei der Präsentation des Produktes.
EU-Richtlinie
VTA hat seinen Sitz in Rottenbach (Bez. Grieskirchen) im Hausruckviertel. Das Unternehmen ist in 65 Ländern tätig. Laut Kubinger sei das Mittel mit dem Namen „Nanocarbon“ bereits in mehreren Ländern – darunter Österreich, Schweiz, Deutschland – im Einsatz und zeige große Erfolge. „Für die Gemeinden heißt das, dass sie sich viel Geld sparen, weil sie die vierte Reinigungsstufe nicht brauchen,“ so Kubinger. Laut der seit 2025 gültigen EU-Kommunalabwasserrichtline müssen bis 2050 80 Prozent der relevanten Spurenstoffe (Umweltgifte) aus dem Abwasser von Kläranlagen geholt werden, wofür umfangreiche Ausbaumaßnahmen – die sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ – am Ende der Kläranlage erforderlich sind.
Belastung für die Gemeinden
Die Investitionen dafür liegen laut Kubinger pro Anlage zwischen mehreren Hunderttausend und mehreren Millionen Euro. Angesichts der angespannten finanziellen Situation, in der sich viele Gemeinden befinden, „ein schwieriges Unterfangen“, so Kubinger. Er schätzt den gesamten Investitionsbedarf dafür in Österreich bis 2050 auf „acht bis neun Milliarden Euro,“ wobei laut dem VTA-Chef nicht garantiert sei, dass das Ziel auch erreicht wird.
„Fast alles raus“
Denn Untersuchungen der Uni Graz hätten gezeigt, dass nur 12,7 Prozent der Schadstoffe rausgefiltert werden. Kubinger: „Mit unserem Produkt kommt fast alles raus – ohne Ausbau.“ Laut Marlene Kubinger, Prokuristin bei VTA und verantwortlich für
die Weiterentwicklung des VTA-Forschungscampus in Rottenbach, sei bei den Ausbaukosten nicht eingerechnet, dass auch zusätzlich Erhaltungs- und Betriebskosten anfallen. Diese würden in ganz Österreich „noch einmal mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr“ ausmachen. Mit dem VTA-Produkt wären diese Kosten für die Betreiber vermeidbar.
Weniger Energie
Das Produkt schütze auch die Mitarbeiter in einer Kläranlage sowie Anwohner, weil es Aerosole bindet, die Schadstoffe, Bakterien und Viren tragen und diese in der Umgebungsluft verbreiten. Auch die Energiekosten für die Luftreinigung könnten deutlich gesenkt werden – um rund 30 Prozent. Am Beispiel der Kläranlage Wels könnten in Summe 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr eingespart werden – so viel wie 1.100 Haushalte verbrauchen.
Entwickelt wurde das Produkt am VTA-Forschungscampus in Rottenbach, wo Andreas Gabriel der Leiter für Gesundheit und Umwelt ist. Laut Gabriel wurde fünf Jahre lang an dem Produkt geforscht mit einem sensationellen Ergebnis: „Wir greifen direkt in eine biologische Stufe ein und binden dort die Aerosole.“ Laut Ulrich Kubinger besitze VTA bereits das Europapatent an „Nanocarbon“, die Zulassung für das Weltpatent sei in Umsetzung. VTA wurde von Ulrich Kubinger gegründet und ist in Familienbesitz.
Seit 30 Jahren aktiv
Das Unternehmen ist seit über 30 Jahren im Bereich Wasser- und Abwasserreinigung tätig. Aktuell wird das Wasser von 300 Millionen Menschen weltweit mit VTA-Produkten gereinigt. Die Exportquote liegt bei rund 75 Prozent. VTA besitzt 160 Patente und stellt rund 2.000 verschiedene Produkte her. Die Zahl der Formulierungen liegt bei 800. Eine chemische Formulierung ist die Kombination unterschiedlicher Chemikalien, um eine gewünschte Eigenschaft oder Wirkung zu erzielen.
Das Unternehmen setze sich dafür ein, „dass sauberes Wasser ein Menschenrecht wird“, sagt Kubingers Tochter Marlene, die das Produkt „eine Revolution“ nennt. Ulrich Kubinger ergänzt: „Das ist kein Hokuspokus, sondern ausgereifte Biophysik“.
Kommentare