Vincent Kriechmayr steht im kommenden Winter auf neuen Arbeitsgeräten.

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Chronik Oberösterreich
06/29/2020

Türe für Kriechmayr bleibt offen

Skisport: Nach Abgang des Oberösterreichers ist Fischer-Boss Föttinger sauer auf den ÖSV.

von Gerhard Marschall

Vincent Kriechmayr, zurzeit Oberösterreichs Top-Skifahrer, wechselt den Rennstall: Von klein auf stand der Mühlviertler auf Fischer-Skiern, jetzt steigt er auf Head um. Er wolle noch besser werden, sagt der 28-Jährige. Die vergangene Weltcupsaison lief nicht nach Wunsch. Mit zwei Siegen im Super-G und Platz fünf in der Gesamtwertung blieb ihm der erhoffte Griff nach einer Kristallkugel verwehrt.

Fischer-Vorstandsvorsitzender Franz Föttinger (51) bedauert den Abgang: „Es hat mich persönlich und die ganze Firma schon enttäuscht. Aber ich bin darüber hinweg.“ Der „Vinc“ sei Paradebeispiel dafür, „dass wir versuchen, junge Sportler auf dem Weg an die Spitze zu begleiten“.

Kriechmayr komme mit seinen 28 Jahren jetzt in das beste Alter für die Speeddisziplinen. Außerdem spiele bei ihm die Oberösterreicher-Komponente mit.

162 Athleten

„Wir haben alles versucht und können uns nichts vorwerfen“, sagt Föttinger. „Wir wissen, dass der Konkurrent mehr Geld ausgibt als wir. Und wir wissen, dass es im Skiverband Strömungen gegeben hat, die ihm zu diesem Wechsel geraten haben.“ Damit ist für Fischer das Kapitel Kriechmayr vorerst abgeschlossen. Die Türe bleibt laut Föttinger aber nicht für immer zu: „Wir sind nicht nachtragend und hoffen, dass wir ihn irgendwann zurückbekommen – egal in welcher Funktion.“

Aber auch so sehen sich die Skibauer in Ried im Innkreis für die kommende Saison breit und bestens aufgestellt. Querbeet durch Disziplinen wie Nationalitäten hat Fischer 162 Athletinnen und Athleten unter Vertrag. Bei den Alpinen stechen das österreichische Trio Nicole Schmidhofer, Ramona Siebenhofer und Max Franz, der Italiener Manfred Mölgg oder der Schweizer David Yule hervor. Neu im Team ist Luca Aerni (Schweiz), der Brite Dave Ryding ist nach zwei Jahren zurückgekehrt.

Steigende Anforderungen

In den nordischen Disziplinen ist Fischer ohnehin seit Jahren das Maß aller Dinge. Die Bilanz der vergangenen Weltcupsaison fällt eindrucksvoll aus: 111 Siege, zwei Drittel aller Podestplätze, zum elften Mal in Folge erfolgreichste Marke. Mit dem Österreicher Stefan Kraft (Skispringen) sowie den Norwegern Theres Johaug (Langlauf), Johannes Thingnes Boe (Biathlon), Jarl Magnus Riiber (Kombination) und Maren Lundby (Skispringen) stellt Fischer fünf der sieben Gesamtsieger.

Das Engagement im Rennsport hält Föttinger in doppelter Hinsicht für wichtig. Da sei zum einen die Imagekomponente, „der Beweis, dass unsere Produkte funktionieren“. Der Werbewert durch Medienpräsenz sei nicht bezahlbar.

Dazu kämen die ständig steigenden Anforderungen der Sportler und Trainer: Wie kann ich besser, schneller, sicherer werden? Das fordere die Entwicklungsabteilung immer wieder aufs Neue heraus und treibe sie an. Um wie viele Skier aufgrund von Siegen mehr verkauft werden, lasse sich freilich nicht belegen.

Heikle Prognosen

Nach einer Krise hat sich Fischer vor gut zehn Jahren neu aufgestellt und auf seine Kernkompetenzen besonnen. „Wir fokussieren uns auf die Hartware“, beschreibt Föttinger die Firmenphilosophie: „Das ist das, was wir am besten können. Wobei unser Wachstumsfeld der Schuh ist, alpin wie nordisch.“

Das Geschäftsjahr ’19/’20 hat Fischer mit einem Umsatz von 187 Millionen Euro abgeschlossen. Momentan ist die gesamte Belegschaft in Ried in Kurzarbeit, die um zwei bis drei Monate verlängert werden soll. Im Werk in Mukatschewo (Ukraine) musste Personal abgebaut werden. Die Vorausorder sind Corona zum Opfer gefallen, nach wie vor ist der Handel überaus vorsichtig.

Prognosen sind in der Winter-Branche sowieso heikel. Das Geschäft mit Langlaufskiern hänge generell davon ab, ob zeitgerecht und ausreichend Schnee fällt, sagt Föttinger: „Das ist sehr volatil.“ Der Alpinsektor ist dank Kunstschnee stabiler.

Zurzeit ist aber nicht absehbar, ob die Touristen in gewohnter Weise nach Österreich kommen werden. Dennoch ist Föttinger zuversichtlich: „Gewisse Sportarten funktionieren gut, weil das Gesundheitsbewusstsein zugenommen hat.“