Rektor Koch: „So ein Sparpaket würde an die Substanz der Universität gehen“
Stefan Koch, Rektor der Linzer Johannes Kepler Universität
Der Wirtschaftsinformatiker Stefan Koch (52) ist seit 2023 Rektor der Linzer Johannes-Kepler-Universität.
KURIER: Sie wurden soeben als Rektor bestätigt, Ihre Funktionsperiode wurde bis 2031 verlängert. Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?
Stefan Koch: Wir haben uns sehr gut entwickelt. Wir haben jetzt 27.000 Studierende, mehr als 20 Prozent sind internationale Studenten. Dieser Anteil hat sich verdoppelt. Das Hineinwirken in die Gesellschaft ist uns wichtig, siehe Zirkus des Wissens oder der Kepler-Salon. Wir wollen die interdisziplinäre Behandlung großer Transformationsthemen, wie die Änderung des Gesundheitssystems oder die demografische Entwicklung fortsetzen. Wir wollen uns damit auseinandersetzen, wie man die Resilienz steigern kann, sowohl bei den Individuen als auch gesellschaftlich. Ein Thema wird sein, was Künstliche Intelligenz in den verschiedenen Fachgebieten bedeutet.
Sepp Hochreiter bräuchte für sein KI-Institut wesentlich mehr Geld für Rechnerleistung und für mehr Personal, in Summe rund 100 Millionen Euro. Martin Polaschek, Wissenschaftsminister von 2021 bis 2025, hat dazu lediglich gemeint, das sei Sache der Linzer Universität, sie entscheide über die Zuteilung der Mittel, Extra-Geld gebe es nicht.Kann die Universität dem KI-Institut, das österreichweit ein Alleinstellungsmerkmal hat, genügend Geld zur Verfügung stellen?
Das ist eine Priorität von uns. Wir geben sehr viele Mittel hinein. Wir haben eine Rahmenvereinbarung mit dem Land OÖ, das uns unterstützt. KI ist hier ein Schwerpunkt, aber 100 Millionen können wir nicht aufstellen. Wir haben ein Jahresbudget von 300 Millionen.
Was müsste man tun?
Ich finde es sehr gut, dass man diesen Bereich stärkt. Man müsste in diesem Fall uns mehr Mittel zur Verfügung stellen, denn wir können und wollen auch nicht andere Bereich stilllegen. Denn sie sind genauso wichtig, von der Kunststofftechnik bis zu den Rechtswissenschaften. Wenn man hier gezielt ausbauen will, kann man in bestimmten Bereichen ein bisschen umschichten. Wir haben von den Mitteln, die wir in dieser Leistungsvereinbarung zusätzlich bekommen haben, einen relativ großen Bereich in die KI gegeben. Zum Beispiel vier Juniorprofessuren (Tenure Track-Stellen, sind zeitlich befristet), weil wir hier auch viele Studierende haben.
Es gibt rund 2.700 KI-Studenten?
Ja, es sind rund 2.700.
Aber sind die Studierenden in den anderen technisch-naturwissenschaftlichen Fächern nicht rückläufig?
Rückläufig sind sie nicht. Die Mechatronik hat jetzt wieder sehr, sehr gute Zahlen. Alles in allem haben wir überall einen Zuwachs.
Sie wollen auch in die Technologie der Quantencomputer.
Im Herbst beginnen wir mit dem Bachelorstudium Quantum Science and Technology. Es bildet das Thema Quanten aus dem Blickpunkt der Physik und der Informatik ab. Mit diesem Studium sind wir in Österreich einzigartig. Wir wollen es auch mit dem Thema KI verschneiden.
Ist hier ein eigenes Universitätsinstitut geplant?
Es spielen hier unterschiedliche Institute der Physik und der Informatik zusammen. Wir haben hier zum Beispiel Richard Küng, der eine Professur für Quanteninformatik hat. Wir haben soeben einen Kollegen aus Amerika berufen, der von Harvard kommt und eine Tenure-Track-Stelle in der Informatik bekommen wird. Wir bauen personell aus.
Die Bundesregierung will bei den Universitäten 14 Prozent einsparen. Statt 18 Milliarden Euro soll es für den Zeitraum von 2028 bis 2030 nur 15,5 Milliarden geben. Was würde es für Ihre Universität bedeuten, wenn das so kommt?
Wir müssten massiv einsparen. Ein Teil davon sind Kostensteigerungen, die uns nicht abgegolten werden. Wir haben steigende Energiekosten, Mieten und steigende Kollektivvertragsabschlüsse. Wir müssten zuerst durchforsten, wo wir einsparen könnten. Wo gibt es Dinge, die nicht einen wesentlichen Beitrag für den Kern Forschung und Lehre leisten? Aber es wird nicht viel anderes übrig bleiben, als dass wir unser Angebot von Lehrveranstaltungen reduzieren. Das bedeutet für die Studierenden schlechtere Studienbedingungen. Wir werden jedenfalls Stellen nicht nachbesetzen können. Gewisse Bereiche werden fehlen, wir werden sie in der Forschung und Lehre nicht abdecken können.
1400 Studenten demonstrieren Donnerstagnachmittag auf dem Linzer Hauptplatz gegen die Kürzungen.
Bundeskanzler Stocker meinte, die Universitäten sollten ihre Effizienzen überprüfen und schauen, was nicht mehr aktuell ist. Wo sehen Sie selbst Einsparungsmöglichkeiten an Ihrer Kepleruniversität? Das ist ein fortlaufender Prozess. Dafür haben wir das Management, das schaut, was ist sinnwichtig und wo macht man Dinge, die nicht mehr notwendig sind. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren einige Studienrichtungen eingestellt, wo wir gesehen haben, dass die Nachfrage fehlt. Falls so ein Sparpaket kommen sollte, würde es viel stärker an die Substanz gehen.
Es hat sich ein starker Widerstand gegen das Sparpaket entwickelt. Wie beurteilen Sie die Chancen der Abwehr?
Ich bin noch hoffnungsfroh. Die breite Unterstützung aus den verschiedensten Parteien und der Gesellschaft zeigt, dass die Universitäten einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, der auch gesehen wird. In der Ausbildung, in der Forschung, im Transfer an die Industrie. Der Innovationsstandort Österreich und speziell Oberösterreich hängt von den Leistungen der Universität ab. Das ist schon einmal eine gute Grundlage, wo wir hoffen, dass es noch zu Verbesserungen kommen wird. Mit den Demonstrationen wollen wir zeigen, dass das keine sinnvolle Politik ist, hier in diesem Ausmaß einzusparen.
Politik und Wirtschaft haben ein großes Interesse, dass aus der Universität Start-ups hervorgehen. Passiert das im ausreichenden Ausmaß?
Wir sind hier auf einem guten Weg. Es gibt hier aktuelle Beispiele. Die Kepler Universität ist bei den Patenten die Nummer zwei in Österreich. Es ist eine gewisse Herausforderung, weil wir die Leute mehr unterstützen müssen und ihnen gute Rahmenbedingungen schaffen. Wir haben gemeinsam mit der Fachhochschule Oberösterreich den Verein AcadX gegründet, wo wir uns bündeln und Synergien schaffen. Die IT:U kommt auch dazu. Wir wollen uns auch an einem Fonds für Tech-Start-ups mit der Universität Wien beteiligen.
Die große Schwierigkeit ist Risikokapital in Österreich zu finden. Wenn Start-ups größer werden wollen, gibt es relativ wenig Risikokapital, das verfügbar ist.
Ein Argument für die Gründung der Medizinfakultät in Linz war, dass gemeinsam mit der technisch-naturwissenschaftlichen Fakultät Medizintechnik-Firmen entstehen sollen. Zuständig war der frühere Rektor Richard Hagelauer. Hier ist nicht wirklich viel weitergegangen.
Es gibt schon einiges. Zum Beispiel Start-ups für künstliche Knochen. Die Zusammenarbeit der medizinischen Fakultät mit der technisch-naturwissenschaftlichen ist eine sehr enge geworden. Es gibt 35 Projekteinreichungen, elf können gefördert werden. Es braucht eine gewisse Zeit, weil die medizinische Fakultät im Aufbau war und ist. In den vergangenen zwei Jahren wurden Professoren auf Tenure-Track-Stellen berufen, die sich mit Technik und KI befassen. Zum Beispiel in der Bilderkennung und Bildverarbeitung.
In medialen Berichten wird den Rektoren vorgehalten, mehr als der Bundeskanzler zu verdienen. die Liste gibt für den Linzer Rektor im Jahr 2024 ein Jahresgehalt von 354.000 Euro an. Die Bezahlung sei sehr gut, die Leistung der Universitäten im weltweiten Vergleich durchschnittlich. Das ist ein Nebenthema und ein seltsamer Vorwurf. Wir treten als Rektoren nicht für uns auf, sondern für die Universitäten, was unsere Aufgabe ist.
Es ist so, dass Rektoren nicht schlecht bezahlt sind. Die Kepleruniversität ist mit 4.000 Mitarbeitern und mit einem Budget von 300 bis 350 Millionen Euro einer der größten Betriebe in Linz und Oberösterreich. Wir sind eine Expertenorganisation, bei der das Gehaltsniveau höher ist. Wir bewegen uns im internationalen Bereich. Um internationale Professoren zu bekommen, ist es notwendig, entsprechende Gehälter zu bezahlen. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für einen Universitätsprofessor liegt bei 100.000 Euro. Wir müssen in vielen Bereichen mehr zahlen, um gute Leute zu bekommen. Wenn es heißt, wir sollen gute Leute aus den USA holen, kostet das einiges mehr. Dass dann Rektoren nicht weniger als die eigenen Professoren verdienen, ist nicht unlogisch. Man trägt mehr an Verantwortung.
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