Ausgepfiffen? Tradition aus dem Salzkammergut auf dem Prüfstand
Bei den Vogelausstellungen werden die gefangenen Tiere in Käfigen präsentiert.
Alfred Lichtenegger, Obmann der Vogelfreunde Salzkammergut, ist wortkarg. Er möchte zum Singvogelfang im Salzkammergut gar nicht allzu weit ausführen, sagt nur: „Jeder der Vogelfreunde hat einen rechtsgültigen Bescheid von der Bezirkshauptmannschaft. An den halten wir uns.“
Die schönsten Vögel
Immer wieder sorgt die Tradition für Aufregung und Diskussionen, vor allem bei Tierschutzorganisationen. Lockvögel werden immer im Herbst in kleinen Käfigen in Bäumen platziert. Ihr Gesang soll die Artgenossen anlocken. Mit Netzkloben und Bodennetzen werden die Tiere gefangen. Im Salzkammergut wird Gimpel, Stieglitz, Erlenzeisig und dem Fichtenkreuzschnabel nachgestellt. Bis zur Vogelausstellung, die immer eine Woche vor dem 1. Adventwochenende stattfindet, dürfen die Vögel gefangen werden. Sinn ist es, die schönsten Vögel zu finden, die dann der Öffentlichkeit präsentiert werden. Danach überwintern die Tiere in Volieren, bevor sie im Frühjahr wieder ausgelassen werden. Nur die Lockvögel bleiben ganzjährig in Käfigen.
„Die Aufmerksamkeit für Tierwohl ist in den vergangenen Jahren gestiegen.“
UNESCO Kommission
Die jahrhundertealte Tradition ist seit 2010 im Verzeichnis der Immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgeführt. Das wird nun in einem offenen Brief des österreichischen Tierschutzvereins angeprangert: „Für uns passt die Tradition des Salzkammergut-Singvogelfangs nicht mehr in ein modernes Verständnis von Kulturerbe – es ist Zeit für einen Schlussstrich.“ Dieses Statement zeigt bereits Wirkung. Am 27. März tagt der entsprechende Fachbeirat das nächste Mal und wird dann die Thematik ausführlich diskutieren.
„Gesellschaftliche Haltungen ändern sich. Das werden die Expertinnen und Experten in ihren Gesprächen berücksichtigen“, sagt Martin Fritz, Generalsekretär der österreichischen UNESCO-Kommission. Wichtig sei natürlich immer, dass eine Tradition, die im Verzeichnis vertreten ist, legal ist. Im konkreten Fall des Salzkammergut-Singvogelfangs sei in den letzten Jahren auch die Aufmerksamkeit für das Tierwohl gestiegen, so Fritz.
Tierschutzvereine kritisieren Tradition des Singvogelfangs und verlangen „Schlussstrich“ .
Viele Bräuche diskutiert
Dass die Listung im Verzeichnis zurückgenommen wird, passiert tatsächlich sehr selten. Dass einzelne Bräuche kontroversiell diskutiert werden und das auch kommuniziert wird, kommt immer wieder vor. Ein Beispiel ist der Funkensonntag in Vorarlberg: Dabei wird eine Frauenpuppe verbrannt. Eine Symbolik, die vor allem in Hinblick auf die steigende Zahl an Femiziden immer häufiger für Unmut sorgt. Martin Fritz gibt zu bedenken, dass die jeweilige Tradition theoretisch aus dem Verzeichnis der UNESCO entfernt werden könnte: „Das heißt aber noch lange nicht, dass damit auch der Brauch verschwindet.“
„Alles rechtmäßig“
„Ich mache das seit 40 Jahren und habe nicht vor, damit aufzuhören“, sagt der Obmann der Vogelfreunde Salzkammergut, Alfred Lichtenegger. Der Vogelfang sei ein Brauchtum, das stark in der Region verankert sei. „Alles, was wir machen, ist rechtmäßig. Eine Demokratie muss unterschiedliche Meinungen aushalten.“
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