Rattinger will bei der EM In Birmingham ins 3000-Meter-Finale
Tobias Rattinger 2024 in Rom
Geschafft! Tobias Rattinger hat das Ticket für die Leichtathletik-EM Mitte August in Birmingham/England in der Tasche. Er wird über 3.000 Meter Hindernis an den Start gehen.
„Das war das große Saisonziel“, freut sich der 28-jährige Sportler vom LAC BMD Amateure Steyr und lässt sofort ein Aber folgen: „Die Qualifikation ist das eine, das Highlight muss dort passieren.“
Von klein auf
Zur Leichtathletik ist Rattinger früh mit Papa Helmut gestoßen, der als Marathonläufer aktiv war. „Mit ihm bin ich schon mit drei auf der Laufbahn gestanden.“ Zwischendurch hätten sich die Interessen etwas verlagert, erzählt er: „Weil man mit 15, 16, 17 lustigere Dinge zu tun hat, als zu trainieren.“ Rund um die Matura kehrte er zum Sport zurück und fand seine Spezialdisziplin. „Ich war weder besonders schnell, noch konnte ich sehr weit werfen und auch nicht weit springen“, erinnert er sich.
„Aber ich habe eine gewisse Ausdauerfähigkeit und bin koordinativ ganz gut.“ Also Hindernislauf. Er sei anfangs kein Ausnahmekönner gewesen, habe aber seine Leistung sukzessive gesteigert. „Aber dass ich einmal so gut werde, hätte ich mir nie gedacht“, blickt er zufrieden auf fünf Staatsmeistertitel und nunmehr zwei EM-Teilnahmen zurück. Vor eineinhalb Jahren schloss Rattinger das Medizinstudium in Innsbruck ab, damals klappte es mit der Aufnahme als Heeressportler nicht. Also kreierte er sein eigenes Semi-Profi-Modell: Er arbeitet tageweise in einer Hausarztpraxis und erstellt Trainingspläne für Athletinnen und Athleten. „So habe ich einen Brotberuf und kann meinen Sport finanzieren.“
Sein eigener Trainer
Obendrein ist er sein eigener Trainer. Er habe sich schon immer dafür interessiert und während des Studiums weitergebildet. „Das hat bis jetzt gut funktioniert.“ Wie lange möchte er noch aktiv bleiben? „Solange ich mich steigern und entwickeln kann“, bleibt Rattinger vage und wird sogleich konkret, „bis maximal 2028.“ Da finden in Los Angeles Olympische Spiele satt.
Vorzeigeathlet
Verbandspräsident Roland Werthner traut ihm jedenfalls zu, es dorthin zu schaffen. Rattinger habe durchaus Potenzial, seine Bestmarke noch zu verbessern. Und: „Er ist von seinem Charakter und seiner Hürdentechnik her schon ein Vorzeigeathlet“, zollt ihm Werthner hohen Respekt. Regelmäßig zieht es Rattinger nach Graz zu Freundin Stefanie Kurath (27). Die gebürtige Kärntnerin vom LC Villach hat Pharmazie studiert und ist auf der Langstrecke daheim. Über 5.000 Meter hat sie es bereits zur Staatsmeisterin gebracht. So ist es nur logisch, dass die beiden die gemeinsame Zeit nicht nur, aber auch mit Laufen verbringen. Vor zwei Jahren war für Rattinger bei der EM in Rom mit 8:44:60 im Vorlauf Schluss.
„Ich will ins Finale“
Nach Birmingham reist er mit einer Saisonbestleistung von 8:28:25 an. Seit Wochen experimentiert er im Training mit speziellen Renneinteilungen, um sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten. Das Ziel ist klar abgesteckt. Er möchte in das Finale der besten 16 laufen, sagt Rattinger: „Ich fahre nicht hin, wenn ich überhaupt keine Chance hätte.“
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