Die ÖVP blieb stärkste Kraft im Land; ihr Zuwachs fiel aber kleiner aus, als vor dem Urnengang erwartet wurde.

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Chronik Oberösterreich
12/27/2021

Polarisierendes Jahr 2021 in Oberösterreich

Rückblick: Es hat sich heuer viel getan im Industriebundesland: Es wurde gewählt, gebaut und über ein Video geschimpft.

von Petra Stacher

2021 war in Oberösterreich vor allem eines: ein Wahljahr. Am 26. September wurden nicht nur Landtag, sondern auch Gemeinderäte und Bürgermeister neu gewählt. Großer Sieger war die impfkritische Liste MFG – „Menschen Freiheit Grundrechte“.

Auffallend war dieses Jahr der doch relativ kurz gehaltene Wahlkampf. Man konzentrierte sich auf die Bewältigung von Corona; auch wenn aufgrund des Urnengangs die ein oder andere notwendige Maßnahme wohl hinausgezögert wurde. Dies sorgte – angesichts der steigenden Neuinfektionen – im Nachhinein auch für Kritik.

ÖVP klarer Sieger

Generell spiegelte sich die Unzufriedenheit mit der Corona-Politik im Land im Wahlergebnis wieder. Die ÖVP gewann zwar mit 37,61 Prozent klar. Der Zuwachs war mit plus 1,24 Prozent aber weniger als erwartet. Die FPÖ musste wiederum mit minus 10,59 Prozent herbe Verluste einstecken, SPÖ und Grüne gewannen dazu. Die Neos schafften den Einzug und schnitten dennoch schlechter ab als die impfkritische MFG, die mit 6,23 Prozent auf Anhieb die Hürde in den Landtag schaffte.

Auch sie wurden deshalb zu Gesprächen mit Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) geladen. Der verkündete schließlich im Oktober – wie erwartet – eine Fortsetzung der schwarz-blauen Landesregierung.

Seither ist es um die Koalition still geworden. Es gibt nur wenige gemeinsame Auftritte von Stelzer und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ). Grund dafür könnte die unterschiedliche Corona-Politik der beiden Bundesparteien sein.

Stadtgespräch: Video ging viral

Über kaum etwas wurde 2021 über die oö. Landesgrenzen hinweg so heißt diskutiert, wie über „Linz ist Linz“. Anfang August ging das Werbevideo von Linz Tourismus  viral.  Denn Aussagen wie: „Linz ist eine Stadt für Senioren. Altmodisch“ und „Wir sind der Underdog. Außenseiter waren bei uns immer willkommen“ provozierten – vor allem die Nerven vom Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ).

„Ich verstehe schon, dass es kreativ, anders und mit Augenzwinkern ist. Aber wenn Linz als ,bissi rassistisch’ bezeichnet wird, dann hört sich für mich das Augenzwinkern auf“, sagte Luger damals. Im August 2022 wolle er prüfen, ob das Video negative Auswirkungen auf die Nächtigungszahlen mit sich brachte.

Unter Werbeexperten gilt es übrigens durchaus für gelungen. Das Ziel sei es gewesen, Aufmerksamkeit zu erhaschen, und dies habe man jedenfalls erreicht.

Kultur: Mit "Hoch hinaus" ist es nun aus

Was 2009 im Zuge der Kulturhauptstadt „Linz09“ mühevoll aufgebaut wurde, findet nun sein Ende: Denn 2021 öffnete der „Höhenrausch“ in Linz das letzte Mal. Nun wird alles abgebaut, auch der 30 Meter hohe Turm, der schon ein fast fixer Bestandteil des Linzer Stadtbildes war.

Knapp 1,4 Millionen Besucher bestiegen ihn in den vergangenen Jahren. Für das endgültige Aus gab es zwei Gründe: Einerseits liefen die Mietverträge für Ausstellungsflächen aus, andererseits wäre die Holzkonstruktion  ab kommenden Jahr komplett zu überholen gewesen.

Verkehr: Spektakel Eisenbahnbrücke

Nach dreijähriger Bauzeit wurde mit 30. August die neue  Linzer Eisenbahnbrücke eröffnet und das mit einem großen Fest. Für Spektakel sorgte das Bauwerk aber schon zuvor, wurden doch im Frühjahr die Tragwerke – eines wiegt 2.800 Tonnen – mühevoll mit Spezialgeräten eingeschwommen und zusammengesetzt. Mittlerweile rollen täglich zahlreiche Autos und Fahrräder über die 400 Meter lange und bis zu 33,7 breite Brücke.

Eine wichtige Rolle spielt sie in Linz aber vor allem für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs: So sollen die geplanten S-Bahnen S6 und S7 künftig über die Brücke führen. Die Vorrichtungen sind dafür bereits installiert – jetzt muss also nur mehr das Öffi-Projekt umgesetzt werden.

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