Ida Berschl (links, erhöht) beim Schülerstreik am 15. März auf dem Linzer Hauptplatz

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Oberösterreich
03/31/2019

„Nein zu Billigflügen, mit dem Zug fahren“

Interview mit Ida Berschl. Nein zur dritten Piste in Schwechat, nein zum Westring, aber Ja zum kostenlosen öffentlichen Verkehr.

von Josef Ertl

Ida Berschl besucht die achte Klasse des Gymnasiums Schärding. Die 18-Jährige ist die Initiatorin der Bewegung Fridays for Future in Oberösterreich, außerdem ist sie im Alpenverein und bei den Pfadfindern engagiert. Sie hat vier Geschwister, ihr Vater ist Direktor der landwirtschaftlichen Fachschule in Otterbach, die Mutter Hausfrau.

KURIER: Ist Fridays for Future ein Aufstand der Jungen? Ida Berschl: Es sind viele Jugendliche, vor allem Schüler engagiert. Es gibt inzwischen auch Parents für Future, also Eltern, und es sind auch viele Studenten dabei. Weiters hat sich auch Scientists für Future entwickelt, das sind 23.000 Wissenschafter. Wir sitzen alle in einem Boot, deshalb sollte es ein Aufstand aller Menschen sein. Es ist ein Aufstand, weil wir widersprechen und sagen, in der Politik muss etwas unternommen werden.

Wenn man eine Umfrage durchführt, werden fast alle der Forderung zustimmen, dass das Klima geschützt werden soll. Wie soll der Klimaschutz im Detail aussehen?

Die zentrale Forderung ist, dass die globale Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzt werden soll (Pariser Klimaabkommen). Das braucht zum Beispiel den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Wir wollen keine Forderungen liefern, denn wir sind keine Experten, das sollte die Aufgabe der Politik und ihrer Berater sein.

Wenn Politiker ihre Umweltaufgaben ernst nehmen würden, müsste beispielsweise ein Teil des Linzer Stadtgebietes für den Autoverkehr gesperrt werden, weil die Grenzwerte beim Römerbergtunnel überschritten werden. Selbst Politiker wie der Grüne Umweltlandesrat Rudolf Anschober lehnen das ab. Idealerweise sollten die Autofahrer auf die abgasfreien Elektro- bzw. Wasserstoffautos umsteigen. Die Fahrzeuge sind aber relativ teuer. So manche können sich so ein Auto um 30.000 Euro nicht leisten.

Unsere Familie hat einen Renault Zoe. E-Autos sind auch nicht das Beste für die Umwelt, denn es müssen die Batterien produziert werden. Man muss die Autos weiter entwickeln. Dann können sie die Zukunft sein. Wenn sich nicht jeder ein E-Auto leisten kann, ist es Aufgabe der Politik, dafür Förderungen zu geben.

Sie treten für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ein, aber Arbeitnehmer, die vom Land in die Stadt pendeln müssen, sind oft auf das Auto angewiesen.

Deshalb sollte der öffentliche Verkehr ausgebaut werden, damit sie ihn nutzen können. Es ist mir aber klar, dass manche trotzdem auf das Auto angewiesen sind. In Luxemburg ist der öffentliche Verkehr ab 2020 gratis.

Halten Sie das auch für Österreich wünschenswert?

Ja.

Das kostet den Staat aber wesentlich mehr Geld.

Man kann Großprojekte wie die dritte Lande- und Startpiste in Schwechat oder den Linzer Westring einsparen.

Für eine gute Sache zu demonstrieren ist das eine. Das andere ist der persönliche Beitrag. Wie sehen die persönlichen Beiträge der Demonstranten aus?

Es geht uns darum, die Politik aufzuwecken. Ich glaube schon, dass die meisten der Demonstranten bewusst leben.

Es wurden bei der Kundgebung Teilnehmer in der Hauptplatzgarage gesichtet, die mit dem Auto angereist sind und über die Freistunden gejubelt haben.

Ich habe davon noch nicht gehört. Wenn das so war, finde ich es nicht so cool. Das sind Ausnahmen bzw. eine Minderheit. Viele Schulen sind klassenweise angereist und mussten teilweise auf die nächsten Züge warten, weil so viele teilgenommen haben.

Der Anteil Europas an der weltweiten Beeinträchtigung des Klimas ist relativ gering. Vertreter der Schwellenländer und China werfen dem Westen vor, auf einem hohen Lebensstandard zu leben, den auch die Schwellenländer erreichen wollen. Sie empfinden deshalb strenge Umweltvorschriften des Westens als anmaßend.

Es wäre sinnvoll, wenn China und die Entwicklungsländer das, was wir falsch gemacht haben, auslassen und gleich auf Energien der Zukunft umsteigen. Dazu kommt, dass sich der Westen auch nicht an das Klimaabkommen hält. Es wird in Oberösterreich einiges gemacht, zum Beispiel die Klimabündnisgemeinden. Aber es zu wenig. Zudem hat Europa eine Vorbildwirkung.

Sind die Jungen bereit, Abstriche in ihrer Lebensweise zu machen, damit das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden kann?

Der Klimawandel kostet den Staat bereits jetzt einiges. Er wird noch mehr kosten, denn er ist bereits Realität. Die Frage ist nicht, ob die Jugendlichen etwas zu tun bereit sind, sondern die Politik muss die entsprechenden Regelungen treffen. Ein großes Problem sind beispielsweise die Billigflüge. Das ist der Grund, warum die Menschen so viel fliegen. Wenn Fliegen teurer wird, fliegen die Menschen weniger.

Man müsste das Fliegen erheblich verteuern?

Zum Beispiel. Die Politik darf ihre Verantwortung nicht auf den Einzelnen abschieben.

Wenn Fliegen teurer wird, können es sich Einkommensschwächere nicht mehr leisten. Sie sind die Opfer.

Ich bin vergangenes Jahr mit dem Zug nach Norwegen gefahren. Ich habe für das Ticket 208 Euro bezahlt. Fliegen wäre billiger gewesen. Ich halte das aber für sinnlos. Ich muss ja nicht auf etwas verzichten, weil ich mit dem Zug fahre. Der Nachteil ist, dass es länger dauert. Wenn man das Zugfahren verbilligt, steigen die Menschen auf den Zug um. Das ist die Aufgabe der Politik.

Es gibt Politiker wie Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner, die sagen, dass es den Klimawandel zwar gibt, dass er aber nur zum Teil vom Menschen verursacht ist.

Solche Aussagen kann ich nicht ernst nehmen. 23.000 Wissenschafter sagen etwas anderes.

Die FPÖ ist auch der Meinung, die Schüler sollten Ihrer Schulpflicht nachkommen und nicht in der Unterrichtszeit demonstrieren.

Dieser Meinung ist nicht nur die FPÖ, sondern auch andere. Es ist uns wichtig, dass wir überparteilich sind. Es handelt sich um einen Schulstreik. Wenn wir das außerhalb der Schulzeit machen, ist das nicht so glaub würdig. Die Arbeiter oder Lehrer streiken auch nicht außerhalb der Arbeits- bzw. Dienstzeit, denn dann interessiert das auch keinen.

Gehen die freitägigen Streiks jetzt weiter?

Ja. Der Erlass von Minister Faßmann, dass das dann Fehlstunden sind, ist traurig, aber wir hören nicht auf zu streiken.

Wie geht Ihr Gymnasium mit den Fehlstunden um?

Bei mir ist es egal, denn ich darf in achten Klasse 30 Fehlstunden pro Jahr haben. Außerdem gibt es keine Betragensnote mehr. Die Streikzeit ist jetzt immer von von fünf vor 12 bis 14 Uhr. Die Schulen hören normalerweise um 13 Uhr mit dem Unterricht auf.

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