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Lokalgeschichte wirft lange Schatten

Die Rainbacher Spiele warten mit einer Premiere auf: Friedrich Ch. Zauners Romanepos „Das Ende der Ewigkeit“ wird auf die Bühne gebracht. Von Gerhard Marschall.
Rainbacher Spiele

In Rainbach bei Schärding, 1.600-Einwohner-Ort des engagierten Sommertheaters im Innviertel, wird Neues gewagt. Es wird der ambitionierte Versuch unternommen, Friedrich Ch. Zauners vierbändigen Romanzyklus „Das Ende der Ewigkeit“ theatralisch umzusetzen.

„Diese Literatur preist und verdammt die Heimat nicht, sie entdeckt sie“, hat der Salzburger Autor Karl-Markus Gauß seinerzeit Zauners Epos gelobt. Jetzt sei er neugierig, lässt er wissen, „wie die Dramatisierung die kantigen und widersprüchlichen Charaktere auf die Bühne bringen wird“. Dass diese auch bühnentauglich seien, liege auf der Hand. Der Herausforderung, rund eintausend Romanseiten in eine Spielfassung zu übersetzen, stellte sich Babett Arens. Sie führt auch Regie. Dieses vielschichtige, facettenreiche und präzise Werk könne nicht an einem Abend erzählt werden, sagt Arens. Darum werden heuer unter dem Titel „Im Schatten der Maulwurfshügel“ die ersten beiden Teile aufgeführt, in denen die Zeit vom Silvesterabend 1899 bis 1917 abgehandelt wird. Die Fortsetzung bis 1938 folgt im nächsten Jahr.

Am Rande des Sauwalds

Der Rainbacher Zauner kannte den hügeligen Landstrich, der sich zum mächtigen Sauwald hinaufzieht. Und er kannte die Menschen. Seine Schilderung ist präzise und unerbittlich, jedoch keine Abrechnung, schon gar keine Vernichtung. Er habe, sagt Arens, ein ganzes Dorfpanorama mit ganz klar gezeichneten Hauptfiguren und einigen wundersamen Nebenfiguren gezeichnet. Erzählt wird eine Geschichte von unten her: Das harte Leben einfacher Menschen in den fiktiven Dörfern Thal, Oed und Fegfeuer ist geprägt von Armut, Alkohol, Gewalt und festen gesellschaftlichen Hierarchien. Der Zufall der Geburt spielt dabei eine schicksalhafte Rolle. „Beim ersten Schrei ist einem Thaler sein Leben vorgezeichnet“, heißt es bei Zauner. „Sein Rang, seine Stellung in der Gemeinde, der Beruf, die Auswahl des Ehepartners, die Anzahl der Kränze auf seinem Sarg.“

Eine "unebene" Zeit

 Die Rainbacher Spiele verlassen heuer die Tradition, ein Stück aus Zauners Bibelzyklus aufzuführen. Zugleich wird der vom Schriftsteller und dessen Frau Roswitha errichtete Theaterstadel für andere Genres geöffnet. Zurzeit wird in der stimmungsvollen Spielstätte die aufwendige Produktion mit 18 DarstellerInnen, acht Sängerinnen und drei MusikerInnen eifrig geprobt. Matthias Deger hat in seine Kompositionen zum Stück traditionelle Melodien aus der Region einfließen lassen. Zauners eindrucksvolle Sozialgeschichte am Vorabend zweier Weltkriege wirft lange Schatten bis ins Heute: „Es ist eine unebene Zeit“, schreibt er. „An allen Ecken und Enden rumort es. Die Leute reden auf einmal nicht mehr miteinander, sie schreien sich an.“

Rainbacher Spiele

„Im Schatten der Maulwurfshügel“ Premiere: Donnerstag, 18. Juni, 19 Uhr. Weitere elf Aufführungen bis einschließlich 5. Juli, jeweils Donnerstag bis Sonntag. Dauer: drei Stunden (halbstündige Pause). Eintritt: € 35/€ 30; 20 Prozent Gruppenermäßigung (ab 20 Personen). Information und Tickets: www.rainbacher-spiele.at

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