Krise in der Papierindustrie: Laakirchen drosselt die Produktion

Mann im Anzug steht in einer Produktionshalle
In der oberösterreichischen Papierfabrik wird Teilzeit gearbeitet. Die Belegschaft trägt die Maßnahmen mit.

Von Karl Leitner

Die Papierfabrik Laakirchen reagiert mit drastischen Maßnahmen auf Wettbewerbsdruck, Rezession und hohe Strompreise: Die Produktion am Standort wurde gedrosselt; ein Großteil der Belegschaft arbeitet seit Anfang Oktober Teilzeit.

Zusätzlich wurde ein großes Ausbauprojekt verschoben. „Wir müssen überall sparen – das betrifft nicht nur die Personalkosten“, sagt Sebastian Heinzel, CEO von Heinzelpaper mit den Papierfabriken Laakirchen, Steyrermühl, Pöls (Steiermark) und Kunda (Estland).

Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, aber notwendig gewesen. Umso mehr schätze er, dass sie von Belegschaft und Betriebsrat mitgetragen werde, so Heinzel. Er kritisiert die Politik: Das Standortsicherungsgesetz gleiche die hohen Unterschiede bei den Stromkosten gegenüber deutschen Mitbewerbern nicht ausreichend aus. Diese produzieren mit bis zu 50 Prozent günstigeren Stromkosten – bei teilweise gleichen Absatzmärkten bzw. Kunden. Heinzelpaper hat gerade erst den Standort Laakirchen mit großem Aufwand modernisiert.

Karton nachgefragt

So wurde die 2002 installierte Papiermaschine 11 mit Investitionen von 140 Mio. Euro von Magazin- bzw. Katalog- auf Wellpappepapier umgestellt – eine Reaktion auf die seit Beginn der 2020er-Jahre anziehende Nachfrage nach Kartons vor allem aus dem Onlinehandel. Großer Abnehmer ist auch die Autoindustrie bzw. deren Zulieferer.

Papierdruckmaschine

Papiermaschine PM 11: Produktion von  rund 1.100 Tonnen Wellpappepapier täglich.

Das Kartonpapier aus Laakirchen wird an Kunden im Umkreis von 500 Kilometern geliefert. Auf der PM 11 werden täglich 1.100 Tonnen Kartonpapier produziert. Zusammen mit der zweiten Maschine am Standort, der PM 10, könnten 900.000 Tonnen produziert werden – wenn es die Auftragslage erlauben würde.

In Steyrermühl betreibt Heinzelpaper eine Papiermaschine für weißes und braunes Kraftpapier. Die das dritte Jahr andauernde Rezession verzögert eine Großinvestition: Ein ursprünglich mit 400 Millionen Euro veranschlagtes Ausbauprojekt in eine Energieversorgung beider Standorte wurde zuerst gekürzt und „jetzt vollständig aufgeschoben“, so Laakirchen-CEO Thomas Welt.

Auch Führungskräfte verzichten auf Gehaltsanteile

Gemeinsam mit den Teilzeitlösungen, die für den Großteil der 685 Angestellten und Arbeiter in Einzelvereinbarungen ausgehandelt wurden, soll damit die derzeitige Situation bewältigt werden. Auch Führungskräfte müssen auf Gehaltsanteile verzichten. „Wir sind sehr froh, dass wir eine Belegschaft haben, die sich inklusive der Arbeitnehmervertreter sehr für den Standort einsetzt – ich weiß nicht, ob das in jedem Unternehmen so möglich wäre“, sagt Heinzel im KURIER-Gespräch.

Er schätzt „den Konsens darüber, dass jetzt alle zusammenhelfen müssen.“ Die Branche sei extrem zyklisch – es würden auch wieder bessere Zeiten kommen, so Heinzel. Heinzelpaper beschäftigt 360 Mitarbeiter in Laakirchen, 325 in Steyrermühl sowie 2.900 in der Gruppe. Der konsolidierte Umsatz des Standortes Laakirchen wird für 2024 mit 352,3 Millionen Euro angegeben. In der Gruppe liegt er bei 2,16 Milliarden Euro. Größte Umsatzbringer sind Heinzelsales (Vertrieb) mit 835,8 und Europapier (Großhandel) mit 636,5 Millionen Euro.

Paper airplane flying

Die Produktion von Papier ist intensiv und teuer.

Standort Österreich: Mit Know-how gegen die Krise

Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie mit 23 Betrieben und 7.560 Beschäftigten steht unter Druck. Hohe Energie- und Arbeitskosten und schwache Konjunktur setzen den im internationalen Wettbewerb (Exportquote 87 Prozent) stehenden Betrieben zu. 2024 stieg zwar der Branchenumsatz um 7,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro – im Jahr zuvor fiel er aber um 22 Prozent.

Die Antwort der Betriebe, darunter namhafte Unternehmen wie Heinzelpaper, Mondi und Sappi ist klar: Man will mit Know-how und hohen Umweltstandards punkten. Bei Wasserschutz, erneuerbaren Energien und Altpapier-Einsatz liegt Heinzel etwa im europäischen Spitzenfeld.

Doch auch die Kooperation der Mitarbeiter ist in diesen Zeiten viel wert: Durch Teilzeitarbeit (mit weniger Verdienst) wird vermieden, dass hoch qualifizierte Mitarbeiter für die Zeit nach der Krise verloren gehen. Viele Branchenplayer haben Fabriken in OÖ: Heinzelpaper, Smurfit Nettingsdorfer, Lenzing AG, delfort, Tann Group und Merckens.

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