Jeder Mensch braucht einen Seppy
Genauer gesagt waren es Jugendliche, also schon größere Kinder. Sogar ein paar Erwachsene waren dabei. Was ich dort verloren hatte? Nichts hatte ich verloren, ich habe sogar etwas gewonnen: die Erfahrung, dass das Puppenspielen auch größeren Leuten noch Spaß machen kann.
Anfangs waren alle etwas vorsichtig und wussten nicht so recht, was sie mit mir anfangen sollten. Aber als ich dann begann, aus meinem langen Puppenleben zu erzählen, haben alle gespannt zugehört. Das hat mich schon überrascht. Und über mich selber war ich noch mehr überrascht, denn ich wusste gar nicht, dass in meinem Puppendasein schon so vieles passiert war: Gutes, Schönes, Spannendes und oft auch etwas Nachdenkliches. Doch dann wurde ich selbst ganz nachdenklich, als ich jemanden sagen hörte: „Jeder Mensch braucht einen Seppy.“
Was tu’ ich denn schon?
Das hätte mich sicher vom Sessel gehauen, wenn ich auf einem gesessen wäre. So aber war ich einfach nur erstaunt. Was tu’ ich denn schon? Ich erzähle von der Natur, von Freundschaft, vom Zusammenhalten, vom gegenseitigen Verstehen, vom Trösten und Mutmachen – und schlussendlich auch von Liebe. Von bedingungsloser Liebe.
Aber vielleicht ist es genau das, warum es einen Seppy braucht. Einen, der neugierig bleibt, der Fragen stellt. Der manchmal frech ist und manchmal gescheit, oft beides gleichzeitig. Einen, der daran erinnert, dass man lachen darf, auch wenn nicht alles lustig ist. Und dass jeder Mensch liebenswert ist – ganz egal, wie oder wer er ist. So gesehen braucht wirklich jeder Mensch einen Seppy.
Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters.
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