Herr Edelbert, der Kaktus
Seppy bewundert die Blüte des Kaktus
Die Palme und der Gummibaum stöhnen vor sich hin, die Orchideen sind schon längst in Ohnmacht gefallen. Nur Herr Edelbert scheint sich in der sengenden Hitze wohlzufühlen.
Wir nennen ihn so, weil wir einmal jemanden gekannt haben, der genauso dick und kugelrund, ein bisserl stur und manchmal etwas stachelig war. So wie unser Herr Edelbert, der ist nämlich – ein Kugelkaktus.
Der Kaktus lächelte mich an
Heute wollte ich ihn besuchen und fragen, warum er die Sonne und die Hitze gar so gern mag. Aber die Überraschung war groß. Mitten auf seinem stacheligen Kopf leuchtete eine große, wunderschöne Blüte. Soll ich euch was sagen? Ich hab’ gar nicht gewusst, dass ein Kaktus lächeln kann, aber Herr Edelbert tat es gerade. Er lächelte mich an, so breit und stolz, dass sich seine Stacheln in alle Richtungen verbogen. Diese Blüte war wie ein Wunder! Warum sie so selten zu sehen ist, wollte ich wissen. Herr Edelbert antwortete: „Für diese Blüte braucht es eine Menge Kraft und Geduld. Während viele glauben, bei mir passiert nichts, sammle ich in aller Ruhe das, was ich für diesen einen, ganz besonderen Moment brauche.“
Ja, das stimmt! Von außen sieht man oft nicht, was im Inneren eines Wesens vorgeht. Aber was meinte er nur mit diesem besonderen Moment? Da flüsterte mir die Blüte zu: „Ich bin nur für heute da.“ Herr Edelbert lächelte wieder und sagte ganz ruhig: „Manchmal reicht es, ein ganzes Jahr lang Kraft zu sammeln – für einen einzigen schönen Tag.“
Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters.
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