Fast ein Drittel der tödlichen Unfälle entsteht durch Ablenkung.

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Oberösterreich
09/21/2020

Handy: Große Ablenkung beim Lenken

Telefonierende Fahrer begehen um 40 Prozent mehr Fahrfehler. Land OÖ will Bewusstsein stärken.

von Petra Stacher

Schnell einmal die runtergefallene Sonnenbrille von der Fußmatte aufheben, oder die gerade empfange Textnachricht am Handy öffnen und womöglich auch gleich beantworten – und das alles, während man ein Auto lenkt. Oberösterreichs Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) warnt am Montag bei einer Pressekonferenz vor solchen Aktionen, denn: Diese können tödlich enden, ist Ablenkung doch die häufigste Unfallursache im Straßenverkehr.

Im Vorjahr verunglückten 87 Personen auf Oberösterreichs Straßen tödlich. 26 davon – fast ein Drittel – weil jemand abgelenkt war. Die „Top 10“ der Ablenkungen führen heruntergefallene Gegenstände an, danach folgt gleich das Handy mit Telefonieren und Nachrichten schreiben. Auch das Bedienen von Navigationsgeräten oder Essen und Trinken am Steuer können tragische Folgen haben.

Am gefährlichsten ist laut Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, eine sogenannte Melange: „Oft sind Personen abgelenkt und fahren gleichzeitig mit überhöhter Geschwindigkeit. Das sind gefährliche Mixturen“, sagt er. Es sei ein Irrglaube, dass Menschen beim Autofahren multitaskingfähig seien.

Höhere Strafen gefordert

Denn nur wenige Sekunden reichen, um Leben zu riskieren: Fährt man laut Studie etwa 130 Kilometer pro Stunde und ist dabei abgelenkt, ist man pro Sekunde 36 Meter „blind“ unterwegs. Bei drei Sekunden ergibt das mehr als ein Fußballfeld.

Österreichweit schätzt man, dass pro Jahr auf diese Weise etwa 5,5 Millionen Kilometer im „Blindflug“ zurückgelegt werden. Fahrer, die telefonieren, begehen demnach um 40 Prozent mehr Fahrfehler, womit Unfälle vorprogrammiert scheinen. Thann appelliert deshalb an die Gesellschaft: „Das Autofahren darf nicht zur Nebenbeschäftigung werden.“

Zur Risikogruppe würden vor allem junge Leute zählen. Seit Jahren bietet das Land Oberösterreich deshalb in Schulen kostenlose Workshops an, um bei 15 bis 19-Jährigen das Bewusstsein zu stärken. Auch eine neue Kampagne, die Anfang Oktober startet, soll Autofahrer dazu bewegen, sich ausschließlich auf die Straße zu konzentrieren.

Zudem wird gefordert, die Strafe für das Missachten des Handyverbots anzuheben. „Derzeit zahlt man 50 Euro. Wir wollen, diese Strafe auf bis zu 90 Euro erhöhen“, sagt Peter Aumayr, Leiter der Verkehrsabteilung des Landes Oberösterreich. Auch solle man sich ein Beispiel an anderen Ländern nehmen und Handy-Nutzung am Steuer zum Vormerkdelikt machen.

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