Hallo, wie geht’s?
Seppy wartet mit einem Blumenstrauß auf
Meist ist das aber gar keine echte Frage, sondern – wie sagt man dazu? – ah, eine Floskel! Und die Antwort lautet wahrscheinlich dann: „Danke, gut!“ Und das wär’s dann auch schon. Sagt aber jemand: „Mir geht es nicht gut, weil …“, dann wird’s schwierig, und man versucht, das Gespräch gleich wieder zu beenden. Ich habe kürzlich einen alten Freund getroffen und natürlich gefragt: „Hallo, wie geht’s?“ Was war ich erstaunt, als er ganz ruhig antwortete: „Ich bin zufrieden.“ Warum ist er zufrieden? Ist etwas Besonderes passiert? „Zufrieden“ klingt ja noch schöner als „gut“, es klingt beinahe spannend. Und am liebsten hätte ich gefragt: „Warum bist du zufrieden?“ Aber das traute ich mich dann doch nicht. Also wartete ich auf eine Erklärung, aber die kam nicht. Mein Freund schaute mich nur an und lächelte – zufrieden.
Er ist mit sich im Reinen
Unsere Omama würde jetzt wohl sagen: „Der ist mit sich im Reinen.“ Und jetzt verstehe ich endlich, dass das nichts mit Händewaschen oder so zu tun hat. Es bedeutet, dass man alles so nimmt, wie es ist. Nicht, weil die Welt immer perfekt ist, sondern weil man das Beste daraus macht, dankbar auf das schaut, was da ist, und mit dem zurechtkommt, was sich gerade nicht ändern lässt. Wenn mich also demnächst jemand fragt: „Hallo, wie geht’s?“, dann werde auch ich antworten, „Ich bin zufrieden“. Und wenn ich dann sein Gesicht sehe, denk ich mir: „Ha! Jetzt hast du was zum Grübeln.“ Und vielleicht wird aus einer Floskel ja doch noch ein gutes Gespräch.
Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters
Kommentare