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Gurkerl-Bauer klagt: „In Österreich ist alles strenger, teurer und überbordender“

Die Zahl der Eferdinger Gurkerl-Lieferanten ist in 30 Jahren von 400 auf 12 gefallen. Bei den Lohnkosten sind sie selbst mit den deutschen Bauern nicht wettbewerbsfähig. Von Karl Leitner.
Alfred Aichinger

Er erntet jährlich mehrere Hundert Tonnen kleine Gurken, die zu Essiggurken veredelt werden: Alfred Aichinger, Bauer in Hartkirchen im Eferdinger Becken, wo rund 80 Prozent der in Österreich pro Jahr geernteten 8.200 Tonnen Gurken wachsen. 

Aichinger liefert an Efko und ist einer von 130 Genossenschaftern des Frisch- und Sauergemüseverarbeiters. Tauschen möchte er nicht, aber in manchen Bereichen drückt der Schuh immer stärker: „Wir wollen die Gurkerl-Produktion erhalten, aber wir wollen wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Aichinger im KURIER-Gespräch. Was ihn aufregt, sind ungleiche Bedingungen bei der Produktion: Sei es beim Herbizideinsatz, den Produktions- und Energiekosten, der Bürokratie – alles sei in Österreich strenger, teurer bzw. überbordender als im Ausland. 

Essiggurkerl

Und von dort kommen immer mehr Gurken, wie der Verband „Wirtschaften am Land“ (WAL) vorrechnet: 2025 lag der Selbstversorgungsgrad in Österreich bei 56 Prozent – Tendenz sinkend. Fast die Hälfte aller in Österreich konsumierten Essiggurken – 2025 waren es 13.000 Tonnen – kommen bereits aus anderen Ländern – aus Osteuropa, der Türkei und sogar aus Indien. Hatten die oö. Gemüsebauern beim EU-Beitritt vor 30 Jahren noch 80 Prozent Marktanteil in den Regalen, sind es nunmehr 50 Prozent. Damals gab es 400 Gurken-Lieferanten – jetzt sind es zwölf. Aichinger stößt sich besonders an den Lohnkosten: Sie liegen rund fünf Euro für eine Stunde über dem deutschen Mitbewerb, der direkt über der Grenze im Innviertel riesige Anbauflächen hat. Bei Essiggurken mit rund 2.800 Arbeitsstunden pro Hektar betrage der Lohnkostennachteil von Gurkenbetrieben in OÖ gegenüber Deutschland mindestens 14.000 € pro Hektar Anbaufläche, so WAL-Obmann Robert Pichler. 

45 Saisonmitarbeiter aus der Ukraine

Aichinger bezahlt seine 45 Mitarbeiter, die zur Erntezeit in den Gurkelbombern arbeiten, nach Kollektivvertrag – das sind 1.853 Euro pro Monat. Fast alle kommen aus der Ukraine. Aichinger: „Dazu kommen bei uns Lohnnebenkosten, die in Deutschland entfallen“. Grund ist eine deutsche Ausnahmeregelung für Erntearbeiter: Sie dürfen 115 Tage in Deutschland arbeiten, ohne dass sie sich versichern müssen. Das bleiben sie in dieser Zeit in ihrem jeweiligen Heimatland. Eine Schieflage, die auch Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer, stört. „Wir kicken uns selbst aus der Produktion“, sagt er.

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