Gasselsberger über das Marathon-Laufen: „Das Wichtigste ist die Konsequenz“

Konsequentes Arbeiten an den Zielen im Beruf und beim Laufen charakterisieren Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger.
Franz Gasselsberger

Franz Gasselsberger feiert heute seinen 67. Geburtstag. Und er läuft heute in Linz seinen letzten Halbmarathon als Generaldirektor der Oberbank. Ende des Jahres übergibt er an seinen Nachfolger Martin Seiter.

KURIER: Warum laufen Sie?

Franz Gasselsberger: Ich spüre, dass sich durch das Laufen und damit verbundene Gymnastik das körperliche und seelische Wohlbefinden verbessert. Es geht mir wie dem Sisyphus, der versucht, den Stein nach oben zu transportieren. Kaum war er oben, ging das wieder von vorne los. Laufen macht mir Freude, es tut mir gut, es werden Glückshormone ausgeschüttet.

Ich mache das seit meinem 18. Lebensjahr. Ein Freund musste die Aufnahmsprüfung für das Sportstudium in Salzburg machen. Die Aufgabe war, fünf Kilometer in 23 Minuten zu laufen. Er lud mich ein, ihm im Training zu helfen. Nach den beiden ersten Läufen habe ich mir gedacht, das werde ich nie mehr machen. Ich bin aber hängen geblieben. Als ich dann in Salzburg Jus studiert habe, habe ich gemerkt, dass ich für die langen Lerneinheiten einen Ausgleich benötige. Da bin ich draufgekommen, dass Laufen so einen positiven Effekt hat.

So bin ich immer dabei geblieben. Man hat natürlich Tiefs, Verletzungen, man glaubt, es geht nicht mehr. Ich habe Gott sei Dank immer wieder den Weg zum Laufsport zurückgefunden.

Wie viel laufen Sie im Schnitt?

In der Woche laufe ich sehr konsequent rund 50 Kilometer. Ich versuche, hier verschiedene Reize zu setzen. Ich habe vergangene Woche zwei lange Läufe absolviert.

Wie lange waren sie?

18, 19 Kilometer. Dann war noch ein Intervall-Lauf mit 12 km/h dabei. Dazu kommen Erholungseinheiten, zum Beispiel von 45 Minuten. Die Trainingseinheiten sind von Woche zu Woche unterschiedlich, auf eine intensive Woche folgt eine leichtere. Bei der Vorbereitung für den Halbmarathon muss man den Körper an längere Einheiten gewöhnen, im Herbst und im Winter gibt es auch Intervalltraining. Ein älterer Herr braucht auch eine gewisse Grundgeschwindigkeit, damit die Zeitziele erreicht werden können.

Franz Gasselsberger

Gasselsberger beim Training im Donaupark hinter dem Brucknerhaus.

Das Wichtigste ist die Konsequenz und damit einhergehend die Dehnung und Kräftigung. Mein Glaube an diese Kombination ist unerschütterlich. Laufen alleine ist zu wenig, man muss auch auf das Dehnen und Kräftigen setzen.

Sie laufen in den vergangenen Jahren stets den Halbmarathon, zwei Mal sind Sie den Marathon gelaufen. Warum haben Sie den Marathon gelassen?

Der dafür notwendige Trainingsumfang ist zu aufwendig. Neben meiner Arbeit schaffe ich das zeitlich nicht. Ich mache meine Trainingseinheiten in der Früh, um 5.30 oder 6.30 Uhr. Als 55-Jähriger hatte ich hartnäckige Verletzungen. Wenn ich da noch zusätzliche Reize gesetzt hätte, hätte ich das körperlich nicht geschafft. So habe ich mir gedacht, Halbmarathon ist für mich ideal.

Wenn man älter wird, wird man langsamer. Trotzdem ist Ihr Ehrgeiz ungebrochen. Warum?

Viele erzählen eine Geschichte, welch’ tolle Hechte sie einmal gewesen sind. und bringen das durch Zeiten zum Ausdruck, die sie vor 20, 30 Jahren gelaufen sind. Das Entscheidende ist aber das Hier und Jetzt. Heute, an meinem 67. Geburtstag, bin ich in der Lage, einen ordentlichen, vernünftigen Halbmarathon zu absolvieren. Ich messe mich mit Gleichaltrigen und niemand anderem. Das ist mein Ziel.

„Bin exponiert“

Ich weiß, dass ich exponiert bin. Das bringen mein Beruf und meine Funktion mit sich. Die erste Frage, die mir der Koch, die Mitarbeiter, die Leute der Werbeabteilung stellen, ist die nach der Zeit. Auch Leute, die vom Laufen überhaupt nichts verstehen. Ich bin da schon einer gewissen Erwartungshaltung ausgesetzt. Dann setzt man sich halt ein Ziel. Ich will mir in die Augen schauen und sagen können, ich habe mich bestmöglich vorbereitet. Ich war zeit meines Berufslebens ein großer Vorbereiter. Auf Pressekonferenzen, Aufsichtsratssitzungen, Hauptversammlungen. Dann habe ich mir gesagt, es mag kommen, was kommt, es liegt alles in Gottes Hand.

Heute, am 12. April habe ich den Ehrgeiz mir zu beweisen, dass man auch mit 67 Jahren noch einen ordentlichen, vernünftigen Halbmarathon laufen kann.

Sie sind ein harter Trainierer. Welcher Mensch geht schon freiwillig um 5.30 Uhr trainieren? Warum machen Sie das?

Es geht zeitlich einfach nicht anders. In einem Berufsleben ist es entscheidend, dass man über ein entsprechendes Zeit- und Selbstmanagement verfügt. Man muss sich selbst bestmöglich organisieren, klare Prioritäten setzen, was ist wichtig, was ist dringend, was ist wichtig und dringend. Es war für mich immer wichtig und dringend, diese Trainingspläne, die mir mein Freund Gerhard Hartmann seit 15 Jahren vorbereitet, umzusetzen. Ich habe alle Trainingspläne erfüllt. Das ist Konsequenz. Konsequenz im Berufsleben und im Sport sind zwei Seiten derselben Medaille. Wenn man im Sport konsequent ist, ist man auch im Beruf konsequent. Und umgekehrt. Das ist eine Eigenschaft, die man hat oder nicht. Die Geschichte der vermeintlichen Sportler, die teure Laufschuhe kaufen und nur ein- oder zweimal anziehen, ist bekannt.

Sie gehören dazu.

Das glaube ich nicht.

Aber Sie haben viele Laufschuhe.

Ja, ich habe viele Laufschuhe (lacht).

Wie viele haben Sie?

(lacht laut)

Ich weiß, dass Sie immer die neuesten Modelle haben.

Bei den Laufschuhen habe ich keinen Engpass.

Das leisten Sie sich.

Das macht mir eine Freude. Laufschuhe habe ich mehr als genug. Der Händler, bei dem ich Kunde bin, hat mit mir eine richtige Freude.

Bleiben wir beim Thema Konsequenz. Sie sind auch sehr konsequent und diszipliniert beim Essen beziehungsweise Nichtessen. Sie sind ganz schlank.

Ich habe festgestellt, dass man mit zunehmendem Alter weniger Kalorien benötigt. Ich muss aufpassen, dass ich bei intensiven Trainingseinheiten nicht zu wenig esse.

Warum? Schmeckt Ihnen das Essen nicht?

Kürzlich habe ich beim Laufen 1.600 Kalorien verbrannt. Dadurch komme ich auf einen Gesamtumsatz von 3.500 Kalorien. Dazu kommt noch eine Stunde Gymnastik. Es ist nicht so, dass es mir nicht schmeckt, aber es tritt relativ schnell ein Sättigungsgefühl ein und ich esse nur das, wozu ich Lust und Hunger habe. Mehr nicht. Es ist wichtig, dass man auch beim Essen konsequent und diszipliniert ist.

Sie gehen gerne Bergsteigen und Sie arbeiten auch gern im Wald. Was ist beim Laufen anders im Vergleich zu anderen Hobbys?

Es werden unterschiedliche Muskelgruppen beansprucht. Ich laufe meist alleine, da bin ich mit mir selbst unterwegs. Beim langen Lauf fällt mir viel ein, ich denke viel nach. Bergsteigen gehe ich meistens mit meiner Frau, das auch schon seit vielen Jahren. In den Wald zu gehen und mit der Motorsäge zu arbeiten belastet eher den Oberkörper. Das ist eine ganz andere körperliche Betätigung, aber das Ergebnis ist immer das Gleiche. Wenn man eine Laufstrecke von 10, 15 km absolviert hat und ist in einen guten Flow gekommen, ist das etwas unglaublich Befriedigendes.

 Wenn man am Berg oben steht, und ins Tal schaut oder andere Gipfel bewundert, und das gemeinsam mit jemand anderem erleben kann, ist das auch etwas Erhebendes. Die Arbeit im Wald kenne ich von Kindes Beinen an. Da verbindet man auch so viele Erinnerungen an die Jugend und an die Eltern. Wir sind von Jugend an angehalten worden, dem Vater im Wald zu helfen. Man erlebt, wie sich die Wälder und die Natur verändern. Sich beim Aufforsten vorzustellen, was in 15 Jahren sein wird, ist auch wunderbar.

Warum laufen Sie alleine? Sie laufen nie in der Gruppe. Sie nehmen auch am Vorbereitungstraining der Oberbank für den Marathon nicht teil.

Ich bin die ganze Woche mit vielen Leuten zusammen. Ich muss viel kommunizieren. In der Reizüberflutung habe ich das Bedürfnis, alleine mit mir selbst zu sein. Ich will meine Ruhe haben.

Was war Ihr bester Lauf?

Ich sage jetzt nicht, es war meine beste Halbmarathonzeit, als ich als 26-Jähriger eine Stunde 26 Minuten gelaufen bin. Oder eine Stunde 34 Minuten in meinen frühen 50er-Jahren. Eigentlich freuen mich die Vorbereitung und das Trainieren mehr als der Wettkampf selbst. Wenn ich von meinem Büro auf meine Trainingsstrecke schaue, die 2,4-km-Speedrunde (vom Linzer Eisstadion bis zum Lentos, vorbei an der Rückseite des Brucknerhauses), wo ich jeden Meter kenne, wo ich manchen Kilometer schneller und manchen langsamer laufe, und ich noch sieben, acht Kilometer unter vier Minuten 50 Sekunden pro km laufen kann, dann ist das für mich ein erhebendes Gefühl. Dann sage ich, Franz, du bist in Wahrheit noch immer gut.

Sie treten Ende des Jahres als Generaldirektor ab. Sie haben noch mehr Zeit zu trainieren. Werden Sie das tun?

Ich weiß es nicht. Ich werde in Zukunft so wie bisher meine verschiedensten Interessen ein bisschen mehr pflegen. Vielleicht komme ich mehr zum Jagen als bisher, ein bisserl mehr dazu, den Wald zu pflegen, ein bisserl mehr Laufen als bisher, vielleicht fahre ich das eine oder andere Mal mehr zu meiner Tochter nach England. Viel von dem, was ich jetzt mache, mache ich um ein Quäntchen mehr.

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