Er ist 20, sie ist 80 – aber es ist Liebe!
Vincent Gebesmair als Harold und Birgit Zamulo als Maude.
Der Salzburger „Jedermann“ mag eine traditionelle und spektakuläre Auseinandersetzung mit den existenziellen Themen wie Endlichkeit und Tod sein. Doch um diesen Fragen dramaturgisch-subtil gerecht zu werden, braucht es keinen nackten Mann, keine laszive Frau und keinen Domplatz. Das beweist jetzt der Kultur.Park.Traun mit seinem Sommerstück „Harold und Maude“ nach dem gleichnamigen Kultfilm aus dem Jahr 1971.
Die Inszenierung von Heidelinde Leutgöb beginnt mit einem starken Theatereffekt. Der Vorhang öffnet sich und von der Bühnendecke hängt der etwa 20-jährige Harold (Vincent Gebesmair) an einem Seil! Es war wieder eine der vielen Selbstmord-Inszenierungen von Harold, der am liebsten seine Zeit bei Begräbnissen auf dem Friedhof oder in der Kirche verbringt. Die dominante Mutter (Katharina Bigus), ein weibliches Über-Ich par excellence, hat keinerlei Verständnis für ihren Sohn, im Gegenteil, sie schickt ihn zum Psychiater (Christian Lemperle), der sich als völlig ratlos erweist, und organisiert ihm Dates (Julia Augscheller), die er im wahrsten Sinn des Wortes „blutig“ vermasselt. Eines Tages allerdings führt der Zufall Regie. In der Kirche trifft Harold auf die fast 80-jährige Maude (Birgit Zamulo), die – nicht zufällig in knallrotem Kleid mit roten Glitzerschuhen – Chips essend im Gotteshaus sitzt und das Leben genießt.
Zwei Welten
Nicht nur zwei unterschiedliche Menschen treffen sich, zwei Welten prallen aufeinander. Harold, verschlossen und in sich gefangen, Maude, die sich „eine Welt schafft, wie ich will“. Auch wenn sie dabei unkonventionelle Wege geht, mit dem Vorsatz, „auf allzu viel Moral zu verzichten“. Was den ermittelnden Polizeibeamten (Michael Kuttnig) naturgemäß verzweifeln lässt. Doch das Wunder geschieht. Bei Maude findet Harold einen Weg aus sich selbst, aus dem Gefangensein in seinen Todesfantasien, einen Weg zurück ins Leben. Er erschrickt regelrecht, dass er Gefühle hat, interessiert sich für Maude’s „biologisch-dynamisches“ Lebenskonzept, beginnt zu tanzen, zu singen und schlägt Purzelbäume. Es entwickelt sich eine Beziehung, die in Liebe mündet. Harold will Maude heiraten, was den Pfarrer (Christian Lemperle) im Hinblick auf den zu erwartenden „Vollzug der Ehe“ in Ohnmacht fallen und Harolds Mutter durchdrehen lässt. Berührende Liebesszenen zwischen Harold und Maude sind von Heidelinde Leutgöb mit gut in Szene gesetzt.
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