Einfach nur zu sein
Seppy genießt die Sonne
Na ja, eigentlich nicht überall, denn viele junge Leute haben sich zum ersten Mal dazu entschlossen, in den Ferien zu arbeiten. Anstatt auszuschlafen, stehen sie schon ganz in der Früh auf, um nur ja nicht zu spät zum Arbeitsplatz zu kommen. Ferialjob nennt man so was. Andere packen ihre Siebensachen und verbringen eine Woche mit Sport, Spiel und viel Bewegung. Das nennt sich Sportcamp. Dann gibt’s Sommertheater und ... und ... Also ganz schön viel zu tun überall.
Ohne schlechtes Gewissen
So gesehen tun die wenigsten einfach – nichts. Da müsste ich ja direkt ein schlechtes Gewissen haben. Denn ich gehöre zu denen, die nichts tun, wirklich nichts. Ich liege nur herum, lasse die Zeit vergehen und fühle mich irgendwie überflüssig. Das hätte ich aber nicht denken sollen! Denn unsere Omama kann Gedanken lesen. So wie alle Puppen halt. Und wenn sie ihr Gesicht verziehen könnte, würde sie jetzt streng dreinschauen. „Seppy“, sagt sie, „man braucht nicht immer zu funktionieren. Manchmal genügt es, so zu sein, wie man ist. Nicht jede Pause braucht einen Grund. Nicht jeder Augenblick braucht eine Aufgabe.“
Na ja, dann lege ich mich jetzt einfach wieder in die Wiese und lasse die warme Sonne auf mich scheinen. Ich hör’ den Vögeln beim Zwitschern zu und den Bienen beim Summen, oder ich schau’ einer einzelnen Wolke nach, die langsam über den Himmel zieht. Und ich habe nicht mehr das Gefühl, überflüssig zu sein. Wahrscheinlich muss man nicht dauernd etwas leisten. Oft reicht es, einfach nur zu sein, wie man eben ist. Das ist gar nicht so wenig.
Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters
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