Ein Drittel der Moore von Austrocknung bedroht
Mit Holzwänden wird versucht, das Wasser in den Mooren zu halten
„Moore sind wertvolle und sensible Lebensräume“, sagt der Geoökologe Stephan Glatzel, Vorstand des Instituts für Geographie und Regionalforschung an der Universität Wien.
Er befasst sich mit einem Team von Moorexperten mit der Erforschung der österreichischen Moore, von denen es rund 10.000 – davon 400 in Oberösterreich – gibt. Und er muss feststellen: „Der Zustand der Moore hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ständig verschlechtert.“
Stephan Glatzel
Gründe sind landwirtschaftliche Eingriffe, Drainagen sowie der Klimawandel, der zu einem Sinken des Grundwasserspiegels führt. Ein sinkender Wasserstand bedeutet eine höhere Belüftung des Moorbodens, was zu einer schleichenden Austrocknung führt. Betroffen sind grundwassergespeiste Niedrigmoore wie auch Hochmoore, die mit Regenwasser versorgt werden. Moore sind für die Biodiversität enorm wichtig, so Glatzel: „Sie speichern Kohlenstoff und filtern das Wasser, zudem sind sie Rückzugsgebiete für wichtige Arten.“ Das Problem: Sie stehen zunehmend unter Stress, rund ein Drittel braucht dringend Schutzmaßnahmen, so das Ergebnis einer Untersuchung, die Glatzel mit seinem Team an rund 200 Mooren in Österreich vorgenommen hat. „Die gegenwärtige Klimaerwärmung stresst die Moore und ihre Vegetation.“
Anhand eines Ende der 1980er-Jahre erstellten Moorkataloges wurden Veränderungen geprüft. Das Ergebnis: Die Moore sind weniger nass, mehr beschattet und nährstoffreicher als vor 35 Jahren. Mit Schutzmaßnahmen kann die Austrocknung verlangsamt oder auch gestoppt werden.
Spitzblättrige Torfmoose.
Bad Ischl, Gosau
Drei Projekte im Salzkammergut, die von der Universität Wien mit den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) umgesetzt wurden, zeigen bereits erste erfreuliche Ergebnisse. Unter anderem wurden in das „Große Langmoos“, das „Torfmoos“ und die „Moosklausalm“ (in den Gemeinden Bad Ischl und Gosau) 420 Meter Spundwände eingesetzt, um das Wasser länger zu halten und den Abfluss zu verlangsamen. Zusätzlich wurde der Hauptgraben im „Großen Langmoos“ mit 25 Tonnen Holz-Pellets verfüllt. „Ziel ist es,
die natürliche Wasserspeicherfunktion wiederherzustellen“, so Xaver Wimmer vom Bundesforste-Naturraummanagement.
Rückzugsräume
Durch die Revitalisierungen soll auch erreicht werden, dass die Moore ihre wichtige Klimafunktion weiter erfüllen: „Als Klimahelfer, Kläranlage, Hochwasserschutz und Dürreversicherung in einem und als wichtige Rückzugsräume für bedrohte und endemische Arten,“ so Glatzel. Werden sie zu stark entwässert, könnte sich ihre schützende Funktion ins Gegenteil verkehren. Glatzel: „Das kann sogar klimaschädlich wirken, indem viel CO2 freigesetzt wird.“
Dem Moorschutz verschrieben hat sich auch Christian Schröck vom Life-Projekt AMooRe, das bereits rund 100 Wiederverwässerungen von Mooren durchgeführt hat.
Das Budget dafür lag bei 44 Millionen Euro. Für den studierten Botaniker ist entscheidend, „bei den Revitalisierungen die Menschen mitzunehmen“. Christian Schröck war leitend an der Wiedervernässung des Tanner Moores in Liebenau beteiligt. Österreichweit gibt es rund 44.000 Hektar Moorfläche – davon rund 2.500 in OÖ. Die bekanntesten oö. Moore sind das Tanner Moor und das Ibmer Moor.
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