Rechnungshof: Linz könnte 1 Mio. Euro für Donauparkstadion rückfordern
Das Blau-Weiß-Stadion wurde 2023 fertig.
Es ist eine Geschichte, die vermutlich noch länger kein Happy End findet. Rund um den Bau des Linzer Donauparkstadions gibt es nach dem aktuellen Bericht des Rechnungshofes (RH) erneut Aufregungen und Unverständnis.
Dass beim Bau des opulenten Gebäudes direkt an der Donaulände die Kosten davon galoppierten, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr.
Ganz zu Beginn lagen die Kalkulationen bei vergleichsweise dezenten 9 Millionen Euro, die letzte vom Gemeinderat durchgewunkene Summe liegt bei knappen 40 Mio. Euro und - je nach Art der Rechnung - endeten die Kosten schließlich bei 44 beziehungsweise knappen 60 Mio. Euro.
Rechnungshof: Abweichung von vereinbarten Summen
Verantwortlich für Planung und Umsetzung des Mega-Projekts waren die Donauparkstadiongesellschaft und die ILG (Immobilien Linz GmbH), letztere besteht auf finale Kosten von 44 Mio. Euro: "Die Differenz zu den vom RH angeführten knapp 60 Mio. Euro ergibt sich daraus, dass der RH auch Grundstückskosten für Randgrundstücke (für die es separate Gemeinderatsbeschlüsse gab und die von der Stadt Linz selbst an die ILG veräußert wurden) sowie den geschätzten heutigen Wert des bereits seit 2009 in unserem Eigentum befindlichen Grundstücks hinzugerechnet hat", erklärt Markus Eidenberger, Geschäftsführer der ILG.
Der Rechnungshof rät nun in seinem Bericht, mindestens eine Million Euro vom ausführenden Generalunternehmer rückzufordern: In seinen Teilrechnungen wich dieser offenbar mehrmals von den vereinbarten Vertragssummen ab. Dies führte dazu, dass der Generalunternehmer um knapp 500.000 Euro mehr vergütete als vertraglich vereinbart.
Gestiegene Kosten für Baustahl
Auch weitere 500.000 Euro in Zusammenhang mit den gestiegenen Kosten für den Baustahl (die allerdings bereits im Baukosten-Index abgedeckt gewesen sein sollen) könnte die ILG zurückfordern - eine beträchtliche Summe für das ohnehin schwer angeschlagene Linzer Budget.
Fußballverein Blau-Weiß-Linz mietet von das Stadion um 303.000 Euro jährlich.
"Wir verstehen nicht, warum die Stadt das nicht macht, es gibt keinen rationalen Grund dafür", sagt Michael Obrovsky, Geschäftsführer der Linzer ÖVP.
Die ILG kontert: "Die tatsächlich angewandte Methode der Valorisierung wurde in den Verhandlungen vereinbart und lag daher untrennbar dem Grundpreis des Totalunternehmers zugrunde. Bei einer anderen Regelung wäre (aufgrund von Risikoaufschlägen) der Grundpreis höher ausgefallen." Beim Baustahl sei eine Rückforderung dieses Betrags rechtlich unmöglich oder zumindest schwierig.
Nachforderungen wären möglich
Markus Eidenberger: "Wäre man damit überhaupt erfolgreich, würde die Gefahr drohen, dass der Totalunternehmer im Gegenzug Nachforderungen, die er bereits fallen gelassen hat, wieder aufleben lässt. Dies bestätigen auch von uns damit befasste Anwälte." Nun steht also RH-Empfehlung gegen die Einschätzung der ILG, wobei auch der Rechnungshof eine außergerichtliche Einigung in der Thematik empfiehlt.
Weitere Punkte, die im Dokument erwähnt wurden:
- Der Gemeinderat sei im Zuge der Kostensteigerungen kaum mehr eingebunden gewesen und informiert worden. Dabei sei das im Sinne einer transparenten und objektiven Information des Kontrollorgans eine wesentliche Unterstützung. Die ILG erklärt: Die Summe der in Einzelbeschlüssen im Gemeinderat für das Stadion inklusive Möbellager und Geschäftslokalen genehmigten Beträge inklusive der mitbeschlossenen Indexanpassungen liegt bei ca. 45 Mio. Euro. Weitere ca. 8,5 Mio. Euro wurden im Rahmen der jährlichen Beschlüsse des Wirtschafts- und Investitionsplans der ILG während der Projektlaufzeit (2019 bis 2023) genehmigt. Dieser Plan enthält aber jährlich auch generelle Reserven, auf die für dieses Projekt zurückgegriffen wurde. "An einer klareren Darstellung der Zusammensetzung von Projektmitteln, vor allem wenn diese aus mehreren Quellen und Beschlüssen entstammen und Reserven verwendet werden, arbeiten wir bereits", sagt ILG-Chef Eidenberger dazu.
- Die mit dem Fußballverein Blau-Weiß-Linz vereinbarte jährliche Mietsumme von 303.000 Euro wird ebenfalls thematisiert. Die ILG führt aus: Die Miethöhe wurde mittels der Vergleichswertmethode ermittelt - aus den Elementen der Stadionmiete, für die als Vergleich die bis 2020 verrechneten Mietsätze des Stadions der Stadt Linz sowie die durchwegs ähnlichen Mietsätze anderer österreichischer Stadien herangezogen wurden, und einer ortsüblichen Büroflächenmiete. "Die gesamten Aufwendungen von Blau-Weiß-Linz für die Stadioninfrastruktur sind aber verglichen mit Mitbewerbern deutlich höher, da Blau-Weiß-Linz zusätzlich auch die Kosten für die Rasenpflege und die Betriebskosten selbst trägt", so Eidenberger. Laut RH-Bericht legte die Donauparkstadiongesellschaft aber die erwähnten Vergleichstarife anderer Städte auch auf Anfrage nicht offen.
Namensdebatte im Anrollen
Was demnächst noch spannend wird, ist die Namensdebatte der Anlage: Der Vertrag des Personaldienstleisters Personal Hoffmann für die Namensgebung läuft 2026 aus, die Linz AG hat dann das "Letztangebot" für die ab Sommer 2026 neu zu vergebenden Namensrechte. Das jetzige Hofmann-Personal-Stadion soll zum Linz AG Donauparkstadion werden - gegen einen Kostenpunkt: wohl eine weitere sechsstellige Summe
Kurioses Detail zum Schluss: Warum der Rechnungshof die Abwicklung des Donauparkstadions überhaupt überprüft hat, ist purer Zufall: Das Projekt wurde im Rahmen einer Stichprobe gezogen.
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