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Die Kraft der kleinen Freundlichkeiten

Ich mag die großen Momente im Theater: Wenn der Vorhang fällt, das Publikum laut „Bravo!“ ruft und klatscht und alle fröhlich nach Hause gehen. Von Christa Koinig.
Seppy

Aber genauso, vielleicht sogar noch mehr, liebe ich die kleinen Dinge, die nebenbei passieren. Ein Kind in der ersten Reihe rückt ein Stück zur Seite, damit der kleine Nachbar mehr Platz hat. Jemand hebt etwas auf, das auf den Boden gefallen ist. Zwei Freunde entdecken sich zufällig im Zuschauerraum und lächeln einander zu. Für solche Augenblicke gibt es keinen Applaus. Niemand ruft „Bravo!“, und doch sind sie etwas ganz Besonderes.

Die Welt ein bisschen heller machen

Von der Bühne aus kann ich vieles sehen. Nicht nur die aufgeregten Gesichter der Kinder, sondern auch die kleinen freundlichen Gesten, die man da ganz nebenbei entdeckt. Und manchmal denke ich, dass genau sie unsere Welt ein bisschen heller machen. Freundlichkeit ist wie ein Sonnenstrahl, der durch eine Wolke bricht und damit den Tag wärmer macht. Und das Schöne daran ist, die Freundlichkeit wandert weiter. Ein Lächeln geht von zu Mensch zu Mensch, eine Hilfe führt zur nächsten. Ein nettes Wort kann jemanden den ganzen Tag begleiten.

Man ist nicht jeden Tag ein Held

Natürlich sind große Taten etwas ganz Tolles. Aber nicht an jedem Tag hat man Gelegenheit, ein Held zu sein. Freundlich sein kann man dagegen immer. Im Theater, auf dem Spielplatz, im Geschäft oder zu Hause. Und ich bin ganz sicher: Die Welt wird nicht nur durch große Ereignisse besser. Manchmal beginnt etwas Großes mit einer ganz kleinen Geste. Mit einem Lächeln. Mit einem freundlichen Wort. Oder mit ein bisserl mehr Platz in der ersten Reihe.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters.

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