Die Berge sind Mühlbergers Metier
Gregor Mühlberger beim Giro
Sie seien mittlerweile „gute Freunde“, sagt Felix Gall. Das will etwas heißen im Spitzensport, wo kein Platz für Sentimentalität ist und nur der Erfolg zählt. Den hat der 28-jährige Osttiroler, der den Giro d’Italia soeben auf Platz zwei abgeschlossen hat. Einer, der Gall dabei nach Kräften zu unterstützt und sich die Freundschaft einmal mehr verdient hat, ist Gregor Mühlberger.
Siege beim RC Walding
Aufgewachsen ist Mühlberger im niederösterreichischen Haidershofen, gleich jenseits der Landesgrenze. Über den Sport ist er quasi zum Wahl-Oberösterreicher geworden. Beim Team Hrinkow in Steyr begann er im Alter von fünf Jahren mit dem Mountainbiken, ehe er auf das Rennrad umstieg und für den RC Walding erste nationale Siege einfuhr.
Gregor Mühlberger (li.) mit seinem Freund und Kollegen Felix Gall.
Mit 15 Jahren entschied er sich, Profi zu werden, erzählt er: „Ich habe es nie bereut.“ Mühlbergers bevorzugte Welt sind die Berge. Das sei einerseits Vererbung, sagt er. „Ich habe nicht mehr Muskelmasse mitgekriegt, um Sprinter zu sein.“ Mit 1,80 Meter Größe und gerade einmal 64 Kilo ist er ein Leichtgewicht.
Bergfahrer
Zum anderen habe ihm das Bergfahren mehr und mehr Spaß gemacht. Im Vorjahr ist Mühlberger zum französischen Team Decathlon gewechselt, wo er die Rolle des Edelhelfers innehat. Als solcher muss er sich um das Wohlergehen des Kapitäns kümmern. „Er ist der Leader“, sagt Mühlberger. „Ich muss speziell auf Bergetappen so lange wie möglich bei ihm bleiben und bin dafür zuständig, dass er Kraft schont.“
Sie verstünden sich auch privat sehr gut, nennt Mühlberger einen Erfolgsfaktor. Ein Pluspunkt sei, dass der Chef „ein lieber Kerl ist“. Umgekehrt wisse der, „dass er sich auf mich verlassen kann“.
Mühlberger unterwegs als Zeitfahrer
Zurzeit erholt sich der 32-Jährige von den Strapazen der Italien-Tour. Mit Ehefrau Astrid lebt er in Salzburg, wo auch Gall wohnt. So können die beiden regelmäßig zum gemeinsamen Training ausfahren, was der Abstimmung dienlich ist. Zu blindem Verständnis werde es noch ein paar Rennen brauchen, vermutet Mühlberger: „Aber wir haben heuer schon bewiesen, dass wir sein sehr starkes Team sind.“ Obwohl dem Kapitän zu Diensten, fahre er immer auch sein eigenes Rennen, sagt Mühlberger. Und das durchaus erfolgreich. Beim Giro belegte er am Ende Rang 15, nach 3.470 Kilometern mit gerade einmal 24 Minuten und 12 Sekunden Rückstand auf den Sieger.
18. bei der Tour
Die Tour de France schloss er im Vorjahr auf dem respektablen 18. Platz ab. Deshalb hat Mühlberger durchaus Führungsambitionen. Im Juni wird er die Tour de Suisse über fünf Etappen und 634 Kilometer bestreiten. „Hoffentlich als Leader.“
Im Juli geht es zur Vorbereitung auf die Spanien-Rundfahrt nach Frankreich ins Höhentrainingslager. Davor gibt es freilich noch ein Heimspiel. Mario Rossmann, seit März Präsident OÖ. Radsportverbandes, freut sich, dass Mühlberger bereits für die Staatsmeisterschaft im Straßenrennen am 28. Juni in Schwanenstadt zugesagt hat. Dem Kletterer sollte der Kurs durchaus entgegenkommen. Nach sechsmal 22 Kilometer geht es in fünf kleinen Runden à 5,7 Kilometer über den Philippsberg mit bis zu 19 Prozent Steigung. Es wäre Mühlbergers dritter Meistertitel.
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