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Der Wunsch nach einer Nachspielzeit

Jetzt kommt man um Fußball wirklich nicht herum. Ob man Fan ist oder einfach nur zuschaut – irgendwo läuft immer ein Spiel. Von Christa Koinig.
Seppy

Und selbst wenn es einen gar nicht interessiert, „Fußball!“ schallt es überall. „Anpfiff!“, „Abseits“, „Foul“, „Schwalbe“, „Elfmeter“, „Freistoß“, „Trinkpause“, „Tor“, „Halbzeit!“ – und dann dieses magische Wort „Nachspielzeit“. Da wirds erst so richtig spannend. Es kann sein, dass eine Mannschaft schon ganz sicher glaubt, wir haben gewonnen. Die Spieler jubeln, die Fans toben – und dann passiert es in letzter Sekunde: Rumms! Ein Tor für die andere Seite. Der Sieg ist weg, der Gegner gewinnt. Oft ist es aber auch genau umgekehrt: Eine Mannschaft hat sich schon fast mit der Niederlage abgefunden – und plötzlich fällt doch noch ein erlösendes Tor.

Ein bisserl Zeit extra wäre sehr willkommen

Bei uns im Puppentheater wäre so eine Nachspielzeit manchmal auch sehr praktisch. Dann könnte ich sagen: Sorry, ich habe meinen Auftritt vermurkst, ich probiere es noch einmal. Aber da spielt die Regie nicht mit. Wenn der Vorhang fällt, ist Schluss. Ende. Aus, basta! Aber nicht nur im Theater, auch im echten zwischenmenschlichen Leben wünscht man sich hie und da eine Nachspielzeit. Menschen sagen oft zu schnell die falschen Worte oder sie tun etwas Unüberlegtes. Und schon ist es passiert. Die Worte stehen im Raum, und was getan ist, bleibt getan. Hier wäre ein bisserl Zeit extra sehr willkommen. Zum Nachdenken. Zum Einsehen. Zum Wieder-gut-Machen. Solche wichtigen Nachspielzeiten bräuchten wir wohl alle ganz dringend – Puppen, Sportler, na ja, eigentlich alle, die sich manchmal wünschen, einen kleinen Moment zu haben, um etwas wiedergutzumachen.

Christa Koinig ist künstlerische Leiterin des Linzer Puppentheaters.

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