Fischotter können in "Blutrausch" geraten und mehr Fische töten als sie eigentlich als Futter brauchen.

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Chronik Oberösterreich
04/27/2021

66-Jähriger soll in Gmunden geschützte Tiere erlegt haben

Anonyme Anzeige führte zu Ermittlungen. Landesfischereiverband verurteilt Verhalten, sieht aber auch „Verzweiflungsschrei“.

von Petra Stacher

Sie sehen putzig aus, wenn sie rücklings im Wasser treiben. Doch sie können auch ganz schön gefräßig sein: Fischotter. Vor allem Fischer haben mit ihnen zu kämpfen. Nun flog ein 66-Jähriger aus dem Bezirk Gmunden  auf. Er soll fünf Jahre lang geschützte Tierarten erlegt haben, um seinen Fischbestand zu schützen. Für  Landesfischermeister Siegfried Pilgerstorfer ein Hilfeschrei.

Konkret soll der 66-Jährige von August 2017 bis Februar 2021 in einem Fischereirevier entlang eines Flusses unter anderem Fischotter, Gänsesäger, Schwarzstörche und Graureiher – natürliche Fressfeinde der Fische – erlegt haben.  Nach einer anonymen Anzeige nahm das Landeskriminalamt die Ermittlungen auf.  Bei einer von der Staatsanwaltschaft Wels angeordneten Hausdurchsuchung fand die Polizei zahlreiche Beweise für die mutmaßlichen Taten.

Bestand sei gesichert

„Ich verurteile das. Gleichzeitig ist es auch ein Verzweiflungsschrei der Fischer, die sich eine politische Lösung herbeisehnen“,  sagt Pilgerstorfer.

Denn der Fischotter ist zwar Teil des Jagdrechts, aber geschützt und ganzjährig geschont und das, obwohl die Population rasant steige. „2012/2013 hatten wir in Oberösterreich  rund 400 Stück. Nun sind es 1.000“, nimmt Pilgerstorfer auf Untersuchungen Bezug. Der Bestand sei schon längst gesichert.

Grund für die Vermehrung: „Das Problem ist, dass Fischotter, Gänsesäger oder Kormorane keine natürlichen Feinde bei uns haben. Früher waren das der Luchs,  der Bär, der Wolf  und der Seeadler. Dazu haben wir die Gewässer verändert. Und dann haben wir NGOs, die nicht verstehen, dass es unter der Wasseroberfläche auch noch Leben gibt“, sagt Pilgerstorfer.

Schusszeit gefordert

Er fordert deshalb, den Schutzstatus zu überdenken. „Wir wollen den Fischotter ja nicht ausrotten. Unser Ziel ist eine Schon- und eine Schusszeit.“ Derzeit laufen Untersuchungen, etwa wie Flussstrecken aussehen, wenn man Fischotter entnimmt.

Dies wolle die Politik abwarten: „Mit dem Fischottermanagementplan haben wir eine gute Basis erarbeitet. Das aktuell laufende Monitoringprojekt wird wichtige Daten dazu liefern, wie die ganzjährige Schonung des Fischotters in Zukunft gestaltet werden soll“, sagt der zuständige Landesrat Maximilian Hiegelsberger (ÖVP).

Für viele dauere das aber zu lange, so Pilgerstorfer. Betroffen sind überwiegend freie Gewässer wie Flüsse und Bäche. „Bei Teichen kann man sich mit Zäunen helfen.“

Der besagte 66-Jährige wird nach Abschluss der Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Wels auf alle Fälle wegen Verdachts auf Tierquälerei angezeigt.

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