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Chronik Niederösterreich
08/28/2019

Zwei Tote bei Unfall: Lenker narrte Behörden und Polizei

Es gab bereits mehrere Verfahren wegen Alkohl am Steuer gegen Fahrer. Bei dem Crash starb eine 47-jährige zweifache Mutter

von Patrick Wammerl, Katharina Zach

Hätte der Tod von Eva S. verhindert werden können? Diese Frage bewegt derzeit nicht nur Freunde und Familie der getöteten zweifachen Mutter, sondern auch jene, die den Unfalllenker gekannt haben.

Wie berichtet, geriet der 47-jährige Zoran M. Montagabend auf der B212 bei Möllersdorf in Traiskirchen auf die Gegenfahrbahn und rammte frontal den BMW i3 von Eva S. Die beiden Lenker waren sofort tot, ein 14-jähriger Sohn der Badener Tierärztin wurde schwer verletzt.

KURIER-Recherchen ergaben, dass es vor dem Unfall einen Polizeieinsatz bei Zoran M. gegeben hatte, bei dem er den Beamten zufolge deutlich alkoholisiert war. Um dies zu klären, hat die Staatsanwaltschaft nun einen Bluttest in Auftrag gegeben. Der Führerschein war ihm bereits wegen Trunkenheit am Steuer entzogen worden.

Auto bereits einmal "stillgelegt"

Tatsächlich scheint der 47-jährige amtsbekannte Alkoholiker die Behörden genarrt zu haben. Es gab bei der Behörde bereits mehrere einschlägige Verwaltungsstrafverfahren. Auch soll es sich nicht um das erste Führerscheinentzugsverfahren gegen M. gehandelt haben. Weil er dennoch immer wieder alkoholisiert unterwegs war, hat die Behörde sogar einmal sein Auto offiziell „stillgelegt“. Allerdings wurde dieses dann von einer anderen Person aus dem Familienkreis abgeholt.

In so einem Fall hat die Bezirkshauptmannschaft keine Handhabe, erklärt Bezirkshauptfrau-Stellvertreter Martin Hallbauer. Das Verwaltungsstrafverfahren richte sich nämlich immer gegen die Person – und nicht gegen das Fahrzeug.

Radklammern

Wird jemand in flagranti alkoholisiert am Steuer erwischt, könnten bei gravierenden Verstößen Zwangsmaßnahmen wie die Wegnahme von Schlüsseln oder eine Stilllegung mit Radklammern eingeleitet werden. Ist jemand ohne Schein alkoholisiert unterwegs, droht zudem ein Strafverfahren. „Präventiv das Fahrzeug wegnehmen geht aber nicht“, sagt Hallbauer.

Zuletzt wurde der 47-Jährige mehrmals alkoholisiert mit dem Fahrrad von Polizisten angehalten und angezeigt. Rechtliche Gründe für eine Festnahme oder eine Vorführung beim Amtsarzt lagen dadurch aber keine vor, heißt es bei der Polizei.