Gedenkstätte für das Opfer am Parkplatz in Greinsfurth

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
07/31/2019

Würgemord vermutlich wegen ein paar Euro

39-Jähriger in Geldnot soll zweifache Mutter auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Greinsfurth erwürgt haben.

von Patrick Wammerl

Eine zweifache Mutter musste sterben, weil ein Unterstandsloser vermutlich schnell zu ein paar Euro kommen wollte. Der Mord an der 52-jährigen Oberösterreicherin Brigitte G. in Greinsfurth bei Amstetten (NÖ) ist für die Ermittler geklärt. Sie haben Montagnachmittag auf einem Autobahnrastplatz bei Haag einen 39-jährigen Deutschen als dringend Tatverdächtigen festgenommen. Hautpartikel mit der DNA von Rene F. fanden sich unter den Fingernägeln des Opfers. Brigitte G. hatte sich mit Leibeskräften gegen ihren Mörder zur Wehr gesetzt.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge dürfte die 52-Jährige zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein. Es hätte auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums in Greinsfurth am Abend des 28. Mai vermutlich jeden treffen können. Wie die Mordermittler des nö. Landeskriminalamtes (LKA) vermuten, war Rene F. einfach auf das Geld der Filialleiterin aus, als diese nach Geschäftsschluss zu ihrem Auto ging. Vermutlich weil sie ihre Tasche nicht freiwillig hergab, wurde sie am Parkplatz erwürgt und ihre Leiche in einem Gebüsch versteckt.

Der Deutsche, der seit zehn Jahren immer wieder in Österreich lebte und arbeitete, war in der Vergangenheit durch Geldbetrügereien aufgefallen, bestätigt Thomas Korntheuer von der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Der Mann hatte in diversen Gastronomiebetrieben gejobbt. „Seit Oktober 2018 ging er allerdings keiner geregelten Arbeit mehr nach“, sagt Chefinspektor Hannes Fellner von der Mordgruppe des LKA.

Knapp bei Kasse

Aufgrund seiner äußert angespannten finanziellen Lage schlief der 39-Jährige zumindest seit Anfang Mai 2019 im Großraum Amstetten immer wieder auf öffentlichen Parkplätzen in seinem Auto. Wochenlang fehlte den Ermittlern jedoch dieser entscheidende Hinweis. Nachdem das persönliche und berufliche Umfeld des Opfers erfolglos durchleuchtet wurde, habe man in hunderten Arbeitsstunden das Einkaufszentrum WestSide City am Tatort „in den Fokus genommen“.

„Wir haben versucht, alle Leute auszuforschen, die zur Tatzeit in und rund um das Einkaufszentrum anwesend waren“, so Fellner. Hunderte Personen wurden überprüft, ehe Rene F. ins Visier geriet. Er hat den Parkplatz anscheinend zum Nächtigen benutzt.

Nachdem die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erließ, musste der Deutsche erst aufgestöbert werden. Montagnachmittag wurde sein Wagen auf dem Autobahn-Rastplatz wahrgenommen. Er leistete bei seiner Festnahme keine Gegenwehr. In seinem Auto fanden die Tatort-Spezialisten das Handy des Opfers.

Trotz der erdrückenden Beweise leugnet Rene F. die Tat. Er wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert, wo die Untersuchungshaft über ihn verhängt wird. Niederösterreichs Polizei-Chef Franz Popp gratulierte den Ermittlern zur Klärung des bis dato einzig ungeklärten Falles von insgesamt zehn Frauenmorden im heurigen Jahr in Niederösterreich.

Soko Frauenmorde

Wegen der Häufung an Frauenmorden hat das Innenministerium bereits im Jänner 2018 eine Screening-Gruppe mit Experten eingerichtet. „Wir haben bis Ende Juni 55 vollendete Morde und 119 Mordversuche mit streng wissenschaftlichen Methoden untersucht und analysiert“, sagt der Chef des Bundeskriminalamtes, Franz Lang. Die Ergebnisse werden demnächst der Öffentlichkeit präsentiert. Eines steche aber deutlich hervor: Aufgrund der ethnischen Herkunft von einem Großteil der Täter existiere eine große Affinität zu Stichwaffen. „Es ist bei vielen üblich, ein Messer immer dabei zu haben. Deshalb auch eine sehr hohe Zahl an Taten mit Stichwaffen“, erklärt Lang.