Gedenkstätte für das Opfer am Parkplatz in Greinsfurth

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
08/02/2019

Würgemord: Abstruse Erklärungen des Verdächtigen

Abenteuerliche Geschichte, wie die DNA des verdächtigen unter die Fingernägel und an den Hals des Opfers kam.

von Patrick Wammerl

„Die Bevölkerung war nach dem Mord massiv verunsichert. Ich bin froh, dass die Tat geklärt werden konnte und dadurch das Sicherheitsgefühl wieder hergestellt ist.“ Niederösterreichs Polizeichef Franz Popp spricht aus, was sich viele im Raum Amstetten denken. Dass eine zweifache Mutter von einem ihr völlig Unbekannten auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums mit bloßen Händen erwürgt wurde, hat vor allem bei vielen Frauen in der Region Unbehagen verursacht.

Seit Montag sitzt, wie berichtet, ein dringend Tatverdächtiger in Haft. Rene F. ist ein 39-jähriger Deutscher, der sich seit zehn Jahren regelmäßig im Raum Amstetten aufhielt und arbeitete.

Laut Staatsanwaltschaft war der Mann bereits wegen diverser Geldbetrügereien amtsbekannt. Auch den Unterhalt für sein kleines Kind blieb der 39-Jährige seiner früheren Lebensgefährtin regelmäßig schuldig. Weil er seit Oktober des Vorjahres keiner Arbeit mehr nachging und damit auch kein Geld verdiente, schlief er zuletzt auf öffentlichen Parkplätzen in seinem Auto. Die Ermittler glauben, dass er am 28. Mai auf die Handtasche und das Geld von Brigitte G. (52) aus war. Dass sich die Frau zur Wehr setzte, dürfte ihr Todesurteil gewesen sein.

Der Schwechater Rechtsanwalt Franz Lima hat die Verteidigung des Mordverdächtigen übernommen. Und diese Aufgabe wird alles andere als einfach. Denn die Beweislast gegen Rene F. ist erdrückend. Im Auto des Deutschen fanden die Ermittler das Mobiltelefon des Mordopfers. Die Erklärung, die er den Ermittlern auftischte, klingt für sie wenig plausibel. „Ein anderer Mann mit einem Auto mit Melker Kennzeichen hat es ihm zum Kauf angeboten. Da sein eigenes Handy kaputt war, hat er es genommen. Um etwa 70 Euro“, schildert Lima.

Gutachten beauftragt

Fragwürdig sind auch die Angaben, wie seine Hautpartikel mit der DNA unter die Fingernägel und an den Hals des Mordopfers geraten sein sollen. Rene F. tischte seinem Verteidiger und den Kriminalisten folgende Geschichte auf. Er sei mit der Filialleiterin des Supermarktes bei einem Regal mit Flaschen zusammengestoßen. Dabei habe sie ihn versehentlich an der Nase gekratzt. „So wurde seine DNA auf die Frau übertragen“, sagt Lima.

Psychiatrisches Gutachten

Obwohl derzeit nichts auf eine Unzurechnungsfähigkeit des 39-Jährigen hindeute, hat die Staatsanwaltschaft St. Pölten ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Seit Mittwoch liegt auch der gesamte Obduktionsbericht vor. Dieser bestätigt Erwürgen als „primäre Todesursache“.