„Gebot der Stunde“: Mikl-Leitner fordert Entlastung für Betriebe

Mehr Wachstum, mehr Forschung, weniger Bürokratie: NÖ präsentiert seine Wirtschaftsstrategie - mit einer Forderung nach niedrigeren Lohnnebenkosten.
Helmenstein, Mikl-Leitner, Winkler

Es war im Jahr 1981, als die Familie Winkler den Grundstein für ein sehr erfolgreiches Unternehmen legte. 

Der Betrieb produziert Schulbedarf, im Sortiment befinden sich rund 10.000 Artikel, die selbst hergestellt werden. Die meisten Abnehmer sind in Österreich, Deutschland und Ungarn zu finden.

Laut Karl Winkler, der als Firmenchef für 94 Mitarbeiter verantwortlich ist, will man nun am Standort in Karlstetten (Bezirk St. Pölten) kräftig investieren. Insgesamt werden unter anderem 14 Millionen Euro für neue Produktionsanlagen in die Hand genommen.

Ein bisschen Aufschwung

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die es in Zukunft in Niederösterreich wieder deutlich mehr geben soll. Nach Jahren der Rezession, zahlreicher Firmenpleiten und hoher Arbeitslosigkeit will das Land NÖ nun das zarte Pflänzchen des Aufschwungs – heuer wird mit etwa 1,25 Prozent Wirtschaftswachstum gerechnet – nutzen, um mit einer neuen Strategie die Wirtschaft anzukurbeln.

Bei der Präsentation der Strategie am Dienstag ergriff Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zugleich die Gelegenheit, erneut eine Senkung der Lohnnebenkosten ab 2027 vom Bund einzufordern.

Die Politikerin erklärte, sie könne die Zurückhaltung von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) „überhaupt nicht verstehen“. Es sei aus ihrer Sicht ein Gebot der Stunde, den Faktor Arbeit zu entlasten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.

Unterstützung erhält diese Forderung vom Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein, Vorstand des Economica-Instituts

Er betonte, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten notwendig sei, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern. Die Position des Finanzministers, wonach eine Gegenfinanzierung aus demselben Ressort kommen müsse, teile er nicht. Diese Sichtweise bezeichnete Helmenstein als „Silodenken par excellence“. 

Einsparungspotenziale sieht er unter anderem in Reformen im Gesundheits- und Pensionssystem sowie in einem konsequenten Abbau von Bürokratie.

Mehr Forscher für das Land

Die neue Strategie des Landes steht jedenfalls unter dem Motto „Wirtschaft stärken. Zukunft sichern.“ Konkret soll bis 2030 das Bruttoregionalprodukt pro Erwerbstätigen auf über 110.000 Euro steigen, nachdem der Wert 2024 noch bei rund 92.000 Euro lag. 

Gleichzeitig soll die Zahl der Forschungsmitarbeitenden in nö. Unternehmen von derzeit etwa 9.000 auf über 10.000 erhöht werden. Zudem will Niederösterreich weiterhin den ersten Platz beim Pro-Kopf-Einkommen in Österreich halten.

Erreicht werden sollen diese Ziele unter anderem durch eine stärkere Nutzung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, wodurch die Produktivität steigen soll. Gleichzeitig sollen effizientere Verfahren dazu beitragen, Bürokratie zu reduzieren. Das Land will Unternehmen weiterhin mit Investitionsförderungen, Haftungen und Beratungsangeboten unterstützen. 

Zusätzlich soll ein neuer Fördercall für Prototypen (20.000 bis 200.000 Euro Unterstützung) dazu beitragen, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Marktfähigkeit von Innovationen zu schließen.

Kritik kam hingegen von den Neos, die in den präsentierten Plänen vor allem „viel Show“ und „wenig Substanz“ erkennen.

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