250 Shops in Österreich geplant: Bekannte Kette expandiert massiv
Der heimische Handel stagniert, doch nicht allen Segmenten geht es schlecht. Billiganbieter im Non-Food-Segment nutzen die Strukturbereinigung und ziehen in die Leerstände von Einkaufsstraßen und -zentren ein.
Eine Expansion im Turbomodus vollzieht derzeit der deutsche Diskonter Woolworth. Allein im Vorjahr wurden 48 neue Geschäfte in Österreich eröffnet und damit der Personalstand auf mittlerweile 600 erhöht. In der aktuellen Analyse des Standortberaters RegioData wird Woolworth als mit Abstand expansivster Einzelhändler in Österreich geführt (siehe Grafik). Mitbewerber NKD baute sein Filialnetz um 16 Standorte aus, die niederländische Billigkette Action erhöhte um 7 Standorte. Im Wettkampf der Billig-Händler gibt es auch Verlierer. Textil-Diskonter Kik steigt auf die Kostenbremse und sperrte im Vorjahr 23 Filialen zu. Heuer sollen neun weitere folgen.
Woolworth mit Sitz in Unna in Nordrhein-Westfalen ist nach der Insolvenz 2009 erst vor zwei Jahren wieder zurück nach Österreich gekehrt. Petr Marek, zuständig für die Auslandsexpansion bei Woolworth, hat Großes vor. In den nächsten fünf Jahren will er bis zu 250 Filialen aufsperren und damit Kik überflügeln. „Derzeit planen wir mit rund 40 Neueröffnungen pro Jahr“, erzählt Marek dem KURIER. Großes Potenzial sieht er in den Landeshauptstädten, „auch Wien als Hauptstadt ist enorm wichtig“. 14 Geschäfte gibt es hier bereits.
Petr Marek leitet die Auslandsexpansionen bei Woolworth
Flexibles Shop-Konzept
„Unser Konzept funktioniert sowohl auf großen Flächen als auch auf kleinerem Raum“, erläutert der Manager, „so ermöglichen wir auf der einen Seite Filialen mit 1.700 Quadratmetern wie in Innsbruck und auf der anderen Seite Standorte mit rund 530 Quadratmetern Verkaufsfläche wie im nahe gelegenen Imst.“ Gesucht werden vor allem gut frequentierte Fußgängerzonen, Shoppingcenter oder Fachmärkte.
Wichtig seien eine gute Erreichbarkeit und ausreichend Parkmöglichkeiten. „Der „Nahversorger für Artikel des täglichen Bedarfs“ wie sich Woolworth selbst nennt, bietet ein Sortiment von 18.000 Artikeln im Textil- und Non-Food-Segment. Die Palette reicht von Dekorations- und Haushaltsartikel, Party- und Bastelzubehör, Heimtextilien bis zur Bekleidung für die ganze Familie.
Stationäre Alternative zu Temu und Shein
Laut RegioData profitiert Woolworth wie auch die anderen Billigketten Action, Tedi oder NKD von der steigenden Preissensibilität der Menschen, zuletzt noch angeheizt von den China-Plattformen Temu und Shein. Als direkte Konkurrenz sieht Marek die Onlineplattformen nicht, vielmehr sei man eine „schnelle und direkte Alternative“ quasi ums Eck. Der Kunde hat eine große Auswahl und erspart sich Onlinebestellung und Warten auf die Ware. „Wir machen die Erfahrung, dass die Menschen nach wie vor den Einkauf vor Ort im Laden sehr zu schätzen wissen“, meint Marek.
Der Sektor der Non-Food-Diskonter ist aktuell einer der am stärksten expandierenden Bereiche. „Diskonter gibt es schon lang. In den letzten Jahren ist das Wachstum stärker geworden“, sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer von RegioData, im KURIER-Gespräch. Dass Geschäfte wie Woolworth und Action sich immer weiter verbreiten, hat laut Richter verschiedene Gründe. Einerseits verändert sich das Verhalten der Kunden. Es wird entweder gerne sehr hochwertig oder eher günstig gekauft. Die mittlere Preisklasse wird immer irrelevanter. Weiters verändert sich das Angebot der Diskonter: Ihr Sortiment ist in den letzten Jahren noch größer geworden und umfasst inzwischen auch Produkte wie Möbel und Dekoration.
Diskonter füllen Flächen
Die Veränderung im allgemeinen Handel kommt dazu: Dieser zieht sich flächenmäßig zurück, und auf diesen Flächen mieten sich große Diskonter-Ketten leicht ein. Besonders Shoppingcenter und Einkaufsstraßen sind hier attraktiv. „Die Diskonter werden nicht in den Himmel wachsen“, beruhigt Richter. Zwar gibt es aktuell einen Boom, in den nächsten Jahren sollte sich aber zeigen, welche Diskonter relevant bleiben. Die anderen werden sich zurückziehen. Ob die Expansionen sich rechnen, werde man erst in den nächsten fünf Jahren sehen.
Online-Anbieter wie Shein und Temu sind nur bedingt eine Konkurrenz für die stationären Diskontern. Da die einen online und die anderen stationär sind, nehmen sie sich nicht zu viele Kunden weg, sagt Richter.
Jasmin Sharma
Um bei den Preisen auch profitabel zu wirtschaften, braucht es entsprechende Volumina, die abgesetzt werden. Als rein stationärer Händler expandiert Woolworth daher europaweit, auch in Polen, Tschechien und der Slowakei eröffnet ein Laden nach dem anderen. Längerfristig möchten die Deutschen 5.000 Filialen in Europa betreiben, aktuell sind es rund 1.000.
Lange Historie
Woolworth, 1879 von Frank Winfield Woolworth in den USA gegründet, war ursprünglich eines der größten Handelsunternehmen der Welt. Die US-Firma verschwand jedoch schon in den 1990er Jahren und wurde zu Foot Locker. Die deutsche Woolworth GmbH schlitterte 2009 in die Insolvenz und wurde verkleinert von Investoren fortgeführt.
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